Anforderungen sammeln.
Stakeholder einbinden, bevor Sie Anbieter einladen.
Anforderungen sammeln heißt in der Softwareauswahl, alle Menschen zu finden, die von einem neuen System betroffen sind, ihre Bedürfnisse strukturiert zu erheben, zu Muss, Soll und Kann zu gewichten und Widersprüche zu klären, bevor ein Anbieter angesprochen wird. Dieser Leitfaden richtet sich an Mittelständler im DACH Raum, die ERP, CRM, HR, WMS, BI oder eine andere Fachsoftware auswählen und dafür Fachbereiche, IT, Einkauf, Datenschutz und Betriebsrat an einen Tisch bringen müssen. Er zeigt, wie Sie Stakeholder nach Einfluss und Interesse einordnen, welche Erhebungsmethode zu welcher Frage passt, wie sechs Schritte vom Auftrag zum freigegebenen Katalog führen, wie Sie gewichten und welche rechtlichen Punkte Sie nicht übersehen dürfen. Er ersetzt keine Rechtsberatung.
Anforderungen sammeln:
erst die Menschen, dann die Merkmale.
Anforderungen sammeln heißt, die Beteiligten einer Softwareauswahl zu identifizieren, ihre Bedürfnisse strukturiert zu erheben, zu Muss, Soll und Kann zu gewichten und Konflikte vor der Anbieteransprache zu klären. Erst ein abgestimmter Katalog macht Angebote vergleichbar. Dass hier die meiste Arbeit liegt, zeigt die internationale Umfrageinitiative NaPiRE (Naming the Pain in Requirements Engineering): In der zweiten Replikation 2014/15 mit 228 Unternehmen aus 10 Ländern standen unvollständige Anforderungen an erster Stelle der genannten Probleme, gefolgt von Kommunikationsmängeln zwischen Projektteam und Kunde. Wie die Portal Funktion den fertigen Katalog verwaltet, beschreibt die Seite Anforderungsmanagement im Selection Portal. Dieser Leitfaden zeigt den Teil davor: das Sammeln mit Menschen.
Ohne abgestimmte Anforderungen
- Ein Fachbereich schreibt den Katalog allein, die anderen merken es erst in der Demo
- Alles ist Muss, weil niemand Prioritäten vereinbart hat
- Anbieter beantworten unterschiedliche Fragen, die Angebote lassen sich nicht vergleichen
- Betriebsrat und Datenschutz erfahren spät vom Projekt und bremsen kurz vor dem Vertrag
- Wünsche und Lösungen vermischen sich, der Katalog beschreibt schon ein bestimmtes Produkt
Mit abgestimmten Anforderungen
- Jede Anforderung hat eine Quelle, eine Priorität und einen Ansprechpartner im Fachbereich
- Muss, Soll und Kann sind verteilt, K.O. Kriterien sind begründet und auf wenige beschränkt
- Alle Anbieter beantworten denselben Katalog, Antworten sind zeilenweise vergleichbar
- Betriebsrat, Datenschutz und IT sind früh informiert und liefern ihre Punkte als Anforderungen
- Änderungen laufen über einen dokumentierten Weg statt über Zuruf in der Demo
Quelle: NaPiRE, Supporting Requirements Engineering Research that Industry Needs, Stand Oktober 2026. Prozentwerte der Umfrage nennen wir nicht, weil sie im veröffentlichten Text nicht beziffert sind. Die Vergleichsliste ist eine Zusammenfassung von Find-Your-Software.
Stakeholder Matrix:
wer braucht welche Art der Einbindung?
Ein Stakeholder ist jede Person oder Gruppe, die vom neuen System betroffen ist oder die Auswahl beeinflussen kann. In einer Softwareauswahl reicht das vom Sachbearbeiter, der täglich mit der Software arbeitet, über die IT Leitung bis zur Geschäftsführung. Damit Sie nicht alle gleich behandeln, ordnen Sie sie nach Einfluss und Interesse ein. Das Raster geht auf Aubrey Mendelow zurück, der 1991 eine solche Power Interest Matrix vorgeschlagen hat. Die vier Felder geben vor, wie eng Sie jemanden einbinden: eng führen, zufriedenstellen, informiert halten oder beobachten. Die Beispiele in den Feldern sind Erfahrungswerte von Find-Your-Software für den Mittelstand und müssen an Ihre Organisation angepasst werden.
Zufriedenstellen
Diese Personen entscheiden mit, beschäftigen sich aber nicht gern mit Details. Sie brauchen kurze Entscheidungsvorlagen und früh die Gelegenheit, K.O. Kriterien zu setzen. Wer sie erst am Ende fragt, riskiert ein spätes Veto.
Eng einbinden
Die Kernmannschaft des Projekts. Sie formuliert, gewichtet und gibt frei. Planen Sie feste Termine, Workshops und eine klare Rolle für jede Person ein.
Beobachten
Heute noch am Rand, aber nicht für immer. Eine kurze Information zum Start und zur Entscheidung genügt, sonst steigt der Aufwand. Prüfen Sie jedoch, ob sich ihre Rolle später ändert.
Informiert halten
Anwender, die täglich mit dem System arbeiten werden und die beste Sicht auf Reibungspunkte haben. Sie liefern Details per Interview oder Fragebogen und tragen später die Akzeptanz.
