IT-Sourcing · Make-or-Buy

Make-or-Buy in der IT: selbst entwickeln oder klug einkaufen

Make-or-Buy ist die Grundsatzentscheidung, ob eine IT-Leistung selbst entwickelt und betrieben oder als Standardsoftware eingekauft wird. Für den Mittelstand in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen wir die Kriterien, den Entscheidungsprozess und den TCO-Vergleich, damit die Entscheidung auf Fakten steht statt auf Bauchgefühl.

60–80 %
der Software-Gesamtkosten entfallen auf Betrieb und Wartung, nicht auf die Anschaffung (Erfahrungswert)
3
Kernkriterien entscheiden: Gesamtkosten, strategische Bedeutung, Risiko
5 Jahre
typischer Betrachtungshorizont für einen belastbaren TCO-Vergleich
47 %
sehen sich für IT-Sourcing-Projekte gut aufgestellt (Lünendonk 2024)
Make vs Buy TCO über die Laufzeit Anbieterneutral DACH-Mittelstand
Grundlagen

Make oder Buy, was heißt das konkret

Make bedeutet, eine IT-Leistung selbst zu entwickeln und zu betreiben. Buy bedeutet, sie als fertige Standardsoftware oder Dienstleistung einzukaufen. Die Entscheidung fällt nicht pauschal für das ganze Unternehmen, sondern pro Anforderung. Beide Wege haben klare Stärken.

Make · Eigenentwicklung

Volle Kontrolle, volle Verantwortung

Sinnvoll, wenn die Leistung euch vom Wettbewerb unterscheidet.

  • Passt exakt auf eigene, oft ungewöhnliche Prozesse.
  • Kein Anbieter-Lock-in, volle Hoheit über Code und Daten.
  • Kann echtes Alleinstellungsmerkmal schaffen.
  • Bindet interne Kapazität dauerhaft, auch für Wartung.
  • Höheres Umsetzungs- und Verzugsrisiko.
Buy · Standardsoftware

Schnell, bewährt, gepflegt

Sinnvoll bei Standardaufgaben, die viele Unternehmen gleich lösen.

  • Schnell verfügbar, kurze Time-to-Market.
  • Geringere Anfangskosten, planbare Gebühren.
  • Laufende Weiterentwicklung und Wartung durch den Anbieter.
  • Weniger Individualisierung, gewisse Abhängigkeit.
  • Verlangt eine bewusste Anbieterauswahl und Exit-Strategie.
Entscheidungskriterien

Woran Sie Make von Buy unterscheiden

Diese Kriterien geben pro Anforderung die Richtung vor. Selten sprechen alle für dieselbe Seite, deshalb werden sie gewichtet und in einer Nutzwertanalyse zusammengeführt.

KriteriumSpricht für MakeSpricht für Buy
Strategische BedeutungAlleinstellungsmerkmal, Kern des GeschäftsStandardaufgabe, austauschbar
MarktverfügbarkeitKein passendes Produkt am MarktBewährte Standardsoftware vorhanden
IndividualisierungSehr spezifische, ungewöhnliche ProzesseProzesse lassen sich standardisieren
Time-to-MarketZeit ist vorhandenSchnell einsatzbereit nötig
Interne KompetenzEntwicklung und Betrieb im HausKein Team für Dauerbetrieb
Gesamtkosten (TCO)Langfristig günstiger trotz AufbauGünstiger über die Laufzeit
Datenschutz und HoheitHöchste Anforderungen an DatenhoheitDSGVO-konformer Anbieter genügt
Vorgehen in 6 Schritten

Die Make-or-Buy-Entscheidung strukturiert treffen

Dieser Ablauf führt von der Anforderung zur begründeten, dokumentierten Entscheidung. Er funktioniert für ein einzelnes Feature ebenso wie für ein ganzes System.

01

Leistung abgrenzen

Die zu entscheidende Anforderung klar beschreiben und von angrenzenden Themen trennen.

02

Strategische Bedeutung

Ist die Leistung ein Alleinstellungsmerkmal oder eine austauschbare Standardaufgabe?

