ERP für Maschinenbau: Vergleich, Preise und Auswahlkriterien 2026
ERP-Software für Maschinenbau muss Losgröße 1, mehrstufige Stücklisten (BOM) mit tausenden Sachnummern und die Integration von CAD- und PLM-Daten aus der Konstruktion abbilden, ohne die Fertigungssteuerung zu verlangsamen. Für mittelständische Maschinen- und Anlagenbauer mit rund 200 Mitarbeitenden vergleichen wir 2026 sechs ERP-Systeme mit nachgewiesenem Fertigungsfokus nach Einstiegspreis, Modulen für Variantenfertigung und einem sechsstufigen Auswahlprozess. Laut VDMA verfügen bereits 73 Prozent der Maschinenbauer mit 250 bis 999 Mitarbeitenden über eine Digitalisierungsstrategie (Stand 2026).
Warum Standard-ERP im Maschinenbau an Grenzen stößt
Maschinen- und Anlagenbauer fertigen selten zweimal dasselbe Produkt. Diese Eigenheit stellt andere Anforderungen an ein ERP-System als in Serienfertigung oder Handel.
Typische Hürden in Fertigung und Konstruktion
Diese fünf Punkte sorgen im Maschinenbau am häufigsten dafür, dass ein Standard-ERP an seine Grenzen stößt.
- Variantenfertigung bis Losgröße 1 sprengt die starren Stammdatenmodelle klassischer Handels-ERP-Systeme
- Mehrstufige Stücklisten (BOM) mit tausenden Sachnummern pro Maschine erfordern Versionierung und Änderungsmanagement (ECN)
- Projektfertigung verlangt individuelle Vor- und Nachkalkulation je Auftrag statt Standardpreisen
- CAD- und PLM-Daten aus der Konstruktion werden häufig nur manuell in die Fertigungsstückliste übertragen
- Die Auftragseingänge im deutschen Maschinenbau sanken 2024 um rund 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was Kosteneffizienz durch durchgängige ERP-Prozesse zum Wettbewerbsfaktor macht (Quelle: VDMA, zitiert nach Grant Thornton, 2026)
Was ein Fertigungs-ERP für Maschinenbauer leisten muss
Ein auf Maschinenbau zugeschnittenes ERP-System adressiert genau diese fünf Punkte strukturell statt über Workarounds.
- Nativer Variantenkonfigurator, der aus Regeln statt aus Kopien neue Stücklisten und Arbeitspläne ableitet
- Durchgängiges BOM-Management mit Versionierung zwischen Konstruktions-, Fertigungs- und Servicestückliste
- Bidirektionale CAD/PLM-Integration, etwa zu SolidWorks oder Siemens NX, ohne doppelte Datenpflege
- Projektcontrolling mit laufendem Ist-Soll-Vergleich je Auftrag statt aggregierter Kostenstellenrechnung
- Serviceportal für Ersatzteile, das direkt auf die as-built-Stückliste der ausgelieferten Maschine zugreift
Ein Standard-ERP aus dem Großhandel kann Rechnungen schreiben, scheitert aber regelmäßig an einer sechsstufigen Stückliste mit 3.000 Positionen oder einer CAD-Schnittstelle zu Siemens NX. Die folgende Shortlist zeigt sechs Systeme mit nachweisbarem Fertigungsfokus für den deutschen Maschinenbau.
Sechs ERP-Systeme für den Maschinenbau im Vergleich
Die folgende Shortlist vergleicht proALPHA (deutsches ERP für den industriellen Mittelstand, proALPHA Group, gegründet 1992 in Weilerbach), abas ERP (Fertigungs-ERP der Forterro-Gruppe, gegründet 1980 in Karlsruhe), SAP Business One (ERP-Linie der SAP SE für kleine und mittlere Unternehmen mit Sitz in Walldorf), Microsoft Dynamics 365 Business Central (Cloud-ERP von Microsoft aus dem Navision-Erbe, seit 2018 als Business Central am Markt), Infor CloudSuite Industrial (vormals SyteLine, US-amerikanisches ERP von Infor Inc. für diskrete Fertigung) und PSIpenta (ERP-Lösung der PSI Automotive & Industry GmbH, Teil der PSI Software SE mit Sitz in Berlin, gegründet 1969) gezielt mit Blick auf Maschinenbau-Anforderungen.
