ESG-Software erfasst und berichtet Nachhaltigkeitsdaten zu Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung. Dieser Leitfaden erklärt die Regulatorik nach dem EU-Omnibus-Paket, CO2-Bilanzierung, Anbieter, Kosten und Auswahl im DACH-Raum. Seit März 2026 sind durch das Omnibus-Paket rund 90 Prozent weniger Unternehmen CSRD-pflichtig.
Ob Pflicht oder freiwillig: Nachhaltigkeitsdaten müssen erhoben, berechnet und prüfsicher dokumentiert werden. ESG-Software ersetzt fehleranfällige Excel-Sammlungen durch eine konsistente, auditierbare Datenbasis für Reporting und Steuerung.
ESG-Berichterstattung ruht auf mehreren, miteinander verzahnten Regelwerken. Wer die vier wichtigsten kennt, versteht, welche Software-Funktionen wirklich gebraucht werden.
Corporate Sustainability Reporting Directive. Verpflichtet große Unternehmen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Durch das Omnibus-Paket 2026 auf > 1.000 MA und > 450 Mio. Euro Umsatz begrenzt.
European Sustainability Reporting Standards. Zwölf Standards (E1 bis E5, S1 bis S4, G1, plus ESRS 1 und 2). Werden durch Omnibus vereinfacht und stärker auf Kennzahlen fokussiert.
Klassifikationssystem für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten. Definiert, welcher Umsatz, CapEx und OpEx als taxonomiekonform gilt.
Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (DE) und die EU-Richtlinie CSDDD verpflichten zu Sorgfaltspflichten bei Menschenrechten und Umwelt entlang der Lieferkette.
Wichtig: Auch wer nach dem Omnibus-Paket nicht mehr direkt CSRD-pflichtig ist, bleibt häufig indirekt betroffen, weil große, berichtspflichtige Kunden ESG-Daten entlang ihrer Lieferkette einfordern. Eine schlanke, prüfbare Datenbasis ist daher auch für den Mittelstand ein Wettbewerbsfaktor.
Diese sechs Funktionsbereiche bilden den Kern moderner ESG-Software. Welche im Vordergrund stehen, hängt davon ab, ob CO2-Bilanzierung, CSRD-Reporting oder Lieferketten-Sorgfaltspflichten der Treiber sind.
Automatisierte Berechnung des Corporate Carbon Footprint über Scope 1, 2 und 3 nach GHG Protocol, mit hinterlegten Emissionsfaktoren und Datenimport.
Strukturierte Berichterstattung nach ESRS inklusive doppelter Wesentlichkeitsanalyse, Datenpunkt-Management und Berichtsgenerierung.
Bewertung und Dokumentation taxonomiekonformer Aktivitäten sowie Berechnung der Taxonomie-Quoten für Umsatz, CapEx und OpEx.
Lieferantenbewertung, Risikoanalyse und Befragungen zu Menschenrechts- und Umweltsorgfaltspflichten entlang der Lieferkette.
Definition von Reduktionszielen (z. B. SBTi), Simulation von Reduktionspfaden und Tracking konkreter Maßnahmen und ihrer Wirkung.
Zentrale, prüfsichere Datenerhebung mit Rollen, Workflows und Audit-Trail. Grundlage für die externe Prüfung (Assurance) der Berichte.
Eingeordnet nach Segment, Schwerpunkt und Abdeckung von CO2-Bilanzierung, CSRD-Reporting und Lieferkette. Im DACH-Mittelstand sind Plan A, VERSO, Cozero und Tanso stark, für Lieferketten IntegrityNext, für Enterprise-Reporting Workiva und ERP-integrierte Lösungen von SAP. Kein Anbieter hat für Platzierung bezahlt.
