Was ist ein RFP?
Bedeutung, Ablauf und Vorlage.
Ein RFP (Request for Proposal, auf Deutsch Aufforderung zur Angebotsabgabe) ist ein Dokument, mit dem ein Auftraggeber seinen Bedarf beschreibt und mehrere Anbieter um vergleichbare Angebote bittet. In der Softwareauswahl ist er der Schritt, der aus einer Longlist eine belastbare Shortlist macht. Diese Seite richtet sich an Geschäftsführung, IT Leitung und Einkauf im DACH Mittelstand, die ERP, CRM, HR, BI oder andere Unternehmenssoftware auswählen. Sie erklärt die Bedeutung der Abkürzung, grenzt den RFP gegen RFI, RFQ, Lastenheft und Pflichtenheft ab, zeigt den Ablauf in sechs Schritten, liefert eine RFP Vorlage als Gliederung und nennt die häufigsten Fehler. Wie Sie einen RFP Schritt für Schritt schreiben, steht unter RFP erstellen. Wie Softwareanbieter einen RFP beantworten, steht unter RFP beantworten. Stand: Oktober 2026.
Was ist ein RFP?
Bedeutung und Abkürzung.
RFP steht für Request for Proposal, auf Deutsch Aufforderung zur Angebotsabgabe, Angebotsanfrage oder im Alltag schlicht Ausschreibung. Ein Unternehmen beschreibt darin Ziel, Umfang und Anforderungen eines Vorhabens und bittet mehrere Anbieter um ein Angebot, das sich nach denselben Kriterien vergleichen lässt. Bei Unternehmenssoftware steht der RFP zwischen der Longlist und Shortlist und der Szenario Demo: Er verwandelt eine Marktübersicht in vergleichbare, schriftliche Zusagen. Die deutschsprachige Wikipedia führt die Abkürzung zum Stichwort Ausschreibung, weil der RFP der Ausschreibung im klassischen Sinn entspricht. Die Abkürzung hat in anderen Fachgebieten andere Bedeutungen, etwa Rot fluoreszierendes Protein in der Biologie oder Remote Framebuffer Protocol in der Netzwerktechnik. Auf dieser Seite ist immer das Beschaffungsdokument gemeint.
Was ein RFP leistet
- Er macht den Bedarf schriftlich und für alle Anbieter gleich lesbar
- Er verlangt Antworten zu Funktionen, Preis, Betrieb, Referenzen und Zeitplan in einem festen Format
- Er liefert die Grundlage für eine gewichtete Nutzwertanalyse
- Er dokumentiert, nach welchen Kriterien die Entscheidung fiel
- Er schafft Material, das nach der Auswahl in den Vertrag einfließen kann
Was ein RFP nicht ist
- Kein Lastenheft: Das Lastenheft beschreibt den Bedarf, der RFP richtet ihn an Anbieter
- Kein Pflichtenheft: Das Pflichtenheft schreibt der Anbieter als Antwort
- Keine reine Preisanfrage: Dafür dient der RFQ
- Keine Marktsondierung: Dafür dient der RFI
- Kein Ersatz für Szenario Demo und Referenzgespräche
Quellen: Ausschreibung, Wikipedia, Begriffsklärung RFP, Wikipedia, Glossar der Softwareauswahl, Stand Oktober 2026.
RFP, RFI, RFQ und Lastenheft
im Vergleich.
Die Begriffe werden im Alltag oft vermischt, dabei unterscheiden sie sich in Zweck, Zeitpunkt, Autor und Verbindlichkeit. Die Tabelle ordnet sie entlang einer typischen Softwareauswahl im privatwirtschaftlichen Mittelstand. Sie ist ein Überblick und keine Norm: Die englischsprachige Wikipedia beschreibt den RFQ als sinnvoll nur bei feststehenden Spezifikationen, und Unternehmen setzen ihn häufig ein, obwohl ein RFP oder RFI passender wäre. Auch Lastenheft, Pflichtenheft, Leistungsbeschreibung und Spezifikation werden in der Praxis oft unscharf oder synonym verwendet. Legen Sie deshalb in Ihren Unterlagen fest, was Sie mit dem Begriff meinen. Für öffentliche Auftraggeber gelten zusätzlich die Vergabevorschriften.