Quellen: Stakeholder Analysis, Wikipedia zu Mendelow (1991) und LearnSignal zu den Quadranten, Stand Oktober 2026. Zuordnung der Rollen: Erfahrungswerte von Find-Your-Software, kein Bewertungsmaßstab.
Sechs Rollen,
sechs unterschiedliche Beiträge.
Ein Anforderungskatalog wird dann gut, wenn jede Rolle den Teil liefert, den nur sie kennt. Die Lastenheft Vorlage von Find-Your-Software ordnet dafür Fachbereiche, IT, Einkauf, Datenschutz und Recht sowie die Geschäftsführung zu. Hier sehen Sie, was Sie von jeder Rolle konkret abfragen sollten. Für das Dokument selbst empfehlen wir die Lastenheft Vorlage für die Softwareauswahl. Nach DIN 69901-5 beschreibt das Lastenheft die vom Auftraggeber festgelegte Gesamtheit der Forderungen an die Lieferungen und Leistungen eines Auftragnehmers. Genau diese Forderungen entstehen in der Erhebung.
Prozesse und Alltag
Fachbereiche kennen die Abläufe, Ausnahmen und Umwege, die in keinem Handbuch stehen. Sie liefern die funktionalen Anforderungen.
- Welche Aufgabe soll schneller oder fehlerfrei laufen?
- Welche Ausnahmen kommen mehrmals pro Woche vor?
- Welche Auswertungen werden heute von Hand erstellt?
Technik und Betrieb
Die IT kennt die Systemlandschaft, Schnittstellen und Betriebsvorgaben. Sie liefert die nichtfunktionalen und technischen Anforderungen.
- Welche Systeme müssen angebunden werden?
- Cloud, Hosting oder eigener Betrieb: was ist erlaubt?
- Welche Sicherheits und Berechtigungsvorgaben gelten?
Kommerzielle Rahmen
Der Einkauf bringt Laufzeiten, Preismodelle und Vergabeanforderungen ein und sorgt dafür, dass der Katalog vergleichbare Angebote erzeugt.
- Welche Preismodelle sind zulässig?
- Gibt es Rahmenverträge oder Lieferantenvorgaben?
- Welche Freigabegrenzen gelten für den Auftrag?
Compliance
Datenschutz und Recht formulieren verbindliche Vorgaben, etwa zu Auftragsverarbeitung, Aufbewahrung und Nachweispflichten.
- Welche personenbezogenen Daten werden verarbeitet?
- Welche Aufbewahrungsfristen sind zu erfüllen?
- Welche Nachweise soll der Anbieter liefern?
Mitbestimmung
Wo es einen Betriebsrat gibt, entscheidet seine Sicht über Zeit und Akzeptanz. Er liefert Anforderungen an Protokollierung, Rechte und Auswertungen.
- Welche Auswertungen zu Beschäftigten sind ausgeschlossen?
- Wer sieht welche Daten?
- Welche Schulung ist vorgesehen?
Ziel und Budget
Die Geschäftsführung gibt Zielbild, Budgetrahmen und Zeitpunkt vor und löst Konflikte, die die Projektleitung nicht entscheiden kann.
- Welches Geschäftsziel soll die Software erreichen?
- Welcher Kostenrahmen gilt für drei Jahre?
- Bis wann muss das System laufen?
Quellen: Rollenaufteilung nach Lastenheft Vorlage, Definition Lastenheft nach DIN 69901-5 laut Wikipedia, Stand Oktober 2026. Leitfragen: Erfahrungswerte von Find-Your-Software.
Fünf Wege, Anforderungen zu erheben:
Methoden im Vergleich.
Es gibt nicht die eine beste Methode. Der Workshop bringt Konflikte früh an die Oberfläche, das Interview liefert Tiefe, der Fragebogen Breite, die Beobachtung zeigt die tatsächliche Praxis und die Dokumentenanalyse belegt den Ist Zustand. Gute Projekte kombinieren zwei bis drei Methoden. Die Fachliteratur nennt diese Techniken seit Jahrzehnten: Das Joint Application Design, ein strukturierter Workshop mit Moderator, Protokollführer und Entscheider, wurde 1974 von Arnie Lind bei IBM Canada entwickelt. Die folgende Tabelle zeigt, wofür sich jede Methode im Mittelstand eignet und wo ihre Grenzen liegen.