| System | Segment | Deployment | Einstiegspreis | Fertigungsfokus | Website |
|---|---|---|---|---|---|
proALPHAproALPHA Group, 1992, Weilerbach | Mittelstand | On-Premise & Cloud | Preis auf Anfrage (proalpha.com, 2026) | Variantenkonfiguration, Projektfertigung | proalpha.com ↗ |
abas ERPForterro-Gruppe, 1980, Karlsruhe | Mittelstand | On-Premise & Cloud | Preis auf Anfrage (abas-erp.com, 2026) | ACL-Variantenkonfigurator, Einzel-/Kleinserien | abas-erp.com ↗ |
SAP Business OneSAP SE, Walldorf | KMU | On-Premise & Cloud | ab 1.140 €/Nutzer (Lizenz) ab 38 €/Nutzer/Mo. (Cloud) | Partner-Add-ons für Fertigung | sap.com ↗ |
Dynamics 365 Business CentralMicrosoft, Navision-Erbe 1984 | KMU / Mittelstand | Cloud (SaaS) | 69,30 €/Nutzer/Mo. (Essentials) 95,30 €/Nutzer/Mo. (Premium) | Projektabrechnung, M365-Integration | microsoft.com ↗ |
Infor CloudSuite IndustrialInfor Inc., vormals SyteLine | Oberer Mittelstand / Konzern | Cloud (Multi-Tenant) | Preis auf Anfrage (infor.com, 2026) | Diskrete Fertigung, Losgröße 1, IoT | infor.com ↗ |
PSIpentaPSI Automotive & Industry, 1969, Berlin | Mittelstand | On-Premise & Cloud | Preis auf Anfrage (psi.de, 2026) | MES-Integration aus einer Hand | psi.de ↗ |
Vier der sechs Systeme nennen aus Projektlogik keine öffentlichen Listenpreise; einzig SAP Business One und Microsoft Dynamics 365 Business Central veröffentlichen transparente Nutzerpreise. Reale Projektpreise hängen stark von Nutzerzahl, Variantentiefe und Customizing ab.
Die drei führenden Systeme für Maschinenbauer im Detail
Unter den sechs Kandidaten sind proALPHA, abas ERP und SAP Business One für einen typischen Maschinenbauer mit rund 200 Mitarbeitenden am häufigsten in der engeren Wahl.
proALPHA
proALPHA zählt nach eigenen Angaben mehr als 9.700 Kunden weltweit und gilt im deutschen Sondermaschinenbau als eines der am weitesten verbreiteten Systeme. Die Stärke liegt in nativer Materialbedarfsplanung (MRP II) und einem Variantenkonfigurator, der Stücklisten und Arbeitspläne regelbasiert statt durch manuelles Kopieren ableitet.
abas ERP
abas ERP nutzen laut Hersteller weltweit über 120.000 Anwender in mehr als 4.000 Implementierungen. Der ACL-Variantenkonfigurator gilt als einer der flexibelsten am Markt für Einzel- und Kleinserienfertiger, weil sich die Konfigurationslogik anpassen lässt, ohne den Systemkern zu verändern.
SAP Business One
SAP Business One richtet sich an kleinere Fertigungsbetriebe und bringt über das breite SAP-Partnernetz zahlreiche branchenspezifische Add-ons für Maschinenbau mit, etwa für Projektfertigung und einfache Variantenkonfiguration. Für eine komplexe Fertigungseinführung mit rund 20 Nutzern kalkulieren SAP-Partner laut eigener Preisliste 60.000 bis 80.000 Euro Implementierungskosten.
Bei rund 200 Mitarbeitenden und wachsender Variantenvielfalt stößt SAP Business One häufig an Wachstumsgrenzen, während proALPHA und abas ERP für diese Größenordnung ausgelegt sind. Eine strukturierte Anforderungsanalyse vor der Anbieterauswahl verhindert eine Fehlentscheidung in beide Richtungen.
Sechs Module, die im Maschinenbau den Unterschied machen
Diese sechs funktionalen Bereiche entscheiden im Maschinenbau stärker als in jeder anderen Branche darüber, ob ein ERP-System zu den realen Prozessen passt.
Variantenkonfiguration
Regelbasierte Ableitung von Stücklisten, Arbeitsplänen und Preisen aus Kundenanforderungen statt manuellem Kopieren bestehender Aufträge.