| Begriff | Rolle | Zeitpunkt | Zweck | Ergebnis | Erstellt von | Bindung | Einsatz bei Software |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| RFI (Request for Information)Leistungsanfrage | Marktsondierung | vor der Longlist, wenn Markt oder Kategorie unklar sind | Informationen zu Anbietern und Lösungen sammeln, bevor entschieden wird, was gefragt wird | Kurzprofile, Produktunterlagen, oft Listenpreise | Auftraggeber stellt die Fragen, Anbieter antworten formlos | – nicht bindend, keine Aufforderung zum Angebot | Unbekannte Softwarekategorie oder neuer Markt, im Mittelstand oft übersprungen |
| RFP (Request for Proposal)Aufforderung zur Angebotsabgabe | Angebotsvergleich | nach der Shortlist, vor der Entscheidung | Vergleichbare Angebote auf Basis priorisierter Anforderungen einholen | Angebot mit Erfüllungsgrad je Anforderung, Preisblatt, Referenzen und Zeitplan | Auftraggeber schreibt den RFP, Anbieter antworten mit ihrem Angebot | ✓ Angebote sind innerhalb ihrer Gültigkeitsfrist bindend, der Auftraggeber muss nicht annehmen | Standard bei ERP, CRM, HR, BI und anderer Unternehmenssoftware mit vielen Anforderungen |
| RFQ (Request for Quotation)Preisanfrage | Preisvergleich | wenn die Leistung genau feststeht | Einen Preis für eine genau beschriebene Leistung einholen | Preisangebot, meist ohne Lösungskonzept | Auftraggeber auf Basis eines Lastenhefts | ≈ meist unverbindlicher Preis | Standardprodukte wie Zusatzlizenzen, Hardware oder Module, wenn die Auswahl feststeht |
| LastenheftNorm DIN 69901-5 | Dokument des Auftraggebers | vor dem RFP | Alle Anforderungen des Auftraggebers festhalten: das Was und Wofür | Anforderungskatalog, Ist Zustand, Schnittstellen, Abnahmekriterien | Auftraggeber | – kein Angebot, sondern Anlage und Grundlage des RFP | Kern des RFP, siehe Lastenheft Vorlage |
| PflichtenheftNorm DIN 69901-5 | Dokument des Anbieters | als Antwort auf den RFP | Beschreiben, wie und womit der Anbieter die Anforderungen umsetzt | Realisierungskonzept, bei Software oft als Tabelle mit Erfüllung je Anforderung | Anbieter (Auftragnehmer) | ≈ wird häufig Anlage des Vertrags | Antwortteil des RFP, besonders bei Anpassungen und Projektleistungen |
| Öffentliche AusschreibungGWB, VgV, UVgO | Öffentliche Auftraggeber | Verfahren und Fristen gesetzlich geregelt | Fairen Wettbewerb bei öffentlichen Aufträgen sichern | Angebote nach Verfahrensart, Zuschlag auf das wirtschaftlichste Angebot nach § 127 GWB | Öffentlicher Auftraggeber | ✓ streng geregelt, Verhandlung je nach Verfahren eingeschränkt | Behörden, Kommunen und öffentliche Unternehmen, siehe RFP beantworten |
Quellen: Ausschreibung, Wikipedia, Lastenheft, Wikipedia, Request for information, Wikipedia, Request for quotation, Wikipedia, University of Memphis Procurement Guideline vom 10. April 2026, § 127 GWB. Die Spalte Bindung gibt die übliche Praxis wieder, Ihr RFP legt die Bedingungen selbst fest. Stand Oktober 2026, keine Rechtsberatung.
Der RFP Ablauf
in sechs Schritten.
Ein RFP ist ein Prozess und nicht nur ein Dokument. Die Schritte bauen aufeinander auf, und jeder spart im nächsten Schritt Zeit, wenn er sauber erledigt ist. Nach den Erfahrungswerten von Find-Your-Software vergehen im Mittelstand rund sechs Wochen von der Freigabe der Anforderungen bis zur Bewertung der Antworten: etwa zwei bis drei Wochen für das Aufsetzen des Dokuments, zwei bis drei Wochen Antwortfrist und eine Woche Auswertung, je nach Umfang auch mehr. Die Reihenfolge ist in privaten und öffentlichen Verfahren ähnlich, nur die Spielregeln unterscheiden sich.
