Schnittstellen und Integration in der Systemlandschaft
Kein Unternehmen läuft auf nur einem System. ERP, CRM, MES, PLM und viele mehr müssen Daten austauschen, sonst entstehen Inseln und doppelte Pflege. Diese Seite erklärt die Arten von Schnittstellen, die wichtigsten Standards und wie eine Systemlandschaft sauber zusammenspielt.
Warum Systeme miteinander reden müssen
Jede gewachsene IT besteht aus mehreren Systemen. Die Frage ist nicht, ob sie verbunden werden, sondern wie gut.
Wo Systeme nicht sauber verbunden sind, entstehen Datensilos. Dieselbe Information wird an mehreren Stellen erfasst, Stände laufen auseinander, und Mitarbeitende verbringen täglich Zeit mit dem Kopieren von Daten. Jede dieser manuellen Brücken ist eine Fehlerquelle und ein verstecktes Kostenzentrum.
Schnittstellen lösen das, indem sie den Austausch automatisieren. Ein Kundenauftrag im Webshop läuft über eine Schnittstelle sofort ins ERP, das den Bestand prüft und die Verfügbarkeit zurückmeldet. Aus einzelnen Programmen wird ein zusammenspielendes Ganzes, in dem Daten einmal erfasst und überall genutzt werden.
Genau an den Grenzen zwischen den Systemen entstehen diese Schnittstellen. Wer versteht, wie ERP, MES, PLM oder CRM sich voneinander abgrenzen, versteht auch, wo sie verbunden werden müssen. Diese Seite ist deshalb der Knotenpunkt zu den einzelnen Systemvergleichen.
Wie Systeme verbunden werden
Es gibt nicht die eine richtige Schnittstelle. Welche passt, hängt vom Anwendungsfall ab, von der Echtzeitanforderung, der Systemlandschaft und dem Budget. Ein Überblick der wichtigsten Arten.
API und REST
Eine API ist eine Programmierschnittstelle, über die Systeme miteinander sprechen. REST ist der verbreitete Baustil dafür und heute der Standard für den Datenaustausch in Echtzeit. Ideal für Verbindungen wie Webshop zu ERP oder CRM zu ERP.
EDI
Electronic Data Interchange ist der etablierte Standard für den automatisierten Belegaustausch zwischen Unternehmen, mit Formaten wie EDIFACT. Für Zulieferer großer Kunden oft Pflicht.
OPC UA
Der Standard für die sichere Kommunikation zwischen Produktion und IT, standardisiert als IEC 62541. Er überträgt Maschinendaten in Echtzeit über ein semantisches Modell. Der übliche Weg, Maschinen an ein MES anzubinden.
Middleware und ESB
Eine vermittelnde Schicht, die mehrere Systeme verbindet und den Austausch zentral steuert, übersetzt und überwacht. Sinnvoll, sobald viele Systeme zusammenspielen sollen.
iPaaS
Integration Platform as a Service, eine Middleware aus der Cloud. Sie bietet fertige Konnektoren für viele Systeme und macht Integrationen schneller umsetzbar. Wachsender Standard für flexible Systemlandschaften.
Dateibasierter Austausch
Der Austausch über Dateien wie CSV oder XML, oft zeitgesteuert statt in Echtzeit. Einfach und robust, aber nicht sofort aktuell und fehleranfällig bei manueller Pflege.
Begriffe nachschlagen. API, EDI, OPC UA und weitere Fachbegriffe sind im Glossar der Softwareauswahl kurz und verständlich erklärt.
Zum GlossarISA-95, die Automatisierungspyramide
Damit eine Fertigung nicht in einem Wirrwarr aus Direktverbindungen endet, teilt der Standard ISA-95, geführt als IEC 62264, die Systeme in Ebenen. Das Grundprinzip, jede Ebene spricht zunächst nur mit der direkt darüber und darunter liegenden.
ERP, die Geschäftsebene
Planung von Aufträgen, Terminen und Ressourcen für das ganze Unternehmen.
MES, die Fertigungsebene
Steuerung und Überwachung der Produktion, Bindeglied zwischen Planung und Maschine.
SCADA und Leitsystem
Überwachung und Steuerung der Anlagen und Prozesse in der Produktion.
SPS und Maschinensteuerung
Die direkte Steuerung einzelner Maschinen und Anlagen.
Sensoren und Feldebene
Die physische Ebene, an der Daten entstehen und Aktoren wirken.
Zwischen Maschine und MES überträgt meist OPC UA die Daten in Echtzeit. Zwischen MES und ERP wandern Aufträge nach unten und Rückmeldungen nach oben. Diese klare Ordnung ersetzt ein unübersichtliches Netz aus Punkt-zu-Punkt-Verbindungen.
Die Ebenen im Vergleich. Wie sich ERP und MES konkret abgrenzen und an welcher Stelle sie ineinandergreifen, zeigt der Systemvergleich.
