PIM-Software (Product Information Management) zentralisiert alle Produktinformationen, reichert sie an und spielt sie konsistent an Shop, Marktplätze, Print und Vertrieb aus. Dieser Leitfaden erklärt Funktionen, Standards wie GDSN und eCl@ss, Anbieter, Kosten und Auswahl für den DACH-Raum.
Produktdaten liegen verstreut in ERP, Excel, Mails der Lieferanten und Bildordnern. Ein PIM bündelt sie an einem Ort, sichert ihre Qualität und spielt sie konsistent in jeden Kanal aus, vom Onlineshop bis zum Katalog.
Ein PIM ist die Drehscheibe zwischen Datenquellen und Ausgabekanälen. Es sammelt, reichert an, sichert Qualität und verteilt. Wer den Fluss versteht, bewertet Anbieter realistischer.
Import von Basisdaten aus ERP, Lieferanten-Feeds, Excel und Klassifikationskatalogen in eine zentrale Plattform.
Marketingtexte, Bilder, Varianten, Übersetzungen und Beziehungen werden in Workflows ergänzt und freigegeben.
Regeln prüfen Vollständigkeit und Konsistenz je Kanal. Erst freigegebene, vollständige Daten werden ausgespielt.
Kanalgerechte Ausspielung an Shop, Marktplätze, Print und Vertrieb, jeweils im passenden Format und Datenstandard.
Wichtig bei der Bewertung: Der größte Hebel liegt in den Stufen Anreichern und Qualität. Achten Sie weniger auf die reine Datenhaltung als auf Workflow-Fähigkeit, Regelwerke für Datenqualität und die kanalgerechte Ausspielung, dort entscheidet sich der spätere Nutzen.
Diese sechs Funktionsbereiche bilden den Kern moderner PIM-Software. Je nach Sortiment, Branche und Kanalstrategie werden sie unterschiedlich stark gewichtet.
Flexible Attribute, Kategorien, Varianten und Beziehungen. Unterstützung für Klassifikationsstandards wie eCl@ss und ETIM für technische Produkte.
Aufgabenbasierte Anreicherung mit Status, Verantwortlichkeiten und Freigaben. Mehrere Teams arbeiten parallel an vollständigen Produkten.
Verwaltung von Bildern, Videos und Dokumenten direkt am Produkt. Varianten, Formate und Rechte zentral gepflegt und mit ausgespielt.
Kanalgerechte Ausspielung an Shop, Marktplätze, Print und Vertrieb. Mapping auf die Anforderungen von Amazon, Google und Handelspartnern.
Regeln für Pflichtfelder, Formate und Konsistenz. Qualitäts- und Vollständigkeitsquoten machen den Reifegrad je Kanal sichtbar.
Übersetzungs-Workflows, Sprach- und Marktvarianten. Inhalte werden pro Land und Sprache differenziert gepflegt und ausgespielt.
Eingeordnet nach Segment, Schwerpunkt, Deployment, Open-Source-Option und DAM. Akeneo (PXM, Frankreich), Contentserv (DE), Stibo Systems (STEP, Dänemark), inriver (Schweden) und Pimcore (Open Source, Österreich) zählen zu den führenden Plattformen. Kein Anbieter hat für Platzierung bezahlt.
| Anbieter | Segment | Schwerpunkt | Deployment | Open Source | DAM |
|---|---|---|---|---|---|
AkeneoPXM, Frankreich |
Mittelstand+ | PXM, breite Adoption | Cloud / On-Prem | ✓ Community | ○ Add-on |
ContentservRohrbach, DE |
Mittelstand+ | Product Experience | Cloud | – | ✓ |
Stibo Systems STEPDänemark |
Enterprise | Multidomain-MDM/PIM | Cloud / On-Prem | – | ✓ |
inriverSchweden |
Enterprise | Syndication & Digital Shelf | Cloud | – | ○ |
PimcoreSalzburg, AT |
Mittelstand+ | PIM + MDM + DAM | Cloud / On-Prem | ✓ GPL | ✓ |
SalsifyUSA |
Enterprise | PXM & Commerce | Cloud | – | ✓ |
SyndigoUSA (ex-Riversand) |
Enterprise | Content & GDSN | Cloud | – | ✓ |
ViamediciEttlingen, DE |
Mittelstand+ | Technische Produkte | Cloud / On-Prem | – | ✓ |
PerfionDänemark, MS-basiert |
Mittelstand | Dynamics-365-Umfeld | Cloud / On-Prem | – | ○ |
ProductsupBerlin, DE |
Mittelstand+ | Feed & Syndication | Cloud | – | – |
Bluestone PIMNorwegen |
Mittelstand+ | Headless / API-first | Cloud (SaaS) | – | ○ |
PlytixSpanien/DK |
KMU | Günstiger Einstieg | Cloud (SaaS) | – | ✓ |
○ = eingeschränkt / modulabhängig, – = nicht im Fokus. PIM wird meist als Jahres-SaaS bepreist, Open-Source-Editionen sind lizenzfrei (Hosting/Implementierung separat). Stand Juni 2026, anbieterneutral.
