Software-Kategorie · Manufacturing Execution

MES Software für die digitale Fertigung.

Ein Manufacturing Execution System (MES) steuert und überwacht die Produktion in Echtzeit und schließt die Lücke zwischen ERP und Maschinenebene. Dieser Leitfaden erklärt Funktionen, Standards wie ISA-95 und VDI 5600, Anbieter, Kosten und Auswahl für Fertiger im DACH-Raum.

OEE & Leistung
BDE / MDE
Rückverfolgbarkeit
ISA-95 / VDI 5600
Ebene 3
MES in der ISA-95-Automatisierungspyramide
VDI 5600
De-facto-Standard für MES-Funktionen
~10%
jährliches Marktwachstum MES (CAGR)
OEE
zentrale Kennzahl für den Business Case
Was ist MES?

Transparenz auf dem Shopfloor

Ohne MES bleibt die Produktion eine Blackbox: Daten werden auf Papier oder in Insel-Tools erfasst, Stillstände fallen erst im Nachhinein auf. Ein MES macht die Fertigung in Echtzeit messbar, steuerbar und rückverfolgbar.

Typische Probleme ohne MES
📋
Papier & Excel auf dem Shopfloor
Laufzettel, händische Listen und Insellösungen. Daten sind nicht aktuell, nicht auswertbar und fehleranfällig.
⏱️
Unbekannte OEE & Stillstände
Niemand weiß, warum eine Anlage steht. Verfügbarkeits-, Leistungs- und Qualitätsverluste bleiben unsichtbar.
🔎
Keine Rückverfolgbarkeit
Im Reklamations- oder Rückruffall lässt sich nicht lückenlos nachweisen, welches Material in welcher Charge verbaut wurde.
🔌
ERP und Maschine entkoppelt
Aufträge werden im ERP geplant, aber der Rückfluss von Ist-Daten aus der Produktion fehlt oder erfolgt manuell und verspätet.
Was ein gutes MES leistet
Echtzeit-Maschinen- und Betriebsdaten
Automatische Erfassung via OPC UA und Terminals
OEE und Leistungstransparenz
Verfügbarkeit, Leistung und Qualität live je Anlage
Lückenlose Rückverfolgbarkeit
Chargen, Material und Prozessdaten dokumentiert
Papierlose Fertigung
Digitale Arbeitsanweisungen und Rückmeldungen
Nahtlose ERP-Anbindung
Auftragsdaten rein, Ist-Daten zurück, nach ISA-95
Einordnung
Nach ISA-95 (IEC 62264) sitzt das MES auf Ebene 3 zwischen ERP (Ebene 4) und der Maschinensteuerung (Ebenen 0 bis 2). Die VDI 5600 definiert den Funktionsumfang und ist der De-facto-Bewertungsstandard im europäischen Markt.
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Architektur

Wo das MES sitzt: die ISA-95-Pyramide

Die Automatisierungspyramide nach ISA-95 ordnet die IT-Systeme der Fertigung in fünf Ebenen. Das MES verbindet die kaufmännische Planung mit der realen Produktion und ist die zentrale Schicht der Industrie-4.0-Vernetzung.

Ebene 4
ERP Unternehmensplanung: Aufträge, Einkauf, Finanzen (z. B. SAP S/4HANA)
Ebene 3
MES / MOM Fertigungssteuerung in Echtzeit: Feinplanung, BDE/MDE, OEE, Qualität, Traceability
Ebene 2
SCADA / HMI Prozessleit- und Visualisierungsebene
Ebene 1
SPS / Steuerung Maschinen- und Anlagensteuerung (PLC)
Ebene 0
Feldebene Sensoren, Aktoren, Maschinen am Produktionsprozess

VDI 5600 definiert ergänzend die Aufgaben eines MES, darunter Feinplanung und Steuerung, Betriebs- und Maschinendatenerfassung, Materialmanagement, Qualitätsmanagement, Leistungsanalyse (OEE), Personalmanagement und die Informations- bzw. Dokumentenverwaltung. Der Trend geht zu offenen, OPC-UA-basierten Plattformen, die statt der starren Pyramide ein vernetztes Industrie-4.0-Datenmodell abbilden.

Kernfunktionen

Was ein MES leisten muss

Die VDI 5600 definiert die Aufgaben eines MES. Diese sechs Funktionsbereiche bilden den Kern jeder Bewertung. Je nach Fertigungstyp und Reifegrad werden sie unterschiedlich stark gewichtet.