| Anbieter | Segment | Schwerpunkt | CO2 (Scope 1-3) | CSRD/ESRS | Lieferkette |
|---|---|---|---|---|---|
Plan ABerlin, DE |
Mittelstand | CO2 & CSRD | ✓ | ✓ | ○ |
VERSOMünchen, DE |
Mittelstand | CSRD & Lieferkette | ✓ | ✓ | ✓ |
CozeroBerlin, DE |
Mittelstand | Carbon Management | ✓ | ○ | ○ |
TansoMünchen, DE |
Industrie | CO2 & CSRD (Industrie) | ✓ | ✓ | ○ |
CoolsetAmsterdam, NL |
KMU/Mid | Carbon & CSRD | ✓ | ✓ | – |
WorkivaUSA, EU-Hosting |
Enterprise | Integriertes Reporting | ○ | ✓ | ○ |
WatershedUSA |
Enterprise | Carbon Accounting | ✓ | ✓ | ○ |
PersefoniUSA |
Enterprise | Carbon & Disclosure | ✓ | ✓ | – |
IntegrityNextMünchen, DE |
Mittelstand+ | Lieferketten-ESG | ○ | ○ | ✓ Kernstärke |
SAP SustainabilityWalldorf, DE |
Enterprise | ERP-integriert | ✓ | ✓ | ○ |
Microsoft Sustainability Mgr.Cloud, USA |
Enterprise | Cloud-Datenplattform | ✓ | ○ | – |
SpheraUSA/DE |
Enterprise | EHS & ESG | ✓ | ✓ | ✓ |
○ = teilweise / modulabhängig, – = kein Schwerpunkt. ESG-Software wird meist als Jahres-SaaS bepreist, häufig auf Anfrage. Stand Juni 2026, anbieterneutral.
ESG-Tools haben klare Schwerpunkte. Der konkrete Anwendungsfall, nicht der größte Funktionskatalog, sollte die Auswahl bestimmen. Diese Einordnung hilft bei der Vorauswahl.
| Anwendungsfall | Kritische Anforderungen | Bewährte Systeme |
|---|---|---|
CO2-Bilanz & KlimazieleCarbon Accounting |
Scope 1-3, Emissionsfaktoren, Reduktionspfade | Plan A, Cozero, Watershed, Tanso |
CSRD-Pflichtberichtgroße Unternehmen |
ESRS-Datenpunkte, doppelte Wesentlichkeit, Audit | Workiva, VERSO, Persefoni, SAP |
Lieferketten-SorgfaltLkSG / CSDDD |
Lieferantenbefragung, Risikoanalyse, Maßnahmen | IntegrityNext, VERSO, Sphera |
Mittelstand / freiwilligKunden- & Bankanforderung |
Schnelle Einführung, schlanke Bilanz, Standardberichte | Plan A, Coolset, Cozero |
Industrie / Produktionproduktbezogene Bilanz |
Product Carbon Footprint, Energiedaten, ERP-Daten | Tanso, Sphera, SAP Sustainability |
Konzern / ERP-integriertbestehende SAP-/MS-Welt |
Integration in ERP, Finanzdatenqualität, Skalierung | SAP Sustainability, Microsoft, Workiva |
Orientierung nach typischen Anwendungsfällen, keine abschließende Eignungsaussage. Stand Juni 2026, anbieterneutral.
Belastbare ESG-Berichte entstehen nur, wenn die Software Daten automatisiert aus den Quellsystemen zieht. Manuelle Erfassung ist der größte Fehler- und Aufwandstreiber, besonders bei Scope 3.
Tipp: Achten Sie auf die Methodik hinter den Zahlen. Spend-based-Ansätze (Hochrechnung über Ausgaben) sind schnell, aber ungenau, aktivitätsbasierte und Primärdaten aus der Lieferkette sind präziser und prüffester. Gute ESG-Software macht transparent, welche Datenqualität hinter jeder Kennzahl steht.
Diese sechs Rahmenwerke bestimmen, was eine ESG-Software können muss. Der Stand 2026 ist durch das Omnibus-Paket geprägt, das den Kreis der pflichtigen Unternehmen deutlich verkleinert hat.
Die Corporate Sustainability Reporting Directive regelt die verpflichtende Nachhaltigkeitsberichterstattung. Nach dem Omnibus-Paket gilt sie für Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitenden und über 450 Mio. Euro Umsatz.