03

Marktverfügbarkeit

Prüfen, ob es passende Standardsoftware gibt, die die Anforderungen wirklich abdeckt.

04

TCO rechnen

Gesamtkosten für Make und Buy über mindestens fünf Jahre inklusive Betrieb und Wartung.

05

Risiko abwägen

Umsetzungsrisiko, Abhängigkeit und Exit-Optionen bewerten und gewichten.

06

Entscheiden und dokumentieren

Über eine Nutzwertanalyse begründen und die Entscheidung nachvollziehbar festhalten.

Kosten und TCO

Was in einen ehrlichen Vergleich gehört

Der häufigste Fehler ist, Make an den Personalkosten und Buy am Lizenzpreis zu messen. Ein fairer Vergleich rechnet beide Wege über die volle Laufzeit. Diese Blöcke werden am häufigsten vergessen.

KostenblockBei Make (Eigenentwicklung)Bei Buy (Standardsoftware)
AufbauKonzeption, Entwicklung, Test, ErsteinführungLizenz- oder Setup-Gebühr, Einführung, Schulung
BetriebHosting, Monitoring, Support durch eigenes TeamLaufende Abo- oder Wartungsgebühren
WartungBugfixes, Sicherheitsupdates, WeiterentwicklungIm Abo enthalten, Updates durch den Anbieter
AnpassungJede Änderung erfordert eigene EntwicklungKonfiguration, Erweiterungen, Schnittstellen
RisikoVerzug, Wissensverlust bei PersonalwechselPreisanpassungen, Anbieterabhängigkeit
OpportunitätGebundene Kapazität fehlt für KernthemenGeringer, Fokus bleibt auf dem Kerngeschäft
Fallstricke

Wo Make-or-Buy-Entscheidungen kippen

Die Entscheidung selbst ist selten das Problem. Es sind die Annahmen dahinter. Diese sechs Punkte führen am häufigsten zur falschen Wahl.

Make · Kostenfalle

Wartung unterschätzt

Die Entwicklung ist der kleinere Teil. Betrieb und Wartung binden Jahr für Jahr Kapazität und werden im Erstvergleich oft komplett vergessen.

Make · Abhängigkeit

Klumpenrisiko Personal

Wenn nur ein oder zwei Entwickler das System kennen, wird ihr Weggang zum Betriebsrisiko. Eigenentwicklung braucht Dokumentation und Vertretung.

Buy · Passung

Standard erzwingt Prozess

Standardsoftware bildet gängige Abläufe ab. Wer sehr eigene Prozesse hat, muss entweder anpassen oder den Prozess ändern. Das wird gern übersehen.

Buy · Lock-in

Anbieterabhängigkeit

Ohne Exit-Strategie und Datenrückgabe im Vertrag wird ein späterer Wechsel teuer. Der Lock-in gehört von Anfang an bewertet.

Beide

Emotionale Entscheidung

„Das bauen wir schnell selbst" oder „Kaufen ist immer teurer" sind Bauchurteile. Nur die TCO-Rechnung über die Laufzeit schafft Klarheit.

Beide

Alles-oder-nichts

Make und Buy sind kein Entweder-oder. Oft ist der hybride Weg am stärksten: Standard kaufen und nur das Differenzierende selbst bauen.

FAQ

Häufige Fragen zu Make-or-Buy

Die wichtigsten Fragen zu Kriterien, Kosten, Risiken und dem Zusammenhang mit der Softwareauswahl. Kurz und selbsterklärend beantwortet.

Was bedeutet Make-or-Buy in der IT?

Make-or-Buy in der IT ist die Entscheidung, ob ein Unternehmen eine benötigte IT-Leistung selbst entwickelt und betreibt (Make) oder als fertige Standardsoftware beziehungsweise Dienstleistung einkauft (Buy). Die Entscheidung wird pro Anforderung getroffen und stützt sich auf die Gesamtkosten über die Laufzeit, die strategische Bedeutung der Leistung und das Risiko der Abhängigkeit.

Wann lohnt sich Eigenentwicklung (Make)?