01

Feinplanung & Steuerung

Detaillierte Reihenfolgeplanung der Aufträge auf Maschinen und Linien. Reaktion auf Störungen, Eilaufträge und Engpässe in Echtzeit.

  • Plantafel & Scheduling
  • Auftragssteuerung & Rückmeldung
  • Kapazitäts- und Engpassplanung
02

Betriebs- & Maschinendaten (BDE/MDE)

Automatische Erfassung von Maschinen-, Prozess- und Auftragsdaten über OPC UA, Terminals und Sensorik. Die Datenbasis für alle Auswertungen.

  • Maschinenanbindung via OPC UA
  • Auftrags- und Zeiterfassung
  • Prozessdaten & Parameter
03

Leistungsanalyse & OEE

Berechnung der Gesamtanlageneffektivität aus Verfügbarkeit, Leistung und Qualität. Stillstandsgründe und Verlustquellen werden transparent.

  • OEE in Echtzeit
  • Stillstands- & Verlustanalyse
  • Shopfloor-Dashboards
04

Qualitätsmanagement (CAQ)

Prüfpläne, SPC, Fehlererfassung und Sperrungen direkt im Prozess. Qualität wird in der Fertigung gesichert statt erst am Ende geprüft.

  • Inline-Prüfungen & SPC
  • Fehler- & Reklamationsmanagement
  • Prüfmittel & Sperrlogik
05

Rückverfolgbarkeit & Doku

Lückenlose Genealogie von Material, Charge und Prozessparametern. Im Reklamations- oder Rückruffall in Sekunden auswertbar.

  • Chargen- & Serien-Tracking
  • Material- und Bauteilgenealogie
  • Elektronische Dokumentation
06

Material- & Werkzeugmanagement

Bereitstellung von Material, Werkzeugen und NC-Programmen am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Reduziert Suchzeiten und Rüstfehler.

  • Materialbereitstellung & WIP
  • Werkzeug- & Ressourcenverwaltung
  • DNC / NC-Programmverteilung
Anbietervergleich

12 MES-Anbieter im DACH-Überblick 2026

Der Enterprise-MES-Markt wird von wenigen Anbietern dominiert. Eingeordnet nach Segment, Fokus, Fertigungstyp und Deployment. Siemens Opcenter, SAP Digital Manufacturing, MPDV HYDRA-X (Mosbach, 1977), Rockwell Plex und AVEVA decken den vollen Funktionsumfang ab. Kein Anbieter hat für Platzierung bezahlt.

Anbieter Segment Fokus / Stärke Fertigungstyp Deployment OEE/BDE ERP-Integration
Siemens Opcenterehem. SIMATIC IT, Nürnberg
Enterprise Breite & Automation Diskret & Prozess Cloud / On-Prem SAP/Teamcenter
SAP Digital ManufacturingWalldorf, DE
Enterprise SAP-Integration Diskret & Prozess Cloud nativ S/4HANA
MPDV HYDRA-XMosbach, DE · 1977
Midmarket MES-Spezialist DACH Diskret Cloud / On-Prem SAP/Dynamics
Rockwell PlexCloud-MES, USA
Enterprise Cloud-nativ Automotive / Diskret Cloud offen
AVEVA MESehem. Wonderware
Enterprise Prozessindustrie Prozess On-Prem / Cloud offen
Critical ManufacturingASMPT, Portugal
Enterprise Industrie 4.0 Halbleiter / High-Tech Cloud / On-Prem offen
iTAC SoftwareDürr-Gruppe, Dernau DE
Midmarket IIoT & Traceability Elektronik / Automotive Cloud / On-Prem SAP
FORCAM FORCERavensburg, DE
Midmarket OEE & Shopfloor Diskret Cloud / On-Prem Kernstärke SAP
Industrie Informatikcronetwork, Linz AT
Midmarket DACH-Mittelstand Diskret On-Prem / Cloud SAP
Körber Werum PAS-XPharma-MES, Lüneburg
Pharma GMP / eBR Pharma / Life Sciences On-Prem / Cloud SAP
GUARDUS MESUlm, DE
Midmarket MES + CAQ-Qualität Diskret On-Prem SAP
SYMESTICCloud-MES, DE
KMU Cloud, schnell startklar Diskret Cloud (SaaS) ○ offen

○ = eingeschränkt / branchenspezifisch. MES-Preise sind projektabhängig und werden in der Regel auf Anfrage kalkuliert (siehe TCO-Abschnitt). Stand Juni 2026, anbieterneutral.