| Methode | Typischer Einsatz | Aufwand je Termin | Stärke | Grenze | Wer nimmt teil | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|---|---|
| WorkshopModerierte Gruppe, auch Joint Application Design | Gruppe | 2 bis 4 Stunden | ✓ Konflikte werden sofort sichtbar und können vor Ort entschieden werden | ≈ dominante Stimmen können überwiegen, ohne Moderation kippt das Ergebnis | 5 bis 10 Personen aus mehreren Bereichen und ein Entscheider | Priorisierte Liste mit offenen Punkten |
| InterviewEinzelgespräch mit Leitfaden | Einzeln | 45 bis 90 Minuten | ✓ Tiefe, Hintergründe und Ausnahmen, auch zu heiklen Themen | – wenig Abgleich zwischen Personen, Widersprüche zeigen sich erst später | Eine Person plus Interviewer und Protokoll | Protokoll mit Anforderungen und Beispielen |
| FragebogenStrukturierte Umfrage | Breite | 10 bis 20 Minuten je Person | ✓ viele Personen sind mit wenig Termindruck erreichbar | – keine Rückfragen, Antworten bleiben oft flach | Alle Anwender eines Bereichs, auch an mehreren Standorten | Rangliste und Freitexte |
| BeobachtungArbeitsplatz begleiten | Vor Ort | 2 bis 4 Stunden je Arbeitsplatz | ✓ zeigt die gelebte Praxis statt des Selbstbilds | – zeitaufwendig und nur für wenige Arbeitsplätze machbar | Anwender am Arbeitsplatz und ein Beobachter | Ablaufskizzen und Beobachtungsnotizen |
| DokumentenanalyseBestehende Unterlagen auswerten | Unterlagen | 1 bis 2 Tage je Bereich | ✓ ohne Terminaufwand, belegt den Ist Zustand und alte Altlasten | ≈ zeigt nur, was dokumentiert ist, nicht was fehlt | Analyst mit Zugriff auf Handbücher, Berichte und Altsystem | Liste von Ist Funktionen und Lücken |
Technikliste nach Requirements Elicitation, Wikipedia und IREB CPRE Elicitation (International Requirements Engineering Board), Joint Application Design nach Wikipedia, Stand Oktober 2026. Aufwand, Teilnehmerzahlen und Bewertungen der Stärken: Erfahrungswerte von Find-Your-Software.
Drei Workshop Formate,
drei klare Ziele.
Der Workshop ist die Methode mit dem größten Hebel und dem größten Risiko. Er funktioniert, wenn Ziel, Teilnehmer und Ergebnis vorab feststehen. Drei Formate haben sich im Mittelstand bewährt. Alle drei brauchen einen Moderator, der selbst keine Fachmeinung vertritt, und ein Protokoll, das noch am selben Tag verschickt wird.
Ziele und Rahmen klären
60 bis 90 Minuten, Kernteam und Sponsor
Ziel dieses Termins ist ein gemeinsames Bild: Warum wird gewechselt, was ist Teil des Projekts, was nicht, und wer entscheidet. Ohne diesen Termin werden Anforderungen gesammelt, die nichts mit dem Auftrag zu tun haben.
- Problem und Zielbild in drei Sätzen
- Umfang und Abgrenzung
- Entscheider und Termine
Ergebnis: Projektauftrag
Anforderungen aufnehmen
2 bis 4 Stunden, ein Fachbereich plus IT
Hier entstehen die meisten Anforderungen. Gehen Sie entlang der Prozesse statt entlang von Funktionen. Lassen Sie typische Fälle und Ausnahmen schildern und fragen Sie, was heute schiefgeht.
- Prozess in Schritten durchgehen
- Ausnahmen und Schmerzpunkte sammeln
- Jede Aussage als Anforderung festhalten
Ergebnis: Rohliste je Bereich
Gewichten und entscheiden
2 bis 3 Stunden, alle Bereiche und Sponsor
Der Katalog wird zusammengeführt, Dubletten fallen weg, Widersprüche kommen auf den Tisch. Die Gruppe vergibt Muss, Soll und Kann. Offene Punkte gehen mit Frist an eine Person.
- Dubletten und Widersprüche klären
- Prioritäten vergeben
- Freigabe oder klare nächste Schritte
Ergebnis: freigabefähiger Katalog
Joint Application Design mit Moderator, Protokollführer und Entscheider nach Wikipedia, Stand Oktober 2026. Dauer und Teilnehmer: Erfahrungswerte von Find-Your-Software.
Sechs Schritte vom Auftrag
zum abgestimmten Katalog.
Der Ablauf unten ist ein Rahmen, den Sie an Projektgröße und Firmenkultur anpassen. Für die gesamte Anforderungsphase einer mittelgroßen Auswahl planen wir vier bis fünf Wochen ein. Die Checkliste für die Softwareauswahl rechnet für Vorbereitung, Ist Aufnahme und Anforderungen zusammen mit drei bis fünf Wochen. Wichtig ist die Reihenfolge: Wer Methoden wählt, bevor er die Stakeholder kennt, erhebt am Bedarf vorbei.
- 01Woche 1
Auftrag und Ziel klären
Halten Sie schriftlich fest, warum das Projekt existiert, was dazugehört und wer entscheidet. Ohne Sponsor mit Entscheidungsbefugnis bleiben Konflikte später liegen.
- Ziel in drei Sätzen
- Umfang und Abgrenzung
- Sponsor und Projektleitung benennen
- 02Woche 1
Stakeholder identifizieren und einordnen
Listen Sie Personen und Gruppen auf, ordnen Sie sie in die Matrix ein und legen Sie je Gruppe die Art der Einbindung fest. Vergessen Sie Betriebsrat, Datenschutz und externe Dienstleister nicht.
- Liste aller betroffenen Bereiche
- Einordnung nach Einfluss und Interesse
- Rolle je Person: liefern, prüfen, entscheiden
- 03Woche 2 bis 3
Erhebung planen und durchführen
Wählen Sie je Gruppe eine bis zwei Methoden und setzen Sie die Termine. Beginnen Sie mit Dokumentenanalyse und Auftaktworkshop, dann folgen Interviews und Fachbereichsworkshops, zuletzt der Fragebogen für die Breite.
- Leitfaden und Fragen je Methode
- Termine und Teilnehmer
- Protokoll am selben Tag
- 04Woche 3
Auswerten und bündeln
Aus Protokollen werden einzelne, prüfbare Anforderungen. Dubletten werden zusammengeführt, Wünsche von Lösungen getrennt, jede Anforderung bekommt Quelle und Ansprechpartner.