Zwölf European Sustainability Reporting Standards strukturieren den Bericht: übergreifend (ESRS 1, 2), Umwelt (E1 bis E5), Soziales (S1 bis S4) und Governance (G1). Sie werden 2026 vereinfacht.
Legt fest, welche Wirtschaftsaktivitäten als ökologisch nachhaltig gelten. Unternehmen weisen taxonomiekonforme Anteile von Umsatz, CapEx und OpEx aus.
Internationaler Standard der CO2-Bilanzierung mit den drei Bereichen Scope 1 (direkt), Scope 2 (eingekaufte Energie) und Scope 3 (Wertschöpfungskette).
Das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz und die EU-Richtlinie CSDDD verpflichten zu Sorgfaltspflichten bei Menschenrechten und Umwelt, auch deren Zeitplan wurde durch Omnibus angepasst.
Die Omnibus-Richtlinie (EU) 2026/470 (gültig seit 18.03.2026) reduziert Pflichten und Umfang von CSRD und CSDDD erheblich, rund 90 Prozent weniger Unternehmen sind direkt CSRD-pflichtig.
ESG-Software wird meist als Jahres-SaaS bepreist. Der größere Aufwand steckt oft in der Datenerhebung, besonders bei Scope 3 und in der Lieferkette. Diese Übersicht zeigt realistische Größenordnungen für 2026.
| Szenario | Typische Anbieter | Lizenz p.a. | Aufwandstreiber |
|---|---|---|---|
KMU / freiwillig CO2-Bilanz, Standardbericht |
Coolset, Cozero, Plan A | 5.000–20.000 € | Datenerhebung Scope 1-2 |
Mittelstand CSRD ESRS-Reporting |
Plan A, VERSO, Tanso | 15.000–60.000 € | Wesentlichkeit, Scope 3 |
Lieferketten-Fokus LkSG / CSDDD |
IntegrityNext, VERSO | 20.000–80.000 € | Lieferantenanbindung |
Enterprise / Konzern integriert & prüfsicher |
Workiva, SAP, Sphera, Persefoni | ab 80.000 €+ | Integration, Assurance |
Wichtige Kostentreiber: Erhebung und Qualitätssicherung der Daten (besonders Scope 3 und Lieferkette), die doppelte Wesentlichkeitsanalyse, die Integration in ERP und Energiedatenquellen sowie gegebenenfalls Beratung und die externe Prüfung. Die Lizenzkosten sind oft der kleinere Teil des Gesamtaufwands.
Nach dem Omnibus-Paket lohnt sich zuerst die Frage, ob überhaupt eine Pflicht besteht. Danach führt ein klarer Prozess vom Anwendungsfall zur passenden, prüfsicheren Lösung.
Prüfen, ob und ab wann das Unternehmen unter CSRD oder LkSG fällt und ob freiwilliges Reporting für Banken oder Kunden sinnvoll ist. Daraus die Anforderungen ableiten.
Festlegen, ob der Schwerpunkt auf CO2-Bilanzierung, CSRD/ESRS-Reporting, EU-Taxonomie oder Lieferkette liegt. Die meisten Tools haben einen klaren Schwerpunkt.
Verfügbare Datenquellen wie ERP, Energieverbräuche und Lieferantendaten erfassen. Die Datenverfügbarkeit, besonders für Scope 3, bestimmt den Aufwand maßgeblich.
5 bis 8 Anbieter vorauswählen und mit eigenem Anwendungsfall testen. Auf Methodik (GHG Protocol), ESRS-Abdeckung und Prüfbarkeit der Daten achten.
Sicherstellen, dass die Software prüfsichere, nachvollziehbare Daten für die externe Prüfung liefert und sich an ERP und Datenquellen anbinden lässt.
Tool einführen, Datenprozesse etablieren und den jährlichen Berichtszyklus aufsetzen. Verantwortlichkeiten für Datenpflege und Freigabe klar zuweisen.
Die wichtigsten Fragen zu CSRD nach dem Omnibus-Paket, CO2-Bilanzierung, Anbietern, Kosten und Auswahl von ESG-Software im DACH-Raum.
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