Nach Fertigungstyp

Welches MES für welche Fertigung?

MES ist kein Einheitsprodukt. Der Fertigungstyp bestimmt, welche Funktionen kritisch sind und welche Anbieter passen. Diese Einordnung hilft bei der Vorauswahl nach Branche und Produktionslogik.

Fertigungstyp Kritische Anforderungen Bewährte Systeme Standards
Diskrete SerienfertigungMaschinenbau, Metall
OEE, Feinplanung, Werkzeugmgmt. MPDV, Siemens, FORCAM, cronetwork VDI 5600, ISO 9001
AutomotiveOEM & Zulieferer
Traceability, Null-Fehler, EDI Rockwell Plex, iTAC, Siemens IATF 16949, VDA
Elektronik / HalbleiterEMS, High-Tech
Bauteil-Genealogie, hohe Taktung Critical Manufacturing, iTAC IPC, ISA-95
ProzessindustrieChemie, Food & Beverage
Rezeptsteuerung, Batch, Charge AVEVA, Siemens Opcenter ISA-88, HACCP, IFS
Pharma / Life Sciencesregulierte Produktion
GMP, eBR, Audit-Trail Körber Werum PAS-X GAMP 5, 21 CFR Part 11
KMU / EinstiegMittelstand, Retrofit
Schnelle OEE, geringe IT-Last SYMESTIC, FORCAM, GUARDUS VDI 5600 (Kern)

Orientierung nach typischen Einsatzbereichen, keine abschließende Eignungsaussage. Stand Juni 2026, anbieterneutral.

Integration-Ökosystem

Das MES in der vernetzten Fabrik

Ein MES entfaltet seinen Wert erst durch Integration nach oben (ERP) und unten (Maschinen). Offene Standards wie OPC UA sind entscheidend, um auch heterogene und ältere Maschinenparks anzubinden.

ERP (Ebene 4)
SAP S/4HANA
Aufträge, Stücklisten, Rückmeldung
Microsoft Dynamics, Infor
Auftrags- & Materialdaten
Shopfloor (Ebene 0-2)
OPC UA
Offener Standard für Maschinendaten
SPS (Siemens, Beckhoff)
MQTT, Profinet, Altanlagen-Retrofit
Engineering & Qualität
PLM (Teamcenter, Windchill)
Stücklisten & Arbeitspläne
CAQ-Systeme
Prüfpläne, SPC, Reklamationen
IIoT, Cloud & BI
IIoT-Plattformen
MindSphere, AWS, Azure IoT
BI & Analytics
Power BI, Grafana für OEE-Reports

Wichtig bei der Evaluierung: Prüfen Sie konkret, wie der Anbieter Ihren bestehenden Maschinenpark anbindet, gerade bei älteren Anlagen ohne OPC UA. Die Konnektivität zur Maschinenebene ist erfahrungsgemäß der größte Aufwands- und Risikotreiber eines MES-Projekts, nicht die Software selbst.

Standards & Compliance

Normen, die ein MES erfüllen muss

MES bewegt sich in einem stark normierten Umfeld. Welche Standards relevant sind, hängt von Branche und Markt ab. Diese sechs sind bei der Auswahl im DACH-Raum besonders zu beachten.

Architektur

ISA-95 / IEC 62264

Internationaler Standard für die Integration von ERP und Fertigung. Definiert fünf Ebenen und vier MOM-Domänen und legt fest, wo das MES einzuordnen ist.

  • 5-Ebenen-Modell
  • 4 MOM-Domänen
  • Basis für ERP-MES-Schnittstellen
Funktionsumfang

VDI 5600

Deutsche Richtlinie, die den Funktionsumfang eines MES definiert. Sie gilt als De-facto-Standard für die MES-Bewertung im europäischen Raum.

  • Definierte MES-Aufgaben
  • Bewertungsraster für Anbieter
  • Grundlage für Lastenhefte
Kennzahl

OEE-Berechnung

Die Gesamtanlageneffektivität ist das Produkt aus Verfügbarkeit, Leistung und Qualität. Ein MES erfasst die Basisdaten und berechnet die OEE objektiv und vergleichbar.