- Eine Aussage je Anforderung
- Dubletten zusammenführen
- Quelle und Verantwortlichen notieren
- 05Woche 4
Gewichten und Konflikte klären
Der Abstimmungsworkshop vergibt Muss, Soll und Kann und entscheidet Widersprüche. Verbleibende Konflikte gehen mit Frist an den Sponsor, nicht in den Kompromiss auf Zuruf.
- Prioritäten vergeben und begründen
- K.O. Kriterien auf wenige beschränken
- Konfliktliste mit Entscheider
- 06Woche 4 bis 5
Freigeben und einfrieren
Der Katalog wird von den Bereichen und vom Sponsor freigegeben und erhält einen Stand. Danach ändern Sie nur noch über ein dokumentiertes Verfahren. Erst jetzt beginnen Longlist und Anbieteransprache.
- Freigabe durch Bereiche und Sponsor
- Version und Datum festhalten
- Änderungsweg vereinbaren
Quelle für Phasendauer: Software Auswahl Checkliste, Stand Oktober 2026. Wochenangaben je Schritt: Erfahrungswerte von Find-Your-Software für mittelgroße Projekte, größere Organisationen brauchen länger.
Muss, Soll, Kann:
so verteilen Sie das Gewicht.
Priorisieren ist der Moment, in dem aus einer Wunschliste ein Auswahlinstrument wird. Die Methode MoSCoW (Must, Should, Could, Won't) wurde 1994 von Dai Clegg entwickelt und wird seit 2002 breit im Rahmen der Dynamic Systems Development Method (DSDM) genutzt. Das Agile Business Consortium empfiehlt dort, nicht mehr als 60 % des Aufwands auf Must Haves zu legen, und typisch rund 20 % auf Could Haves. Ein Anforderungskatalog zur Softwareauswahl verwendet die Begriffe Muss, Soll und Kann. Die Balken zeigen ein Rechenbeispiel von Find-Your-Software für einen Katalog mit 80 Anforderungen, nicht eine Vorgabe.
20 von 80 Anforderungen. Ohne sie ist das System ungeeignet. Ein Teil davon wird als K.O. Kriterium geführt und sortiert Anbieter vor der Bewertung aus.
40 von 80 Anforderungen. Wichtig, aber mit Workaround lösbar. Sie werden gewichtet und tragen den größten Teil der Bewertung.
20 von 80 Anforderungen. Wünschenswert, aber ohne großen Verlust verzichtbar. Sie entscheiden bei zwei fast gleichen Anbietern.
Leitlinie des Agile Business Consortium für den Aufwand, nicht für die Zahl der Anforderungen. Wer darüber liegt, hat kaum Spielraum für Unvorhergesehenes.
Quellen: MoSCoW Method, Wikipedia zur Herkunft, Agile Business Consortium, What is MoSCoW Prioritization zur 60 Prozent Leitlinie, Stand Oktober 2026. Die Verteilung 25, 50 und 25 Prozent ist ein Rechenbeispiel von Find-Your-Software. Die Seite RFP erstellen nennt als Richtwert höchstens 20 bis 30 Prozent Muss Anforderungen, die Nutzwertanalyse zeigt, wie Soll Anforderungen gewichtet werden.
Sechs Fehler im Umgang mit Menschen,
die Kataloge scheitern lassen.
Die Fehler im Dokument selbst, etwa vage Formulierungen oder kopierte Altlasten, behandeln die Seiten Anforderungsmanagement im Selection Portal und Software Auswahl Kriterien und Fehler. Hier geht es um die Fehler im Umgang mit den Beteiligten. Die Zusammenstellung stammt aus Projekterfahrung von Find-Your-Software. NaPiRE nennt als verwandte Problemgruppen Kommunikationsmängel und sich ändernde Ziele, also genau das, was in diesen Mustern passiert.
Stakeholder erst in der Demo
Wer Fachbereiche, Datenschutz oder Betriebsrat erst bei der Anbieterdemo einlädt, erfährt dort die wichtigsten Anforderungen. Dann sind Zeitplan und Erwartung schon festgelegt.
- Matrix im ersten Schritt erstellen
- Alle Gruppen mit hohem Einfluss vorab sprechen
Die Hierarchie entscheidet
Im Workshop setzt sich oft die ranghöchste oder lauteste Person durch. Leise Fachleute, die den Alltag kennen, schweigen. Das Ergebnis spiegelt dann die Hierarchie, nicht den Bedarf.
- Moderator ohne Fachmeinung einsetzen
- Karten oder Punktabfrage vor der Diskussion
Der Wunschanbieter steckt im Katalog
Wenn jemand ein Produkt schon favorisiert, schreibt er dessen Funktionen als Anforderungen auf. Der Katalog führt so zu genau diesem Produkt und verliert seinen Wert.
- Nach dem Problem fragen, nicht nach der Funktion
- Lösungsvorschläge als Hinweis markieren
Interviews bestätigen nur die Annahme
Wer im Interview fragt, ob eine Funktion wichtig ist, bekommt fast immer ein Ja. Besser sind offene Fragen nach dem letzten Fall, der schiefging, und nach dem Aufwand dahinter.
- Leitfaden mit offenen Fragen
- Nach Beispielen aus der letzten Woche fragen
Zusagen ohne Nachweis
Ohne Protokoll weiß später niemand mehr, wer was gefordert hat und warum. Das erschwert jede Auseinandersetzung und die Abnahme gegenüber dem Anbieter.