Anforderungen erfassen und priorisieren
Sammeln Sie die Anforderungen aller Fachbereiche in einem gemeinsamen Katalog, mit Nummer, Quelle, Priorität und Verantwortlichem. Ordnen Sie jede Anforderung als Muss, Soll oder Kann ein und halten Sie den Anteil der Muss Anforderungen klein, als Richtwert höchstens 20 bis 30 Prozent. Formulieren Sie so, dass sich die Antwort prüfen lässt. Hilfe bieten Anforderungen sammeln und die Lastenheft Vorlage.
Empfänger festlegen
Aus der Longlist wird mit Ausschlusskriterien die Shortlist. Als Praxisrichtwert gelten drei bis fünf Anbieter, denn acht Anbieter im Detail zu prüfen gilt als Überforderung. Je mehr Empfänger, desto mehr Aufwand für Rückfragen, Auswertung und Demos, ohne dass die Entscheidung besser wird. Begründen Sie schriftlich, warum ein Anbieter eingeladen oder nicht eingeladen wird. Der Weg dorthin steht unter Longlist und Shortlist.
RFP Dokument aufsetzen
Das Dokument folgt einer festen Gliederung: Kontext, Umfang, Anforderungskatalog, Rahmenbedingungen, Preisblatt, Prozess und Bewertung. Legen Sie Bewertungskriterien und Gewichtung fest, bevor das erste Angebot eintrifft, und nennen Sie sie im Dokument. Die Gliederung mit allen Punkten finden Sie weiter unten als Vorlage. Je klarer das Antwortformat, desto vergleichbarer werden die Angebote und desto weniger Zeit kostet die Auswertung.
Versenden und Rückfragen koordinieren
Senden Sie allen Anbietern dieselbe Unterlage am selben Tag, mit festem Ansprechpartner und Abgabetermin. Üblich sind zwei bis drei Wochen Antwortfrist. Rückfragen und Antworten teilen Sie mit allen Anbietern, damit niemand einen Informationsvorsprung hat und alle auf demselben Stand antworten. Ein Versand per E-Mail mit freien Antwortformaten erzeugt dagegen, wie das Fallbeispiel in RFP erstellen zeigt, neun Antworten in neun Formaten, die sich kaum vergleichen lassen.
Antworten auswerten
Prüfen Sie zuerst, ob die Antworten vollständig sind und die Muss Anforderungen erfüllen. Dann bewerten Sie den Erfüllungsgrad je Anforderung, gewichten die Ergebnisse und vergleichen die Kosten über einen festen Zeitraum. Ein Beispiel für diese Reihenfolge liefert die University of Memphis: Sie bewertet das technische Angebot zuerst und öffnet das Kostenangebot erst danach. Die Methode steht unter Nutzwertanalyse.
Demo, Klärung und Entscheidung
Die besten ein bis zwei Anbieter zeigen in einer Szenario Demo, was sie im RFP zugesagt haben, mit Ihren Beispieldaten und denselben Aufgaben für alle. Offene Punkte werden geklärt, Zusagen in Vertragsanlagen überführt und die Entscheidung mit den Bewertungen dokumentiert. Zum Schluss steht die Prüfung des Vertrags, siehe Softwarevertrag prüfen.
Zeiten und Richtwerte: Erfahrungswerte von Find-Your-Software, Stand Oktober 2026, siehe auch RFP erstellen. Trennung von technischer und Preisbewertung: University of Memphis Procurement Guideline, 10. April 2026. Shortlist Größe: Longlist und Shortlist, Stand Oktober 2026.
Was gehört in einen RFP?
Sechs Pflichtteile.
Für die Mindestbestandteile lohnt der Blick in die Beschaffungsregeln der US Bundesregierung. Die Federal Acquisition Regulation (FAR) verlangt in Abschnitt 15.203 bei wettbewerblichen Vergaben mindestens vier Angaben: die Anforderung des Auftraggebers, die voraussichtlichen Vertragsbedingungen, die Angaben, die das Angebot enthalten muss, sowie die Bewertungsfaktoren samt relativer Gewichtung. Für Unternehmenssoftware im Mittelstand ergeben sich daraus sechs Bausteine, die in jedes RFP Dokument gehören. Als Richtwert für den Umfang nennt Find-Your-Software für einen mittelständischen ERP Prozess 15 bis 30 Seiten, bei kleineren Vorhaben genügen deutlich weniger.