MES gegen ERPDirekt verbinden oder entkoppeln
Für die Verbindung mehrerer Systeme gibt es zwei grundsätzliche Wege. Sie unterscheiden sich in Aufwand, Stabilität und wie gut sie mit Wachstum umgehen.
Direkte Anbindung, Punkt zu Punkt
Zwei Systeme werden direkt miteinander verbunden. Schnell umgesetzt und schlank bei wenigen Verbindungen. Der Nachteil, eine Änderung an einem System kann die Schnittstelle brechen, und bei vielen Systemen entsteht ein unübersichtliches Netz.
Middleware, entkoppelt
Eine vermittelnde Schicht steuert den Austausch zentral. Sie federt Änderungen ab, übersetzt Formate und macht das Zusammenspiel überschaubar. Als Erfahrungswert gilt, ab mehr als drei verbundenen Systemen ist dieser Weg strukturell die bessere Wahl.
Verwandte Grundsatzfrage. Ob viele spezialisierte Systeme oder eine integrierte Suite, das beeinflusst die Zahl der Schnittstellen direkt.
Best-of-Breed gegen All-in-OneFührende Daten, eine Quelle der Wahrheit
Die meisten Integrationsprobleme sind keine technischen, sondern Fragen der Datenhoheit. Wer führt welche Information. Ohne diese Klärung hilft die beste Schnittstelle nichts.
Je Information genau ein führendes System
Für jede Datenart wird ein führendes System bestimmt. Der Artikelstamm etwa wird im ERP geführt, die Konstruktionsdaten im PLM, die Kundendaten im CRM. Andere Systeme übernehmen diese Daten, ändern sie aber nicht eigenmächtig. Ohne diese Festlegung entstehen widersprüchliche Stände, weil dieselbe Information an mehreren Stellen gepflegt wird.
Bei Produktdaten besonders wichtig. Welches System welche Daten führt, ist etwa bei Produktinformationen und Stammdaten eine zentrale Frage.
PIM gegen MDM gegen DAMIn sechs Schritten zur tragfähigen Integration
Gute Integration ist Methode, nicht Zufall. Dieser Weg führt von den Prozessen über die führenden Daten bis zur Verankerung im Lastenheft.
Prozesse zuerst denken
Vor der Technik den Zielprozess klären. Eine Schnittstelle soll einen Prozess unterstützen, nicht nur Daten kopieren. Die Art der Schnittstelle folgt aus dem Prozess.
Systemlandschaft kartieren
Alle beteiligten Systeme und die nötigen Datenflüsse zwischen ihnen sichtbar machen. Erst die Karte zeigt, was mit was verbunden werden muss.
Führende Daten festlegen
Für jede Datenart bestimmen, welches System die Quelle der Wahrheit ist. So wird dieselbe Information nicht an mehreren Stellen widersprüchlich gepflegt.
Schnittstellenart wählen
Je Anwendungsfall die passende Technik wählen, etwa REST für Echtzeit, EDI für den Belegaustausch, OPC UA für Maschinendaten. Kein Standard ist universell besser, es kommt auf den Fall an.
Architektur entscheiden
Zwischen direkter Anbindung und einer entkoppelnden Middleware wählen, abhängig von der Zahl der Systeme. Ab mehr als drei Systemen spricht viel für eine Middleware.
Ins Lastenheft schreiben
Die Schnittstellenanforderungen früh im Lastenheft dokumentieren. Was nicht bedacht wird, treibt später die Kosten in die Höhe.
Schnittstellen gehören ins Lastenheft. Die Vorlage hilft, Anforderungen inklusive Integration strukturiert und bewertbar festzuhalten.
Zur Lastenheft-VorlageSechs Fallen bei der Integration
Integrationsprojekte scheitern selten an der Technik allein. Diese sechs Muster verursachen die meisten Probleme und Kosten.
Wer eine Schnittstelle baut, ohne den Zielprozess zu klären, kopiert nur Daten und zementiert oft einen schlechten Ablauf.
Ist unklar, welches System eine Information führt, entstehen widersprüchliche Stände, die keine Schnittstelle heilt.
Viele Punkt-zu-Punkt-Verbindungen wachsen sich zu einem unwartbaren Netz aus, in dem jede Änderung riskant wird.
Wer Integration nicht ins Lastenheft schreibt, zahlt später drauf, wenn die Anbindung sich als aufwendig herausstellt.
Anlagen ohne moderne Schnittstellen brauchen zusätzliche Gateways. Das fällt oft erst im Projekt auf und kostet Zeit.
Ohne saubere Rechte, Verschlüsselung und Protokollierung wird jede Schnittstelle zum Risiko für Daten und Compliance.
Wo Systeme sich abgrenzen, entstehen Schnittstellen
Integration und Abgrenzung sind zwei Seiten derselben Münze. Diese Vergleiche zeigen, wo eine Systemart endet und die nächste beginnt, also genau dort, wo eine Schnittstelle nötig wird.
MES gegen ERP
Planung und Fertigung, verbunden über die ISA-95-Ebenen und OPC UA.