- Protokoll am selben Tag verschicken
- Quelle je Anforderung festhalten
Der Katalog bleibt Entwurf
Wird der Katalog nie förmlich freigegeben, kommen Wünsche bis zur Vertragsunterschrift nach. Die Anbieter beantworten ein bewegliches Ziel und die Angebote sind nicht vergleichbar.
- Freigabe durch Bereiche und Sponsor
- Änderungen nur über einen festen Weg
Problemgruppen nach NaPiRE, Stand Oktober 2026. Christel und Kang (1992) unterscheiden Probleme des Umfangs, des Verständnisses und der Veränderlichkeit, siehe Wikipedia. Die Muster und Gegenmaßnahmen: Erfahrungswerte von Find-Your-Software.
Vier Wege,
wenn Bereiche sich widersprechen.
Widersprüche sind kein Zeichen eines schlechten Projekts, sondern der eigentliche Zweck der Erhebung. Wenn Vertrieb ein flexibles Preismodell und der Einkauf feste Vorgaben verlangt, muss das vor der Anbieteransprache gelöst sein. Sonst lösen Anbieter es für Sie, und zwar in ihrem Sinn. Je nach Art des Konflikts passt einer der folgenden Wege.
Fakten zuerst
- Häufigkeit und Aufwand messen, etwa Fälle pro Woche
- Die Zahl ersetzt die Diskussion über Gefühl
- Passt bei Streit über Wichtigkeit
Gewichten statt streiten
- Jede Person verteilt eine feste Zahl von Punkten
- Das Ergebnis ordnet die Anforderungen sichtbar
- Passt bei vielen gleichrangigen Wünschen
Der Sponsor entscheidet
- Konflikt mit Optionen und Folgen aufschreiben
- Entscheidung bis zu einem festen Datum
- Passt bei Zielkonflikten zwischen Bereichen
Ausprobieren statt vermuten
- Strittige Anforderung als Demoszenario formulieren
- Anbieter zeigen sie mit Ihren Daten
- Passt bei Streit über die Machbarkeit
Vier Wege als Zusammenstellung von Find-Your-Software. Wie Szenarien in der Anbieterdemo aufgebaut werden, beschreibt die Seite Anbieterszenarien und Präsentationen. Stand Oktober 2026.
Sechs rechtliche Punkte,
die Sie vor dem ersten Interview klären.
Wer Anforderungen bei Beschäftigten erhebt, bewegt sich im Betriebsverfassungs und Datenschutzrecht. Die Hinweise unten nennen die Normen mit dem Stand Oktober 2026 und sind keine Rechtsberatung. Lassen Sie das konkrete Vorgehen im Unternehmen von Recht, Datenschutzbeauftragten und gegebenenfalls einer Anwaltskanzlei prüfen.
Mitbestimmung bei Überwachung
Nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG hat der Betriebsrat mitzubestimmen bei der Einführung und Anwendung technischer Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, das Verhalten oder die Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen.
- Anforderungen an Protokollierung früh nennen
- Bei fehlender Einigung entscheidet die Einigungsstelle (§ 87 Abs. 2)
Unterrichtung bei Planung
Nach § 90 Abs. 1 BetrVG ist der Betriebsrat rechtzeitig und mit den erforderlichen Unterlagen über die Planung technischer Anlagen, von Arbeitsverfahren und Arbeitsabläufen einschließlich des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz sowie der Arbeitsplätze zu unterrichten.
- Betriebsrat im Schritt Stakeholder einordnen
- Maßnahmen und Auswirkungen gemäß Absatz 2 beraten
Sachverständige
Der Betriebsrat kann nach Vereinbarung mit dem Arbeitgeber Sachverständige hinzuziehen, soweit das erforderlich ist. Bei der Beurteilung von Künstlicher Intelligenz gilt die Hinzuziehung als erforderlich.
- Zeit für externe Beratung einplanen
- Besonders relevant bei KI Funktionen in Angeboten
Betriebsänderung
In Unternehmen mit in der Regel mehr als 20 wahlberechtigten Arbeitnehmern ist der Betriebsrat über geplante Betriebsänderungen zu unterrichten, wozu nach Nr. 5 die Einführung grundlegend neuer Arbeitsmethoden zählen kann. Ob ein Softwareprojekt darunter fällt, ist eine Frage des Einzelfalls.
- Rechtliche Einschätzung früh einholen
- Zeitplan nicht ohne Betriebsrat festlegen
Interviews und Fragebögen
Wer Interviews führt oder Fragebögen mit Personenbezug auswertet, braucht eine Rechtsgrundlage nach Art. 6 Abs. 1 DSGVO und informiert die Betroffenen nach Art. 13 Abs. 1 DSGVO zum Zeitpunkt der Erhebung. Welche Grundlage im Beschäftigtenkontext trägt, klären Datenschutzbeauftragte.
- Zweck, Speicherdauer und Empfänger nennen
- Antworten möglichst ohne Personenbezug auswerten
Folgenabschätzung
Hat eine Verarbeitung, insbesondere bei neuen Technologien, voraussichtlich ein hohes Risiko für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen, führt der Verantwortliche nach Art. 35 Abs. 1 DSGVO vorab eine Datenschutz Folgenabschätzung durch.