- Konfigurationsregeln statt Copy-Paste-Stücklisten
- Automatische Plausibilitätsprüfung technischer Kombinationen
- Direkte Übernahme in den Fertigungsauftrag
Stücklistenverwaltung (BOM)
Mehrstufige Stücklisten mit tausenden Sachnummern verlangen Versionierung, Änderungsmanagement und klare Trennung von Konstruktions-, Fertigungs- und Servicestückliste.
- Engineering Change Notices (ECN) mit Freigabeworkflow
- Parallelverwaltung mehrerer BOM-Versionen
- Rückverfolgbarkeit von Bauteil zu Auftrag
CAD/PLM-Integration
Bidirektionale Schnittstellen zu CAD- und PLM-Systemen verhindern doppelte Datenpflege zwischen Konstruktion und Fertigungsstückliste.
- Anbindung an SolidWorks, Siemens NX, Autodesk Inventor
- Automatischer Stücklistenabgleich bei Konstruktionsänderung
- Versionskonsistenz zwischen CAD und ERP
Projektfertigung
Individuelle Vor- und Nachkalkulation je Kundenauftrag statt standardisierter Stückkosten, mit laufendem Ist-Soll-Abgleich während der Fertigung.
- Meilensteinbasierte Teilrechnungsstellung
- Projektbezogene Ressourcen- und Kapazitätsplanung
- Nachkalkulation als Basis für künftige Angebote
Losgröße-1-Fähigkeit
Flexible Werksaufträge und adaptive Fertigungssteuerung ermöglichen wirtschaftliche Einzelfertigung ohne die Rüstzeitverluste klassischer Serienplanung.
- Auftragsbezogene statt lagerorientierte Disposition
- Dynamische Reihenfolgeplanung am Leitstand
- Direkte MES-Rückmeldung in Echtzeit
Serviceportal für Ersatzteile
Kunden-Self-Service für Ersatzteilbestellungen auf Basis der tatsächlich ausgelieferten Maschinenkonfiguration (as-built-Stückliste) senkt Rückfragen im Ersatzteilgeschäft.
- Ersatzteilkatalog verknüpft mit Seriennummer der Maschine
- Explosionszeichnungen direkt aus dem PLM-System
- Automatisierte Verfügbarkeitsprüfung und Bestellung
Ein Maschinenbau-ERP steht nie allein
Kein Maschinenbauer betreibt ERP als Insellösung. Die Qualität der Schnittstellen zu Konstruktion, Fertigungssteuerung und Vertrieb entscheidet über den tatsächlichen Nutzen im Tagesgeschäft.
Konstruktion & Produktdaten
Bidirektionaler Austausch mit SolidWorks, Siemens NX oder PTC Windchill hält Konstruktions- und Fertigungsstückliste synchron und vermeidet doppelte Pflege.
Fertigungssteuerung & BDE
Ein Manufacturing Execution System (MES) übernimmt die operative Maschinen- und Betriebsdatenerfassung, während das ERP Aufträge, Termine und Kosten führt.
Vertrieb & Ersatzteilgeschäft
Angebote, Auftragshistorie und Ersatzteilanfragen zwischen ERP und CRM synchron halten, besonders wichtig für das margenstarke Servicegeschäft.
Zeiterfassung & Personal
Schichtplanung, Zeiterfassung an der Maschine und Lohnabrechnung benötigen eine verlässliche Anbindung an HR-Systeme und DATEV.
Bei der CAD/PLM-Integration lohnt sich vor Vertragsunterschrift ein konkreter Integrationstest mit der eigenen SolidWorks- oder Siemens-NX-Umgebung, nicht nur ein Blick auf die Feature-Liste des Herstellers. proALPHA bietet dafür den eigenen Connector CIM-Connect, abas ERP und PSIpenta setzen überwiegend auf Standard-APIs und Partnerlösungen.
DSGVO, Serverstandort und Zertifizierungen im Maschinenbau
ERP-Systeme im Maschinenbau verarbeiten neben klassischen Finanzdaten auch schutzwürdige Konstruktions- und Exportdaten. Diese sechs Punkte gehören in jedes Lastenheft.
DSGVO-konforme Datenverarbeitung
Personenbezogene Daten aus Auftragsabwicklung, Zeiterfassung und Kundenstammdaten müssen nach der EU-Datenschutz-Grundverordnung verarbeitet werden, unabhängig davon, ob das ERP-System in der Cloud oder On-Premise betrieben wird.
Auftragsverarbeitungsvertrag
Bei Cloud-ERP ist ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) nach Art. 28 DSGVO mit dem Anbieter zwingend erforderlich und sollte vor Vertragsunterschrift juristisch geprüft werden.