Unternehmens und Projektkontext
Der Anbieter muss verstehen, für wen er anbietet. Der Kontext nennt Branche, Größe, Standorte, Anzahl der Anwender und das Ziel des Vorhabens. Er ist kurz, denn er soll Rückfragen vermeiden und nicht das Unternehmen vorstellen.
- Branche, Mitarbeiterzahl, Standorte und Sprachen
- Ausgangslage: welches System wird abgelöst und warum
- Ziele mit messbarem Ergebnis, etwa kürzere Durchlaufzeit
- Ansprechpartner und Entscheidungsgremium
Projektumfang und Abgrenzung
Was gehört zum Auftrag und was ausdrücklich nicht? Eine klare Abgrenzung verhindert, dass Anbieter unterschiedliche Leistungsumfänge anbieten und die Preise nicht mehr vergleichbar sind.
- Module, Prozesse und Organisationseinheiten im Umfang
- Ausgeschlossene Bereiche und spätere Ausbaustufen
- Datenmigration: welche Altdaten aus welchen Systemen
- Schulung, Betrieb und Support als eigene Positionen
Anforderungskatalog mit Muss, Soll und Kann
Das Herzstück des RFP. Jede Anforderung hat eine Nummer, einen prüfbaren Text und eine Priorität. Anbieter antworten je Anforderung mit einem Erfüllungsgrad, den Sie später bewerten. Nach den Erfahrungswerten von Find-Your-Software sollten höchstens 20 bis 30 Prozent der Anforderungen Muss Anforderungen sein, sonst trennt der Katalog nichts mehr.
- Eindeutige Nummer und Gruppe je Anforderung
- Priorität Muss, Soll oder Kann und Kennzeichnung von K.-o.-Kriterien
- Antwortschema: Standard, Konfiguration, Anpassung, nicht erfüllt
- Prüfbarer Maßstab, etwa „Standardbericht in unter drei Minuten als PDF“
Technische und rechtliche Rahmenbedingungen
Hier steht, was für alle Anbieter gilt, unabhängig von einzelnen Funktionen. Diese Fragen entscheiden oft früher über das Ausscheiden eines Anbieters als der Funktionsumfang.
- Betriebsmodell: Cloud, On-Premise oder Hybrid
- Schnittstellen zu bestehenden Systemen
- Sicherheitsnachweise wie ISO 27001 oder BSI C5 Testat
- Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO und Serverstandort
Preisblatt und Einführungsangaben
Nur ein einheitliches Preisblatt macht Angebote vergleichbar. Verlangen Sie Lizenz oder Abonnement, Einführung, Schnittstellen, Schulung, Betrieb und Pflege getrennt und über einen festen Zeitraum, denn Anbieter rechnen sonst mit unterschiedlichen Annahmen.
- Positionen mit Einmalkosten und laufenden Kosten
- Laufzeit, Preisanpassung und Kündigungsfristen
- Annahmen zu Nutzerzahl, Mengen und Umgebungen
- Einführungsplan mit Meilensteinen und Aufwand beider Seiten
Prozessrahmen, Zeitplan und Bewertung
Anbieter sollen wissen, wie sie bewertet werden. Die FAR schreibt das für Bundesvergaben ausdrücklich vor, und es ist auch im privaten Mittelstand gute Praxis, Kriterien und Gewichtung offenzulegen. Das erhöht die Qualität der Antworten und schützt vor dem Vorwurf, nach Bauchgefühl entschieden zu haben.
- Termine für Versand, Rückfragen, Abgabe, Demos und Entscheidung
- Bewertungskriterien und Gewichtung
- Formale Vorgaben zu Format, Sprache und Umfang der Antwort
- Vertraulichkeit und Bindefrist des Angebots
Quellen: FAR 15.203, Requests for Proposals, Stand Oktober 2026. Mindestinhalt nach Abs. a bei wettbewerblichen Vergaben. Umfang und Muss Anteil: Erfahrungswerte von Find-Your-Software laut RFP erstellen, Stand Oktober 2026.
RFP Vorlage als Gliederung:
vier Teile zum Übernehmen.