- Anforderungen an Datenschutz im Katalog verankern
- Prüfung vor der Einführung einplanen
Quellen: § 87 BetrVG, § 90 BetrVG, § 80 BetrVG, § 111 BetrVG, § 26 BDSG, Art. 6 DSGVO, Art. 13 DSGVO, Art. 35 DSGVO, Stand Oktober 2026. Keine Rechtsberatung. Die Zusammenstellung ersetzt nicht die juristische Prüfung Ihres Einzelfalls.
Wie viel Erhebungsaufwand
passt zu welcher Projektgröße?
Der Aufwand für das Sammeln wächst mit der Zahl der Bereiche und Standorte, aber nicht linear. Die Tabelle zeigt Richtwerte aus Projekten von Find-Your-Software für die Phase von Auftrag bis Katalogfreigabe, ohne die anschließende Anbieteransprache. Sie dienen der Planung und ersetzen keine Aufwandsschätzung für Ihr Projekt.
| Projektgröße | Beteiligte Bereiche | Workshops | Interviews | Fragebogen | Dauer der Erhebung |
|---|---|---|---|---|---|
| Kleinbis 50 Beschäftigte, ein Standort | 1 bis 2 | 2 bis 3 | 3 bis 5 | meist nicht nötig | 2 bis 3 Wochen |
| Mittel50 bis 250 Beschäftigte | 3 bis 5 | 4 bis 6 | 8 bis 12 | bei mehr als 30 Anwendern | 3 bis 5 Wochen |
| Größer250 bis 1.000 Beschäftigte | 5 bis 8 | 6 bis 10 | 12 bis 20 | empfohlen | 5 bis 8 Wochen |
| Konzernnahüber 1.000 Beschäftigte oder mehrere Standorte | 8 oder mehr | 10 oder mehr | 20 oder mehr | Standard | 8 bis 12 Wochen |
Alle Zahlen sind Erfahrungswerte von Find-Your-Software, keine Marktdaten. Zur Einordnung: Die Seite Was eine Änderung kostet nennt für Änderungen in der Konzeption das 3 bis 8 fache und im Test das 21 bis 78 fache der Kosten in der Anforderungsphase und führt die Werte auf NASA Audits und Analysen von Capers Jones zurück, Stand Oktober 2026.
So hilft ein Werkzeug:
Anforderungen gemeinsam führen.
Bewertungsportale und Vergleichsportale zeigen Produkte und Meinungen anderer. Sie ersetzen nicht, dass Ihre Organisation ihren eigenen Bedarf klärt. Wo Tabellen, Mails und Dokumente entstehen, wird das Sammeln schnell unübersichtlich: Mehrere Fachbereiche pflegen eigene Listen, Stände laufen auseinander, niemand weiß, welche Anforderung von wem stammt. Das Selection Portal von Find-Your-Software bündelt diesen Teil an einer Stelle: den Anforderungskatalog, die Rollen, die Anbieterantworten und die Nachvollziehbarkeit. Die Funktionen im Einzelnen beschreibt die Seite Anforderungsmanagement im Selection Portal. Wer erst die Systemlandschaft klären will, startet mit der IT Bestandsaufnahme.
Anforderungen an einer Stelle
- Jede Anforderung mit Quelle, Priorität und Verantwortlichem
- Import vorhandener Listen statt neu tippen
- Gemeinsame Sicht für Fachbereiche, IT und Einkauf
Jeder sieht, was er braucht
- Zuständigkeit pro Bereich und Projektphase
- Freigabe durch Sponsor und Bereiche
- Mitarbeit auch externer Berater möglich
Muss, Soll, Kann und K.O.
- Verteilung der Prioritäten auf einen Blick
- K.O. Kriterien markiert und in der Anbieterübersicht gezählt
- KI Anforderungsanalyse als Hinweis auf passende Systemkategorien
Änderungen mit Spur
- Audit Trail für Änderungen am Katalog
- Anbieter beantworten denselben Katalog direkt
- Entscheidungen später belegbar
Funktionen laut Selection Portal, K.O. Anforderungen und Audit Trail, Stand Oktober 2026. Das Portal ersetzt weder Workshops noch Gespräche: Es hält ihre Ergebnisse fest.
Was nach dem Sammeln kommt:
sieben Seiten für den nächsten Schritt.
Der abgestimmte Katalog ist der Anfang der Auswahl. Die folgenden Seiten zeigen, wie daraus Dokument, Bewertung, Anbieterliste und Ausschreibung werden. Die Beispiele und Leitfäden stammen aus dem Selection Portal und der Methodik von Find-Your-Software.
Lastenheft schreiben
Aus dem Katalog wird ein Dokument, das Anbieter und Projektbeteiligte gleich verstehen. Die Lastenheft Vorlage führt in sieben Schritten dorthin.
- Struktur und Pflichtkapitel
- Abnahmekriterien
Nutzwertanalyse
Gewichte und Bewertungsraster machen die Priorisierung messbar. Die Nutzwertanalyse zeigt ein Rechenbeispiel.
- Gewichte vor der Bewertung
- K.O. Kriterien trennen
Longlist und Shortlist
Muss Anforderungen filtern den Markt. Wie das funktioniert, beschreibt Longlist und Shortlist.
- Negativauswahl
- Dokumentierte Gründe
Software Auswahl Checkliste
Die Checkliste stellt die Anforderungsphase in den Zusammenhang der gesamten Auswahl, von Vorbereitung bis Vertrag.