Serverstandort Deutschland/EU
Ein Rechenzentrum in der EU reduziert regulatorische Risiken deutlich. Bei Anbietern mit US-Konzernmutter wie Microsoft oder Infor lohnt sich ein gezielter Blick auf die tatsächliche Region der Datenhaltung und den US Cloud Act.
ISO 27001 und BSI C5
ISO 27001 zertifiziert das Informationssicherheits-Managementsystem des Anbieters. Der Cloud Computing Compliance Criteria Catalogue (BSI C5), erstmals 2016 vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik veröffentlicht und 2020 aktualisiert, ist der De-facto-Prüfstandard für Cloud-ERP bei deutschen Behörden und exportorientierten Maschinenbauern.
AWG, BAFA und Dual-Use-Güter
Viele Maschinenbauer exportieren genehmigungspflichtige Güter. Ein ERP-System sollte Exportkontroll- und Sanktionslistenprüfung nach dem Außenwirtschaftsgesetz (AWG) und BAFA-Vorgaben abbilden oder per Schnittstelle anbinden können.
GoBD-konforme Buchführung
Auch im Maschinenbau gelten die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern (GoBD): lückenloses Buchungsjournal, Änderungsprotokollierung und zehnjährige revisionssichere Archivierung für die Betriebsprüfung.
Was ein Maschinenbau-ERP wirklich kostet
Die Lizenz ist im Maschinenbau meist der kleinste Kostenblock. Datenmigration aus dem Altsystem und die Einrichtung der CAD-Integration treiben die Gesamtkosten stärker als in Handel oder Dienstleistung.
| Größenklasse | 5-Jahres-TCO | Größter Kostentreiber | Typische Systeme |
|---|---|---|---|
50–100 Mitarbeitende | 150.000 – 450.000 € | Implementierung & Variantenkonfiguration | SAP Business One, Dynamics 365 BC |
100–250 Mitarbeitende | 450.000 – 1,2 Mio. € | Datenmigration & CAD-Integration | proALPHA, abas ERP, PSIpenta |
250+ Mitarbeitende | ab ca. 1,2 Mio. € | Customizing & Change Management | proALPHA, Infor CloudSuite Industrial |
Als grobe Orientierung gilt im Maschinenbau: Implementierung und Datenmigration binden oft 60 Prozent oder mehr des Projektbudgets, während reine Lizenz- oder Abokosten selten mehr als ein Viertel ausmachen. Die Bandbreiten basieren auf den öffentlichen Preislisten von SAP (business-one-beratung.at, 2025/2026) und Microsoft (2026) sowie eigener Marktbeobachtung, da proALPHA, abas ERP, Infor CloudSuite Industrial und PSIpenta keine öffentlichen Projektpreise veröffentlichen.
In sechs Schritten zum passenden Maschinenbau-ERP
Ein strukturierter Auswahlprozess senkt bei Maschinenbauern das Risiko, dass Datenmigration oder CAD-Integration erst nach Vertragsunterschrift zum Problem werden.
Stücklisten- & Prozessaudit
Bestehende Stammdaten, Stücklistentiefe und Variantenlogik im Altsystem dokumentieren, bevor Anforderungen an das neue ERP formuliert werden.
Shortlist mit Fertigungsfokus
Fünf bis sechs Anbieter mit nachgewiesenem Maschinenbau-Bezug einladen, statt einer allgemeinen ERP-Longlist aus dem Handel.
CAD/PLM-Integrationstest
Proof of Concept mit der eigenen SolidWorks- oder Siemens-NX-Umgebung durchführen, nicht nur eine Standarddemo ansehen.
Datenmigration aus dem Altsystem planen
Datenqualität prüfen, Mapping-Regeln für Stücklisten und Stammdaten definieren und Testläufe mit echten Datensätzen durchführen.
Pilotbetrieb in einer Fertigungslinie
Das neue System an einer realen Fertigungslinie mit echtem Auftragsvolumen testen, bevor der vollständige Rollout beginnt.
Rollout & Change Management
Schulung der Konstrukteure und Fertigungsplaner, ein gestaffelter Go-Live und eine Hypercare-Phase mit direktem Draht zum Implementierungspartner.
Häufige Fragen zu ERP für Maschinenbau
Zwölf Antworten auf die Fragen, die bei der ERP-Auswahl für Maschinenbauer am häufigsten gestellt werden.