Eine RFP Vorlage auf Deutsch ist vor allem eine Gliederung, denn die Inhalte unterscheiden sich je nach Software und Branche. Die folgende Gliederung ist ein Vorschlag von Find-Your-Software, den Sie in Ihr eigenes Dokument übernehmen und kürzen können. Sie orientiert sich an der üblichen Gliederung eines Lastenhefts, die laut Wikipedia aus Einführung, Ist Zustand, Soll Konzept, Schnittstellen, funktionalen und nichtfunktionalen Anforderungen, Lieferumfang und Abnahmekriterien besteht, und ergänzt sie um Teile, die nur ein RFP braucht: Antwortformat, Preisblatt und Bewertung. Ein Download ist nicht nötig, die Liste lässt sich direkt in jedes Textprogramm kopieren.
Einleitung und Verfahren
Der erste Teil sagt, worum es geht und wie das Verfahren läuft. Er ist die Seite, die jeder Anbieter zuerst liest.
- 1. Anschreiben mit Anlass, Ziel und Dank für die Teilnahme
- 2. Ablauf und Termine: Rückfragefrist, Abgabe, Demos, Entscheidung
- 3. Ansprechpartner und Regeln für die Kommunikation
- 4. Vertraulichkeit und Umgang mit den Unterlagen
Unternehmen und Projekt
Der zweite Teil gibt Kontext, damit Anbieter passend antworten und nicht raten müssen.
- 5. Unternehmensprofil mit Größe, Branche und Standorten
- 6. Ausgangslage, Ziele und Erfolgsmaßstäbe
- 7. Projektumfang und Abgrenzung
- 8. Systemlandschaft und Schnittstellen
Anforderungskatalog und Rahmenbedingungen
Der dritte Teil ist der längste und meist als Tabelle oder Fragebogen angelegt, den Anbieter Zeile für Zeile beantworten.
- 9. Funktionale Anforderungen mit Muss, Soll und Kann
- 10. Nichtfunktionale Anforderungen wie Leistung und Verfügbarkeit
- 11. Betrieb, Sicherheit und Datenschutz
- 12. Migration, Schulung, Einführung und Support
Angebot, Preis und Bewertung
Der vierte Teil legt fest, was zurückkommen muss und wie bewertet wird. Er macht aus Antworten vergleichbare Angebote.
- 13. Preisblatt mit einheitlichen Positionen und Laufzeit
- 14. Referenzen aus ähnlicher Branche und Größe
- 15. Einführungsplan und Ressourcen
- 16. Vertragsbedingungen und Bindefrist
- 17. Bewertungskriterien und Gewichtung
- 18. Anlagen: Fragebogen, Lastenheft, Preisblatt, Formular für Rückfragen
Gliederung: Vorschlag von Find-Your-Software, Stand Oktober 2026, abgeleitet aus der Lastenheft Gliederung laut Lastenheft, Wikipedia und dem Mindestinhalt nach FAR 15.203. Ausführliche Anleitung mit Checkliste: RFP erstellen.
RFP bei der Softwareauswahl:
Die Anforderungen tragen alles.
Ein RFP ist nur so gut wie die Anforderungen, auf denen er beruht. Die Norm ISO/IEC/IEEE 29148 (Requirements Engineering, 2. Ausgabe 2018, zuletzt 2024 überprüft, Überarbeitung vorgesehen) beschreibt, welche Prozesse und Informationsobjekte Anforderungen über den Lebenszyklus brauchen. Für den Mittelstand heißt das praktisch: Erst die Anforderungen, dann der RFP, dann die Bewertung. Wie wichtig eine feste Bewertungsstruktur ist, zeigt das kostenlose Auswahl Tool des Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrums eStandards, einer vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Einrichtung: Es arbeitet mit einer Bewertungsmatrix aus 27 Kriterien in vier Kategorien, deren Gewichtung die Nutzer anpassen.