- Phasen mit Dauer
- Rollen mit RACI
RFP erstellen
Ob privat oder formal: Der Katalog ist der Kern des Angebotsverfahrens. RFP erstellen erklärt Aufbau und Vorgaben.
- Pflichtbestandteile
- Fristen und Fragenkanal
Softwarevertrag prüfen
Nach der Entscheidung wird aus Katalog und Angebot ein Vertrag. Die Checkliste Softwarevertrag prüfen behandelt Vertragsarten, SLA, Haftung und Ausstieg.
- Vertragsarten im Vergleich
- Checkliste für den Mittelstand
Anforderungskatalog Logistiksoftware
Wie ein Katalog für eine Fachdomäne aussieht, zeigt der Anforderungskatalog Logistiksoftware mit Bereichen von Wareneingang bis Schnittstellen.
- Anforderungen nach Bereichen
- Muss, Soll, Kann je Bereich
Alle verlinkten Seiten sind Teil des Angebots von Find-Your-Software, Stand Oktober 2026. Zur Abgrenzung: Software Auswahl Kriterien und Fehler behandelt die inhaltlichen Kriterien, diese Seite die Arbeit mit den Beteiligten.
Häufige Fragen
direkt beantwortet.
Was bedeutet Anforderungen sammeln bei der Softwareauswahl?
Anforderungen sammeln ist die Phase, in der ein Unternehmen herausfindet, was ein neues System leisten muss, bevor es Anbieter anspricht. Dazu gehören das Identifizieren der Betroffenen, die Erhebung ihrer Bedürfnisse mit Workshops, Interviews, Fragebögen, Beobachtung und Dokumentenanalyse, das Gewichten in Muss, Soll und Kann sowie das Klären von Widersprüchen. Ergebnis ist ein abgestimmter, freigegebener Katalog, den alle Anbieter in gleicher Form beantworten können. Er bildet die Grundlage für Lastenheft, RFP und Bewertung.
Wer gehört zu den Stakeholdern einer Softwareauswahl?
Stakeholder sind alle, die vom System betroffen sind oder die Auswahl beeinflussen. Im Mittelstand sind das typischerweise die Fachbereiche, die täglich damit arbeiten, die IT, der Einkauf, Datenschutz und Recht, die Geschäftsführung und, wo vorhanden, der Betriebsrat. Dazu kommen häufig externe Dienstleister, Steuerberater oder Partner, die Daten austauschen. Ordnen Sie die Gruppen in einer Matrix nach Einfluss und Interesse ein, damit Sie wissen, wen Sie eng einbinden und wen Sie nur informieren.
Wie viele Stakeholder sollten an der Erhebung beteiligt sein?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Die Seite zur RFP Erstellung nennt als Richtwert drei bis sechs beteiligte Abteilungen. Wichtiger als die Menge ist, dass jede Gruppe mit hohem Einfluss vertreten ist und jede Anforderung einen Ansprechpartner hat. In Workshops arbeiten fünf bis zehn Personen gut, mehr Teilnehmer lassen sich besser per Fragebogen einbinden. Nehmen Sie lieber eine Gruppe zu viel in die Matrix auf, als sie später als Veto zu erleben.
Welche Erhebungsmethode ist die beste?
Keine Methode ist allein die beste. Der Workshop eignet sich, um Konflikte zu klären, das Interview für Tiefe und heikle Themen, der Fragebogen für viele Anwender, die Beobachtung für unausgesprochene Abläufe und die Dokumentenanalyse für den Ist Zustand. Kombinieren Sie zwei bis drei Methoden je Gruppe. Beginnen Sie mit Unterlagen, führen Sie dann Interviews und Workshops und nutzen Sie den Fragebogen zur Absicherung in der Breite. Wählen Sie nach Frage und Gruppe, nicht nach Gewohnheit.
Wie lange dauert das Sammeln von Anforderungen?
Für eine mittelgroße Auswahl mit drei bis fünf beteiligten Bereichen rechnet Find-Your-Software mit vier bis fünf Wochen vom Auftrag bis zur Freigabe des Katalogs, bei kleinen Projekten mit zwei bis drei Wochen, bei größeren Organisationen mit mehreren Standorten mit fünf bis zwölf Wochen. Das sind Erfahrungswerte. Die Checkliste für die Softwareauswahl kommt für Vorbereitung, Ist Aufnahme und Anforderungen zusammen auf drei bis fünf Wochen. Kürzen Sie die Phase nicht, denn Fehler im Katalog wirken später teurer.
Wie priorisiere ich Muss, Soll und Kann?
Muss bedeutet: Ohne diese Funktion ist das System ungeeignet. Soll heißt wichtig, aber mit einer Umgehung lösbar. Kann ist wünschenswert und entscheidet bei Gleichstand. Prüfen Sie jede Muss Anforderung mit der Frage, ob Sie wirklich ohne sie auf die Einführung verzichten würden. Verteilen Sie die Gewichte im Abstimmungsworkshop gemeinsam, damit Entscheidungen nicht einzelnen Personen zugeschrieben werden. Halten Sie die Anzahl echter K.O. Kriterien klein: Die Checkliste von Find-Your-Software nennt höchstens fünf.
Wie viele Anforderungen sind sinnvoll?