Was kostet ein ERP-System für einen Maschinenbauer mit 200 Mitarbeitenden?
Für einen Maschinenbauer mit rund 200 Mitarbeitenden liegen die Gesamtkosten über fünf Jahre 2026 typischerweise zwischen 450.000 und 1,2 Millionen Euro, abhängig von Variantentiefe und CAD-Integrationsaufwand. Reine Lizenz- oder Abokosten machen dabei selten mehr als ein Viertel des Budgets aus, den größten Anteil binden Implementierung, Datenmigration und Schulung. proALPHA, abas ERP und PSIpenta veröffentlichen keine Listenpreise und kalkulieren projektbasiert, während SAP Business One und Microsoft Dynamics 365 Business Central transparente Nutzerpreise nennen.
Welches ERP-System ist am besten für Variantenfertigung im Maschinenbau geeignet?
Für Variantenfertigung gelten proALPHA mit seinem regelbasierten Variantenkonfigurator und abas ERP mit dem ACL-Variantenkonfigurator als besonders ausgereift, weil beide Stücklisten und Arbeitspläne aus Konfigurationsregeln statt aus manuell kopierten Vorlagen ableiten. SAP Business One deckt einfachere Variantenszenarien über Partner-Add-ons ab, stößt bei sehr hoher Variantenvielfalt aber schneller an Grenzen. Die endgültige Eignung hängt stark von der individuellen Komplexität der eigenen Stücklisten ab.
Wie funktioniert die CAD-Integration zwischen ERP und SolidWorks oder Siemens NX?
Eine CAD-Integration überträgt Stücklisten, Zeichnungsnummern und technische Attribute automatisiert aus dem CAD- oder PLM-System in die ERP-Fertigungsstückliste, statt sie manuell zu übertragen. proALPHA bietet dafür den eigenen Connector CIM-Connect, andere Anbieter wie abas ERP oder PSIpenta setzen überwiegend auf Standard-APIs und zertifizierte Partnerlösungen für SolidWorks und Siemens NX. Vor Vertragsabschluss empfiehlt sich ein konkreter Integrationstest mit der eigenen CAD-Umgebung statt einer reinen Feature-Liste des Herstellers.
Was ist eine mehrstufige Stückliste (BOM) und warum ist sie im Maschinenbau kritisch?
Eine mehrstufige Stückliste (Bill of Materials, BOM) bildet ab, aus welchen Baugruppen, Unterbaugruppen und Einzelteilen sich eine Maschine zusammensetzt, oft über fünf oder mehr Ebenen mit tausenden Sachnummern. Im Maschinenbau ist sie kritisch, weil Konstruktionsänderungen (Engineering Change Notices) über mehrere Ebenen hinweg konsistent nachverfolgt werden müssen, um Fertigung, Einkauf und Ersatzteilservice mit dem korrekten Stand zu versorgen. Ein ERP ohne robustes BOM-Management führt schnell zu Fertigungsfehlern durch veraltete Stücklistenstände.
Wie lange dauert eine ERP-Einführung im Maschinenbau?
Eine ERP-Einführung dauert im Maschinenbau je nach Variantentiefe und Datenmigrationsaufwand typischerweise neun bis achtzehn Monate. Cloud-Systeme wie Microsoft Dynamics 365 Business Central lassen sich bei überschaubarer Variantenvielfalt schneller einführen, während Projekte mit proALPHA, abas ERP oder Infor CloudSuite Industrial bei komplexer Stücklistenmigration und CAD-Integration eher am oberen Ende der Spanne liegen. Die Datenmigration aus dem Altsystem ist meist der größte Zeitfaktor.
Was bedeutet Losgröße 1 und kann Standard-ERP das abbilden?
Losgröße 1 bezeichnet die wirtschaftliche Fertigung eines einzelnen, individuellen Produkts statt einer Serie gleicher Stücke, ein zunehmend relevantes Ziel im deutschen Maschinenbau. Klassisches Standard-ERP aus Handel oder Serienfertigung bildet Losgröße 1 nur unzureichend ab, weil es auf lagerorientierte statt auftragsbezogene Disposition ausgelegt ist. Fertigungs-ERP-Systeme wie proALPHA, abas ERP oder Infor CloudSuite Industrial unterstützen dagegen auftragsbezogene Disposition und dynamische Reihenfolgeplanung, die Losgröße 1 wirtschaftlich machen.
Cloud oder On-Premise ERP für Maschinenbauer, was ist besser?