  • Verfügbarkeit x Leistung x Qualität
  • Objektive, automatische Erfassung
  • Benchmark zwischen Anlagen
Pharma

GMP, GAMP 5 & 21 CFR Part 11

In der Pharma-Produktion gelten Good Manufacturing Practice, das GAMP-5-Validierungsmodell und FDA 21 CFR Part 11 für elektronische Aufzeichnungen und Signaturen.

  • Elektronische Batch-Records (eBR)
  • Audit-Trail & e-Signaturen
  • Computer System Validation
Qualität

ISO 9001 & IATF 16949

Qualitätsmanagementnormen, in der Automobilindustrie zusätzlich IATF 16949. Ein MES unterstützt deren Nachweis durch lückenlose Dokumentation und Rückverfolgbarkeit.

  • Prozess- & Prüfdokumentation
  • Rückverfolgbarkeit (Traceability)
  • Audit-Fähigkeit
IT/OT-Security

IEC 62443

Sicherheitsstandard für industrielle Automatisierung. Mit der Vernetzung von Shopfloor und IT wird die Absicherung der OT-Systeme und Schnittstellen zur Pflicht.

  • Netzwerksegmentierung
  • Zugriffs- & Rechtekonzept
  • Sichere OPC-UA-Kommunikation
Kosten & TCO

Was ein MES wirklich kostet

MES-Kosten werden projektabhängig kalkuliert. Maßgeblich sind Standortgröße, Maschinenanbindung, ERP-Integration und Customizing. Diese Größenordnungen basieren auf marktüblichen Implementierungen 2026.

Szenario Typische Systeme TCO-Spanne Projektdauer
KMU / Cloud-Einstieg
eine Linie, OEE-Fokus
SYMESTIC, FORCAM, GUARDUS 30.000–150.000 € 2–6 Monate
Mittelstand diskret
mehrere Linien, ein Werk
MPDV HYDRA-X, iTAC, cronetwork 80.000–400.000 € 6–12 Monate
SAP-integriert
bestehendes SAP-ERP
SAP Digital Manufacturing 200.000–1.000.000 € 9–18 Monate
Enterprise / Multi-Site
mehrere Werke, voller Umfang
Siemens Opcenter, Rockwell, AVEVA 300.000–1.500.000 € 12–24 Monate

Wichtige Kostentreiber: Anbindung des Maschinenparks (besonders Altanlagen ohne OPC UA), ERP-Integration und Customizing der Workflows, Hardware wie Terminals und Scanner, Schnittstellen zu PLM und CAQ sowie Schulung und Change-Management in der Produktion. Die Software-Lizenz ist meist nur ein Bruchteil des Gesamtaufwands.

Auswahlprozess

In 6 Schritten zum richtigen MES

MES-Projekte sind komplex und langfristig. Ein strukturierter Auswahlprozess mit klarem Pilot reduziert Risiko und Kosten und sichert die Akzeptanz in der Produktion.

01

Ist-Prozesse & Ziele aufnehmen

Fertigungsprozesse, Maschinenpark und Pain Points dokumentieren. Klare Ziele wie OEE-Steigerung, Rückverfolgbarkeit oder papierlose Fertigung definieren.

02

Anforderungen nach VDI 5600

Benötigte MES-Funktionen anhand der VDI-5600-Aufgaben priorisieren und die ISA-95-Einordnung zwischen ERP und Maschinenebene klären.

03

Fertigungstyp & Branche abgleichen

Anbieter nach Eignung für diskrete Fertigung, Prozessindustrie oder regulierte Pharma-Produktion filtern. Branchenreferenzen einfordern.

04

ERP- & Shopfloor-Integration prüfen

Anbindung an das vorhandene ERP und die Maschinenebene über OPC UA bewerten. Konnektivität ist der häufigste Stolperstein im Projekt.

05

Proof of Concept an einer Linie

MES an einer realen Linie testen: Datenerfassung, OEE-Berechnung und Auftragsrückmeldung mit echten Maschinen validieren, bevor skaliert wird.

06

Rollout & Skalierung planen

Mit einem Pilotbereich starten, dann linien- und werksweise ausrollen. Schulung der Werker und Change-Management von Anfang an einplanen.

FAQ

Häufige Fragen zur MES Software

Die wichtigsten Fragen zu Funktionen, Standards, Kosten und Auswahl von Manufacturing Execution Systems in der Fertigung im DACH-Raum.