Vergleich lesenPLM gegen ERP
Entwicklung und Geschäft, verbunden über die Stückliste.
Vergleich lesenSCM gegen ERP
Innensicht und Lieferkette, verbunden oft über EDI zu Partnern.
Vergleich lesenPIM gegen MDM gegen DAM
Produktdaten, Stammdaten und Assets, eine Frage der führenden Daten.
Vergleich lesenBI gegen Reporting gegen DWH
Die Datenkette, in der viele Quellen zusammengeführt werden.
Vergleich lesenAlle Vergleiche
Der Überblick über alle Systemabgrenzungen an einem Ort.
Zur ÜbersichtHäufige Fragen zu Schnittstellen
Kompakte, eigenständige Antworten zu Begriffen, Standards und Architektur.
Was ist eine Schnittstelle in der Software?
Eine Schnittstelle ist eine definierte Verbindung, über die zwei Systeme Daten austauschen. Sie legt fest, welche Informationen in welchem Format übergeben werden, ohne dass ein System die inneren Details des anderen kennen muss. Eine API ist eine solche Schnittstelle mit klaren Regeln für den Zugriff. Schnittstellen sind das Bindegewebe einer Systemlandschaft, denn erst sie machen aus einzelnen Programmen ein zusammenspielendes Ganzes.
Was ist der Unterschied zwischen API, REST und EDI?
Eine API ist allgemein eine Programmierschnittstelle, über die Systeme miteinander sprechen. REST ist ein verbreiteter Baustil für solche APIs und heute der De-facto-Standard für den Datenaustausch in Echtzeit über das Web. EDI ist ein älterer, aber sehr etablierter Standard für den automatisierten Belegaustausch zwischen Unternehmen, etwa für Bestellungen und Rechnungen, mit Formaten wie EDIFACT. REST verbindet oft Systeme im eigenen Haus, EDI verbindet Unternehmen miteinander.
Was ist OPC UA?
OPC UA, standardisiert als IEC 62541, ist der verbreitete Standard für die sichere Kommunikation zwischen der Produktion und der IT. Er überträgt Maschinendaten in Echtzeit über ein einheitliches, semantisches Informationsmodell, sodass ein Wert nicht nur eine Zahl ist, sondern eine benannte Größe wie Temperatur oder Alarm. In der Fertigung ist OPC UA der übliche Weg, Maschinen und Steuerungen an höhere Systeme wie ein MES anzubinden.
Was ist ISA-95?
ISA-95, international als IEC 62264 geführt, ist ein Standard, der die Systeme eines produzierenden Unternehmens in Ebenen einteilt, von der Sensor- und Feldebene über die Maschinen- und Leitebene bis zum MES und zum ERP. Das Grundprinzip lautet, dass jede Ebene zunächst nur mit der direkt darüber und darunter liegenden Ebene kommuniziert. Das schafft eine klare, herstellerunabhängige Sprache für die Integration und vermeidet ein unübersichtliches Netz aus Direktverbindungen.
Wann braucht man eine Middleware oder iPaaS?
Solange nur zwei Systeme verbunden werden, genügt oft eine direkte Schnittstelle. Sobald mehrere Systeme zusammenspielen, wird eine Middleware oder eine iPaaS-Plattform sinnvoll, die den Austausch zentral steuert und die Systeme entkoppelt. Als Erfahrungswert gilt, ab mehr als drei verbundenen Systemen ist eine entkoppelnde Architektur strukturell die bessere Wahl, weil sie Änderungen abfedert und die Übersicht wahrt.
Was bedeutet führendes System oder führende Daten?
Führende Daten bedeuten, dass für jede Information genau ein System als Quelle der Wahrheit festgelegt ist. Der Artikelstamm wird zum Beispiel im ERP geführt, die Konstruktionsdaten im PLM. Andere Systeme übernehmen diese Daten, ändern sie aber nicht eigenmächtig. Ohne diese Festlegung entstehen widersprüchliche Stände, weil dieselbe Information an mehreren Stellen gepflegt wird. Die Klärung der führenden Daten ist eine der wichtigsten Weichen jeder Integration.
Warum gehören Schnittstellen ins Lastenheft?
Weil Schnittstellen bei der Auswahl oft zu wenig beachtet werden und spätere Integrationsprojekte dadurch teuer werden. Wer die nötigen Verbindungen, Datenflüsse und Standards früh im Lastenheft dokumentiert, kann in Anbietergesprächen gezielt danach fragen und die Integrationsfähigkeit bewerten. Was nicht bedacht wird, treibt später die Kosten. Schnittstellen gehören daher von Anfang an in die Anforderungen.
Eine Landschaft, die zusammenspielt
Gute Integration beginnt nicht bei der Technik, sondern bei den Prozessen und den führenden Daten. Halten Sie Ihre Schnittstellen früh im Lastenheft fest und wählen Sie Systeme, die offen und anschlussfähig sind. Neutral und auf Basis realer Projekte.