Eigenentwicklung lohnt sich, wenn die Leistung ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist, sich am Markt nicht als Standard einkaufen lässt, besonders sensible Daten betrifft oder sehr spezifische Prozesse abbildet, die kein Standardprodukt trifft. Sie bindet allerdings interne Kapazität dauerhaft, auch für Betrieb und Wartung.

Wann ist Standardsoftware (Buy) die bessere Wahl?

Buy ist meist sinnvoller bei Standardaufgaben wie Buchhaltung, CRM, ERP, HR oder Betrieb, wo etablierte Software den Bedarf abdeckt. Standardsoftware ist schneller verfügbar, günstiger im Aufbau, wird laufend weiterentwickelt und gepflegt und verteilt das Risiko auf den Anbieter. Der Preis dafür ist geringere Individualisierung und eine gewisse Abhängigkeit.

Welche Kriterien entscheiden bei Make-or-Buy?

Die drei Kernkriterien sind die Gesamtkosten über die Laufzeit (TCO), die strategische Bedeutung der Leistung und das Risiko. Ergänzend fließen Time-to-Market, verfügbare interne Kompetenzen, Individualisierungsbedarf, Skalierbarkeit und die Abhängigkeit vom Anbieter ein.

Wie berechnet man die Kosten für Make-or-Buy?

Ein belastbarer Vergleich rechnet nicht den Anschaffungspreis, sondern die Total Cost of Ownership über mindestens fünf Jahre. Bei Make gehören Entwicklung, Betrieb, Wartung, Weiterentwicklung und gebundene interne Kapazität dazu. Bei Buy sind es Lizenz- oder Abogebühren, Einführung, Anpassung, Schnittstellen und Betrieb. Betrieb und Wartung machen erfahrungsgemäß den größeren Teil der Gesamtkosten aus, nicht die Erstanschaffung.

Was ist der Unterschied zwischen Make-or-Buy und Outsourcing?

Make-or-Buy entscheidet, ob eine Leistung selbst erbracht oder extern bezogen wird. Outsourcing ist eine der möglichen Buy-Formen und beschreibt die dauerhafte Auslagerung einer Leistung an einen Dienstleister. Make-or-Buy ist damit die übergeordnete Entscheidung, Outsourcing eine konkrete Umsetzungsvariante der Buy-Seite.

Gibt es einen Mittelweg zwischen Make und Buy?

Ja. Viele Unternehmen wählen einen hybriden Weg: eine Standardsoftware als Basis kaufen und nur die wirklich differenzierenden Teile selbst entwickeln oder über Konfiguration und Erweiterungen anpassen. So sichern sie Standardnutzen und Wartungsentlastung und behalten trotzdem die Individualität an den entscheidenden Stellen.

Welche Risiken hat eine Make-or-Buy-Entscheidung?

Bei Make sind die Hauptrisiken unterschätzter Wartungsaufwand, Abhängigkeit von einzelnen Entwicklern und Verzug. Bei Buy sind es Anbieterabhängigkeit (Vendor-Lock-in), fehlende Passung an Sonderprozesse und laufende Kosten. Beide Risiken lassen sich durch eine saubere TCO-Rechnung, klare Anforderungen und im Buy-Fall durch eine dokumentierte Exit-Strategie begrenzen.

Wie hängt Make-or-Buy mit der Softwareauswahl zusammen?

Die Make-or-Buy-Entscheidung steht am Anfang jeder Softwareauswahl. Erst wenn feststeht, dass eingekauft (Buy) wird, beginnt der eigentliche Auswahlprozess mit Anforderungen, Longlist, Shortlist und Nutzwertanalyse. Fällt die Entscheidung auf Make, folgt stattdessen ein Entwicklungs- oder Dienstleisterprojekt.

Steht Make-or-Buy bei Ihnen an? Entscheiden Sie auf Fakten.

Wir strukturieren Ihre Make-or-Buy-Entscheidung anbieterneutral: von der Bewertung über die TCO-Rechnung bis zur Anbieterauswahl, falls die Wahl auf Buy fällt.