Was ist ein MES (Manufacturing Execution System)?
Ein Manufacturing Execution System (MES) ist eine Software, die die Fertigung in Echtzeit steuert und überwacht. Es schließt die Lücke zwischen dem ERP-System (Planungsebene) und der Maschinenebene (Automatisierung), erfasst Betriebs- und Maschinendaten, plant Aufträge fein und liefert Kennzahlen wie die OEE. Nach ISA-95 sitzt das MES auf Ebene 3 der Automatisierungspyramide.
Was regeln ISA-95 und VDI 5600 bei MES?
ISA-95 (IEC 62264) definiert die Integrationsarchitektur zwischen ERP und Fertigung über fünf Ebenen und vier MOM-Domänen und legt fest, wo ein MES einzuordnen ist. Die VDI-Richtlinie 5600 beschreibt den Funktionsumfang eines MES anhand definierter Aufgaben und gilt als De-facto-Standard für die MES-Bewertung im europäischen Raum. Beide Standards ergänzen sich: ISA-95 sagt wo, VDI 5600 sagt was.
Was kostet die Einführung eines MES?
Die Gesamtkosten eines MES hängen stark von Anbieter und Umfang ab. Für eine mittelgroße diskrete Fertigung liegt der TCO bei MPDV HYDRA-X typischerweise zwischen 80.000 und 400.000 Euro. SAP Digital Manufacturing für einen Standort mit bestehendem SAP-ERP kostet 200.000 bis 1.000.000 Euro, Siemens Opcenter je nach Umfang 300.000 bis 1.500.000 Euro. Hinzu kommen Schnittstellen, Hardware und Schulung.
Welche MES-Anbieter sind 2026 führend?
Der Enterprise-MES-Markt wird von wenigen Anbietern dominiert: Siemens Opcenter, SAP Digital Manufacturing, MPDV HYDRA-X, Rockwell Plex und AVEVA decken den vollen Funktionsumfang ab. Im DACH-Mittelstand sind außerdem iTAC, FORCAM und Industrie Informatik (cronetwork) etabliert. Für regulierte Pharma-Produktion ist Körber Werum PAS-X führend, für Halbleiter und High-Tech Critical Manufacturing.
Was ist der Unterschied zwischen MES und ERP?
ERP-Software plant und verwaltet Ressourcen auf Unternehmensebene wie Aufträge, Einkauf und Finanzen. Ein MES steuert und überwacht die eigentliche Produktion in Echtzeit auf dem Shopfloor. Das ERP gibt vor, was und bis wann produziert werden soll, das MES sorgt dafür, dass es korrekt, nachverfolgbar und effizient produziert wird. Beide Systeme werden über Schnittstellen nach ISA-95 verbunden.
Was ist die OEE und wie hilft ein MES dabei?
Die OEE (Overall Equipment Effectiveness, Gesamtanlageneffektivität) misst die Produktivität einer Anlage als Produkt aus Verfügbarkeit, Leistung und Qualität. Ein MES erfasst die dafür nötigen Maschinen- und Betriebsdaten automatisch und berechnet die OEE in Echtzeit. So werden Stillstände, Leistungsverluste und Ausschuss sichtbar und gezielt reduziert, was häufig der zentrale Business Case für ein MES ist.
Braucht regulierte Pharma-Produktion ein spezielles MES?
Ja, in der Pharma- und Life-Sciences-Produktion muss ein MES GMP-konform sein und Anforderungen wie GAMP 5, FDA 21 CFR Part 11 und lückenlose elektronische Batch-Records (eBR) mit Audit-Trail erfüllen. Spezialisierte Systeme wie Körber Werum PAS-X sind dafür ausgelegt. Standard-MES für diskrete Fertigung erfüllen diese regulatorischen Anforderungen in der Regel nicht ohne erheblichen Zusatzaufwand.
Wie lange dauert die Einführung eines MES?
Die Einführung eines MES dauert je nach Umfang typischerweise 6 bis 18 Monate. Ein Pilot an einer einzelnen Linie kann in wenigen Monaten stehen, ein werksweiter oder konzernweiter Rollout zieht sich über ein bis zwei Jahre. Größte Aufwandstreiber sind die Anbindung der Maschinen (OPC UA, Altanlagen), die ERP-Integration und das Change-Management mit den Werkern in der Produktion.
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