Zahlen hängen vom Umfang ab. Ein Katalog für ein spezialisiertes Werkzeug kann mit 30 bis 50 Anforderungen auskommen, ein ERP für mehrere Bereiche leicht über 150 enthalten. Entscheidend ist, dass jede Anforderung eindeutig, prüfbar und einem Bereich zugeordnet ist. Zu viele Punkte führen dazu, dass Anbieter pauschal antworten und Sie Wichtiges nicht mehr erkennen. Beginnen Sie bei den Zielen, gruppieren Sie nach Prozessbereichen und streichen Sie, was nur eine Funktion eines Wunschprodukts beschreibt. Das sind Erfahrungswerte.
Was tun, wenn sich Fachbereiche widersprechen?
Machen Sie den Widerspruch sichtbar und weisen Sie ihn einer Entscheidung zu. Zuerst helfen Daten: Wie oft tritt der Fall auf, wie hoch ist der Aufwand? Danach kann die Gruppe mit Punkten gewichten. Bleibt der Konflikt, entscheidet der Sponsor bis zu einem festen Datum. Reicht das nicht aus, wird die Frage als Szenario in die Anbieterdemo aufgenommen. Wichtig ist, dass die Entscheidung mit Begründung im Protokoll steht, damit später niemand die Diskussion von vorn beginnt.
Muss der Betriebsrat bei der Softwareauswahl beteiligt werden?
Das hängt vom Einzelfall ab. Nach § 90 Abs. 1 BetrVG ist der Betriebsrat rechtzeitig über die Planung technischer Anlagen und von Arbeitsabläufen zu unterrichten, nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG besteht Mitbestimmung bei technischen Einrichtungen, die zur Überwachung von Verhalten oder Leistung bestimmt sind. Ob das auf Ihr System zutrifft, prüfen Recht und Betriebsrat. Praktisch gilt: früh informieren, Anforderungen an Protokollierung und Auswertungen aufnehmen. Das ist keine Rechtsberatung. Dokumentieren Sie Gespräche mit dem Betriebsrat im Projektprotokoll.
Welche Datenschutzregeln gelten für Interviews und Fragebögen?
Sobald Antworten einer Person zugeordnet werden können, handelt es sich um personenbezogene Daten. Sie brauchen dann eine Rechtsgrundlage nach Art. 6 Abs. 1 DSGVO und müssen die Betroffenen zum Zeitpunkt der Erhebung nach Art. 13 Abs. 1 DSGVO informieren. Welche Grundlage im Beschäftigtenkontext trägt, klären Ihre Datenschutzbeauftragten. Einfach und sicher ist es, Fragebögen ohne Namen auszuwerten, Zweck und Speicherdauer zu nennen und Protokolle nur im Projektteam zu teilen. Sprechen Sie das Vorgehen vorab mit dem Betriebsrat ab, falls es einen gibt.
Wann ist der Anforderungskatalog fertig?
Der Katalog ist fertig, wenn alle Gruppen mit hohem Einfluss ihn freigegeben haben, jede Anforderung Quelle, Priorität und Ansprechpartner hat, Dubletten und Widersprüche geklärt sind und ein Stand mit Datum festgehalten ist. Nach der Freigabe sind Änderungen nur über einen vereinbarten Weg möglich. Perfekt muss er nicht sein, aber stabil genug, damit alle Anbieter dasselbe beantworten. Neue Erkenntnisse aus Demos nehmen Sie als dokumentierte Änderung auf. Teilen Sie den Stand allen Beteiligten mit, damit niemand mit einer älteren Fassung arbeitet.
Wie unterscheiden sich Anforderungen sammeln und ein Lastenheft schreiben?
Das Sammeln ist der Prozess mit den Menschen, das Lastenheft das Dokument. Nach DIN 69901-5 ist das Lastenheft die vom Auftraggeber festgelegte Gesamtheit der Forderungen an Lieferungen und Leistungen. Es entsteht aus den gesammelten, gewichteten und freigegebenen Anforderungen und ergänzt sie um Ziele, Rahmen und Abnahmekriterien. Wer das Dokument vor dem Sammeln schreibt, formuliert Annahmen. Die Lastenheft Vorlage von Find-Your-Software liefert die Struktur, dieser Leitfaden die Vorarbeit. So bleibt nachvollziehbar, welche Forderung aus welchem Gespräch stammt.
Wie hilft das Selection Portal beim Sammeln von Anforderungen?
Das Selection Portal führt den Katalog an einer Stelle: mit Quelle und Priorität je Anforderung, Rollen und Rechten, Importmöglichkeit für vorhandene Listen, markierten K.O. Kriterien und einem Audit Trail für Änderungen. Anbieter beantworten denselben Katalog direkt, und die Zahl nicht erfüllter K.O. Kriterien wird je Anbieter angezeigt. Workshops und Interviews ersetzt das nicht. Es hält deren Ergebnisse so fest, dass die Beteiligten später nachvollziehen können, wer was gefordert hat. Beides gehört zusammen, nur in unterschiedlicher Reihenfolge.
Anforderungen strukturiert sammeln,
bevor Sie Anbieter einladen.
Sie wollen Ihre Stakeholder einordnen, die Erhebung planen oder einen vorhandenen Katalog abstimmen? Starten Sie mit dem Matching, um passende Systemkategorien und Anbieter zu sehen, oder besprechen Sie Ihr Vorgehen im Erstgespräch. Im Selection Portal führen Sie Katalog, Rollen und Anbieterantworten gemeinsam an einem Ort.