Für die meisten Maschinenbauer mit rund 200 Mitarbeitenden ist Cloud-ERP die praktikablere Wahl, weil Hosting, Updates und Backups beim Anbieter liegen und keine eigene Serverinfrastruktur nötig ist. On-Premise bleibt relevant bei hohen Anforderungen an Datenhoheit für sensible Konstruktionsdaten, bei Exportkontrollauflagen oder bei sehr individuellem Customizing, wie es bei proALPHA und abas ERP im Standardbetrieb üblich ist. Viele Anbieter in diesem Vergleich bieten inzwischen beide Betriebsmodelle parallel an.
Welche Rolle spielt ein Serviceportal für Ersatzteile im Maschinenbau-ERP?
Ein Serviceportal für Ersatzteile ermöglicht Kunden den Self-Service beim Bestellen von Ersatzteilen direkt auf Basis der tatsächlich ausgelieferten Maschinenkonfiguration, der sogenannten as-built-Stückliste. Das senkt Rückfragen im Ersatzteilgeschäft, verkürzt Lieferzeiten bei Maschinenstillstand und erschließt margenstarkes Servicegeschäft, das für viele Maschinenbauer einen wachsenden Umsatzanteil ausmacht. Voraussetzung ist eine saubere Verknüpfung von Seriennummer, Stückliste und Explosionszeichnung im ERP- beziehungsweise PLM-System.
Was kostet die Datenmigration aus einem Altsystem?
Die Datenmigration aus einem Altsystem gehört im Maschinenbau zu den größten Kostenblöcken einer ERP-Einführung, weil Stücklisten, Stammdaten und historische Auftragsdaten oft über Jahrzehnte gewachsen und uneinheitlich gepflegt sind. Je nach Datenqualität und Anzahl der Sachnummern liegen die Kosten für Datenmigration und CAD-Integration in einer Größenordnung von 15.000 bis 80.000 Euro oder mehr, zusätzlich zu den allgemeinen Implementierungskosten. Eine frühzeitige Datenbereinigung vor der eigentlichen Migration senkt diesen Aufwand erheblich.
Ist SAP Business One für einen Maschinenbauer mit 200 Mitarbeitenden geeignet oder zu klein?
SAP Business One ist für einen Maschinenbauer mit 200 Mitarbeitenden grundsätzlich einsetzbar, richtet sich aber primär an Unternehmen bis etwa 200 Nutzer und wird bei stark wachsender Variantenvielfalt oder komplexer Projektfertigung häufig an Wachstumsgrenzen geführt. Für Betriebe am oberen Rand dieser Größenordnung mit hoher Variantenkomplexität sind spezialisierte Fertigungs-ERP-Systeme wie proALPHA oder abas ERP oft die tragfähigere langfristige Wahl. Eine strukturierte Anforderungsanalyse vor der Entscheidung verhindert eine spätere kostspielige Migration.
Was ist der Unterschied zwischen proALPHA und abas ERP für Maschinenbauer?
proALPHA, gegründet 1992 in Weilerbach, hat seine Stärke in nativer Materialbedarfsplanung (MRP II) und einem regelbasierten Variantenkonfigurator für Auftrags- und Serienfertiger. abas ERP, gegründet 1980 in Karlsruhe und heute Teil der Forterro-Gruppe, gilt mit seinem ACL-Variantenkonfigurator als besonders anpassungsfähig, ohne dass dafür der Systemkern verändert werden muss, was es für Einzel- und Kleinserienfertiger attraktiv macht. Beide sind deutsche Systeme mit vollständiger DACH-Lokalisierung und richten sich an den fertigenden Mittelstand, unterscheiden sich aber im Detail der Konfigurationslogik.
Welche Compliance-Anforderungen gelten für ERP-Systeme im deutschen Maschinenbau?
ERP-Systeme im deutschen Maschinenbau müssen die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) einhalten, wofür bei Cloud-Betrieb ein Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO zwingend erforderlich ist. Hinzu kommen die GoBD für revisionssichere Buchführung, idealerweise ein Serverstandort in Deutschland oder der EU sowie Nachweise wie ISO 27001 oder der BSI-Kriterienkatalog C5 für Cloud-Sicherheit. Exportorientierte Maschinenbauer sollten zusätzlich prüfen, ob das ERP-System Exportkontroll- und Sanktionslistenprüfungen nach dem Außenwirtschaftsgesetz unterstützt.
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