Anforderungen erheben und ordnen
- Stakeholder aller Fachbereiche einbinden, bevor Anbieter eingeladen werden
- Ist Prozesse erfassen und Soll Prozesse festlegen
- Anforderungen nach Muss, Soll und Kann sortieren
- Widersprüche zwischen Bereichen vor dem Versand klären
Katalog und Fragebogen
- Ein Katalog, den alle Anbieter in demselben Format beantworten
- Antwortschema mit festen Stufen statt freier Texte
- Pflichtfragen zu Betrieb, Sicherheit, Datenschutz und Ausstieg
- Preisblatt als eigene Anlage
Auswertung und Szenario Demo
- Gewichtete Nutzwertanalyse mit vorab festgelegten Gewichten
- Gängige Skalen sind 0 bis 10 und, in öffentlichen Ausschreibungen, 0 bis 3
- Szenario Demo mit denselben Aufgaben für alle Anbieter
- Referenzgespräche zu den Punkten mit Abweichungen
Zusagen festschreiben
- Antworten des Anbieters als Anlage zum Vertrag aufnehmen
- Zusagen aus Demo und Angebot mit den Anforderungen abgleichen
- Preisanpassung, Laufzeit und Ausstieg prüfen
- Entscheidung und Begründung dokumentieren
Quellen: ISO/IEC/IEEE 29148:2018, Stand Oktober 2026. Mittelstand-Digital Zentrum WertNetzWerke zum ERP Auswahl Tool, Pressemitteilung vom 28. Oktober 2021. Skalen laut Nutzwertanalyse. Mehr zu Anforderungen: Anforderungsmanagement im Selection Portal.
Wie lange dauert ein RFP?
Erfahrungswerte nach Projektgröße.
Dauer und Aufwand hängen vom Umfang des Vorhabens ab. Die Tabelle zeigt Richtwerte für den privatwirtschaftlichen Mittelstand. Sie sind keine Messwerte, sondern Erfahrungswerte von Find-Your-Software, die Sie an Ihre Situation anpassen sollten. Ein kleiner RFP für ein Zusatzmodul kann in einer Woche stehen, ein RFP für ein neues ERP System braucht Vorbereitung in Wochen, weil die Anforderungen vieler Bereiche zusammenlaufen. Planen Sie die Antwortfrist nie kürzer als nötig: Anbieter, die ihre Antwort in wenigen Tagen zusammenstellen müssen, liefern Standardtexte statt Antworten auf Ihre Fragen.
| Projektgröße | Typisches Vorhaben | Anforderungen | Anbieter im RFP | Umfang des Dokuments | Antwortfrist |
|---|---|---|---|---|---|
| Kleinein Fachbereich | Zusatzmodul oder Fachanwendung | bis 60 | 3 | 5 bis 10 Seiten | 1 bis 2 Wochen |
| Mittelmehrere Bereiche | CRM, HR oder BI System für den ganzen Betrieb | 60 bis 150 | 3 bis 4 | 10 bis 20 Seiten | 2 bis 3 Wochen |
| GroßKernsystem | ERP oder Systemwechsel im Mittelstand, mehrere Standorte | 150 bis 300 | 4 bis 5 | 15 bis 30 Seiten plus Katalog | 2 bis 3 Wochen, bei großem Katalog bis 4 |
| Sehr großKonzern oder öffentlich | Neuauswahl mit mehreren Gesellschaften oder öffentliche Ausschreibung | über 300 | nach Verfahrensart | 30 Seiten und mehr | vom Verfahren vorgegeben |
Alle Werte: Erfahrungswerte von Find-Your-Software, Stand Oktober 2026, keine Messwerte und keine Norm. Rahmen aus RFP erstellen: drei bis fünf Anbieter, 15 bis 30 Seiten für einen mittelständischen ERP Prozess, Antwortfrist meist zwei bis drei Wochen. Fristen im öffentlichen Verfahren: siehe RFP beantworten.
Was ein RFP rechtlich
und organisatorisch absichert.
Ein RFP ist kein Vertrag, aber er legt die Grundlage dafür. Im privaten Mittelstand sind Sie in der Gestaltung frei, öffentliche Auftraggeber sind an Vergaberecht gebunden. In beiden Fällen sollten Sie im RFP die Punkte ansprechen, die später im Vertrag nur schwer nachzuholen sind. Die folgenden sechs Themen sind keine Rechtsberatung, sondern eine Checkliste für das Gespräch mit Ihrer Rechtsabteilung oder Ihrem Berater.
Wer darf wie ausschreiben
Privatwirtschaftlich legen Sie Fristen, Ablauf und Verhandlung selbst fest. Öffentliche Auftraggeber müssen den Zuschlag nach § 127 Abs. 1 GWB auf das wirtschaftlichste Angebot erteilen, bestimmt nach dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Nach § 127 Abs. 5 GWB müssen die Zuschlagskriterien und ihre Gewichtung in der Auftragsbekanntmachung oder den Vergabeunterlagen stehen.