Konsumgüter brauchen andere PIM-Funktionen als technische B2B-Produkte. Diese Einordnung zeigt bewährte Systeme je Profil als Ausgangspunkt für die Vorauswahl.
| Profil | Kritische Anforderungen | Bewährte Systeme |
|---|---|---|
Hersteller technischer ProdukteIndustrie, B2B |
eCl@ss/ETIM, Varianten, Datenblätter, BMEcat | Viamedici, Contentserv, Pimcore |
Konsumgüter / MarkenherstellerFMCG, Retail |
GDSN, Digital Shelf, Marken-Content | Salsify, Syndigo, inriver, Akeneo |
Händler & MarktplätzeE-Commerce |
Syndication, Feed-Management, viele Kanäle | Productsup, Akeneo, Salsify |
Mittelstand mit Microsoft-StackDynamics 365 |
Enge ERP-Integration, schlanke Einführung | Perfion, Contentserv |
Open-Source-orientiertvolle Datenhoheit |
Anpassbarkeit, On-Premise, kein Lizenz-Lock-in | Pimcore, Akeneo Community |
KMU / Einstiegkleines Sortiment |
Schnelle Einführung, geringe Kosten | Plytix, Bluestone PIM |
Orientierung nach typischen Profilen, keine abschließende Eignungsaussage. Stand Juni 2026, anbieterneutral.
Ein PIM entfaltet seinen Wert über die Anbindung an Quellsysteme und Ausgabekanäle. Standardkonnektoren und offene APIs entscheiden, wie schnell neue Kanäle erschlossen werden.
Wichtig bei der Evaluierung: Prüfen Sie, ob für Ihr ERP und Shopsystem fertige Konnektoren existieren und wie die Marktplatz-Syndication abgebildet wird. Eine dokumentierte REST-API und vorhandene Standard-Schnittstellen entscheiden über Aufwand, Geschwindigkeit und spätere Flexibilität.
Produktdaten sind nur wertvoll, wenn sie standardkonform, vollständig und austauschbar sind. Diese sechs Punkte entscheiden über die Eignung eines PIM, gerade im DACH-Raum.
Das Global Data Synchronization Network (GDSN) auf Basis von GS1-Standards (GTIN) ist der Standard für den Stammdatenaustausch zwischen Herstellern und Handel, vor allem bei Konsumgütern.
eCl@ss und ETIM sind Klassifikationsstandards für technische und industrielle Produkte. Sie beschreiben Kategorien und Merkmale einheitlich und sind im B2B-Handel oft Pflicht.
BMEcat ist das verbreitete XML-Format für den elektronischen Austausch von Produktkatalogen im B2B. Ein PIM sollte BMEcat im- und exportieren können.
Regeln für Pflichtfelder, Formate und Konsistenz sowie Vollständigkeits-Scores je Kanal. Schlechte Produktdaten sind der häufigste Grund für PIM-Projekte.
PIM fokussiert produktbezogene, vertriebsnahe Daten. MDM verwaltet alle Stammdaten-Domänen unternehmensweit. Manche Plattformen (Stibo, Pimcore) decken beides ab.
Moderne PIM sind API-first und headless, damit Inhalte flexibel in beliebige Frontends fließen. Die Weiterentwicklung zum PXM stellt das Produkterlebnis in den Mittelpunkt.
PIM-Software wird meist als Jahres-SaaS bepreist, abhängig von Sortimentsgröße, Nutzern und Kanälen. Der größere Aufwand steckt oft in Datenmodellierung und Bereinigung. Diese Übersicht zeigt realistische Größenordnungen für 2026.
| Szenario | Typische Systeme | Lizenz p.a. | Einführung |
|---|---|---|---|
KMU / Einstieg kleines Sortiment, ein Kanal |
Plytix, Bluestone, Akeneo Community | 0–15.000 € | 5.000–25.000 € |
Mittelstand mehrere Kanäle & Sprachen |
Akeneo, Contentserv, Pimcore, Perfion | 15.000–60.000 € | 25.000–120.000 € |
Enterprise Multidomain, viele Märkte |
Stibo STEP, inriver, Salsify, Syndigo | 60.000–250.000 €+ | 100.000–500.000 €+ |
Wichtige Kostentreiber: Datenmodellierung und Bereinigung der Bestandsdaten, Anzahl der angebundenen Kanäle und Sprachen, Schnittstellen zu ERP, Shop und DAM sowie Schulung der Redaktionsteams. Open-Source-Editionen sparen Lizenzkosten, verlagern den Aufwand aber auf Hosting und Implementierung.
PIM-Projekte scheitern selten an der Software und oft an unklaren Datenmodellen und schlechter Datenqualität. Dieser Prozess führt vom Sortiment bis zum produktiven, sauberen PIM.
Bestehende Datenquellen, Sortimentsgröße, Attributtiefe und alle Ausgabekanäle wie Shop, Marktplätze, Print und Vertrieb erfassen.
Funktionen wie Anreicherungs-Workflows, DAM, Mehrsprachigkeit und Klassifikation (eCl@ss, ETIM) priorisieren und das Zieldatenmodell skizzieren.
Anbindung an ERP, Shopsystem, DAM und Syndication-Kanäle bewerten. Offene APIs und vorhandene Konnektoren reduzieren den Aufwand erheblich.
5 bis 8 Anbieter vorauswählen und mit eigenem Sortiment und echten Use Cases testen, etwa Anreicherung und Ausspielung in einen Kanal.
Prüfen, wie das System Datenqualität, Vollständigkeit und Freigabe-Workflows sicherstellt. Schlechte Produktdaten sind der häufigste Projektgrund.
Datenmodell aufsetzen, Bestandsdaten migrieren und bereinigen, Workflows etablieren und schrittweise weitere Kanäle anbinden.
Die wichtigsten Fragen zu Funktionen, Abgrenzung, Standards, Kosten und Auswahl von Product-Information-Management-Software im DACH-Raum.
Unsere Matching-Engine analysiert Ihr Unternehmen und gleicht es gegen über 16.000 Systeme ab, auch für Spezialkategorien wie PIM. Sie erhalten eine anbieterneutrale Vorauswahl passender Systeme. Kostenlos und ohne Datenweitergabe ohne Ihre Entscheidung.