- Privat: freie Gestaltung, Ablauf im RFP festlegen
- Öffentlich: Verfahrensart, Fristen und Kriterien gesetzlich vorgegeben
- Details für Anbieter: RFP beantworten
Datenschutz nach Art. 28 DSGVO
Verarbeitet der Anbieter personenbezogene Daten in Ihrem Auftrag, etwa bei Cloud Software, braucht es einen Vertrag nach Art. 28 DSGVO. Er muss unter anderem festlegen, dass der Anbieter nur auf dokumentierte Weisung verarbeitet, Mitarbeitende zur Vertraulichkeit verpflichtet, Sicherheitsmaßnahmen trifft, Unterauftragsverarbeiter nur unter Bedingungen einsetzt und Daten nach Vertragsende löscht oder zurückgibt.
- Muster des Auftragsverarbeitungsvertrags schon im RFP anfordern
- Liste der Unterauftragsverarbeiter und Standorte verlangen
- Löschung und Rückgabe der Daten zum Vertragsende festschreiben
BSI C5 Testat und ISO 27001
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) veröffentlicht den Kriterienkatalog C5 für Cloud Dienste. Die Fassung C5:2020 umfasst 121 Kriterien, die Fassung C5:2026 168 Kriterien in 17 Themengebieten. C5 ist ein Testat und kein Zertifikat. Das BSI hält Berichte vom Typ 2 für erforderlich, die zusätzlich die Wirksamkeit der Kontrollen über einen Zeitraum prüfen, typischerweise sechs oder zwölf Monate.
- Aktuellen Prüfbericht samt Geltungsbereich anfordern
- Auf Typ 1 oder Typ 2 achten und den Prüfzeitraum nennen lassen
- Mehr dazu: BSI C5 einfach erklärt
Geheimhaltung vor dem Versand
Ein RFP enthält Informationen über Prozesse, Systeme, Mengen und manchmal Preise. Bevor sensible Teile an Anbieter gehen, sollte eine Vertraulichkeitsvereinbarung stehen. Das gilt auch für Rückfragen und Antworten, die Sie an alle Anbieter weitergeben: Prüfen Sie, ob sie Rückschlüsse auf einzelne Teilnehmer oder Ihre Geschäftsgeheimnisse erlauben.
- Vertraulichkeitsvereinbarung vor Herausgabe sensibler Anlagen
- Kennzeichnung vertraulicher Teile im Dokument
- Rückfragen vor Weitergabe an alle Anbieter prüfen
Angebote und Annahme
Nach der Darstellung in der Wikipedia sind Angebote innerhalb ihrer Gültigkeitsfrist bindend, und der Auftraggeber ist nicht verpflichtet, ein Angebot anzunehmen. Verlangen Sie deshalb eine Bindefrist, die Demos, Verhandlung und Gremienentscheidung abdeckt, und stellen Sie klar, dass aus dem RFP kein Anspruch auf einen Zuschlag entsteht.
- Bindefrist des Angebots im RFP festlegen
- Hinweis aufnehmen, dass kein Anspruch auf Beauftragung besteht
- Zusagen aus dem Angebot später in den Vertrag übernehmen
Betriebsmodell und Exit
Nach dem Statistischen Bundesamt nutzen 54 Prozent der Unternehmen ab 10 Beschäftigten kostenpflichtige Cloud Services, bei Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten sind es 65 Prozent. Für den RFP bedeutet das: Fragen Sie nach Betriebsmodell, Standort und Ausstieg, nicht nur nach Funktionen. Wer heute einzieht, sollte wissen, wie er seine Daten wieder herausbekommt.
- Betriebsmodell, Rechenzentrumsstandort und Subdienstleister abfragen
- Datenexport in offenen Formaten und Kosten des Ausstiegs klären
- Vertrag prüfen: Softwarevertrag prüfen
Quellen: § 127 GWB, Art. 28 DSGVO, BSI zu C5, Ausschreibung, Wikipedia, Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 416 vom 24. November 2025. Stand Oktober 2026, keine Rechtsberatung.
In welchem Format läuft ein RFP?
Dokument, Tabelle oder Portal.
Das Format entscheidet, wie viel Arbeit bei Versand und Auswertung entsteht. Es gibt drei verbreitete Wege, und jeder passt zu einer anderen Projektgröße. Entscheidend ist nicht das Werkzeug, sondern dass alle Anbieter dieselbe Struktur beantworten und die Antworten maschinell oder zumindest tabellarisch vergleichbar sind.
Word oder PDF per E-Mail
Der Klassiker für kleine Vorhaben
Ein Textdokument mit angehängtem Preisblatt ist schnell erstellt und von jedem zu öffnen. Die Schwäche zeigt sich bei der Auswertung: Anbieter antworten in freien Texten und eigenen Formaten, und jemand muss die Antworten von Hand in eine Vergleichstabelle übertragen.
- Gut für wenige Anforderungen und drei Anbieter
- Antwortschema im Dokument fest vorgeben
- Antworten in ein gemeinsames Raster übertragen
Aufwand: gering beim Versand, hoch bei der Auswertung
Excel mit Fragebogen
Der Standard im Mittelstand
Ein Fragebogen in Tabellenform mit Nummer, Anforderung, Priorität und Antwortspalten macht Antworten Zeile für Zeile vergleichbar. Dropdown Felder für den Erfüllungsgrad verhindern Freitext. Die Pflege von Versionen und die Zusammenführung der Antworten bleiben aber Handarbeit.
- Gut für 50 bis 300 Anforderungen
- Feste Auswahlfelder für Standard, Konfiguration, Anpassung, nicht erfüllt
- Eigenes Blatt für das Preisblatt und für Rückfragen
Aufwand: mittel, Versionsstände sorgfältig führen
Katalog im Portal
Für größere Vorhaben und mehrere Beteiligte
Auf einer Plattform liegt der Anforderungskatalog zentral, Anbieter beantworten ihn direkt, und Rückfragen laufen über einen Kanal. Öffentliche Auftraggeber nutzen dafür Vergabeplattformen, im Mittelstand kann das Selection Portal diese Rolle übernehmen.
- Gut für große Kataloge und viele Beteiligte
- Antworten fließen direkt in die Bewertung
- Nachvollziehbare Änderungen am Katalog
Aufwand: Einrichtung einmalig, Auswertung deutlich geringer
Einordnung der Formate: Erfahrungswerte von Find-Your-Software, Stand Oktober 2026. Hinweis zum Versand per E-Mail und zu Antworten in vielen Formaten: RFP erstellen.
Sechs typische Fehler
bei einem RFP.
Die meisten Probleme mit einem RFP entstehen nicht im Dokument, sondern davor und danach: bei unklaren Anforderungen, zu vielen Empfängern und einer Bewertung, die erst nach dem Eingang der Angebote festgelegt wird. Die folgenden sechs Fehler tauchen in Auswahlprojekten im Mittelstand immer wieder auf, und alle lassen sich mit etwas Vorbereitung vermeiden.
Alles ist ein Muss
Wenn jede Anforderung zwingend ist, trennt der Katalog nicht mehr. Anbieter geben Standardantworten, und die Bewertung läuft ins Leere. Reservieren Sie Muss für Anforderungen, ohne die der Betrieb nicht läuft, und halten Sie diese Gruppe klein.
- Richtwert: höchstens 20 bis 30 Prozent Muss Anforderungen
- K.-o.-Kriterien vor der Punktrechnung prüfen
- Kann Anforderungen als Bonus bewerten
Anforderungen ohne Maßstab
Eine Anforderung wie „das System soll schnell sein“ lässt sich nicht beantworten. Formulieren Sie so, dass eine Demo oder ein Test zeigt, ob sie erfüllt ist, etwa mit einer Zeitangabe oder einem Mengengerüst.
- Zahl, Zeit oder Menge in die Anforderung aufnehmen
- Prüfweg benennen: Demo, Test oder Dokument
- Eine Anforderung je Zeile
Gewichte erst nach den Angeboten
Wer die Gewichtung erst festlegt, wenn die Angebote vorliegen, riskiert eine Verzerrung zugunsten eines Favoriten. Die Gewichte sollten vorab im Team festgelegt, datiert und im RFP genannt werden.
- Gewichte summieren sich auf 100 Prozent
- Erst Gruppen gewichten, dann Kriterien in den Gruppen
- Datierte Festlegung vor Versand dokumentieren
Zu viele Anbieter angeschrieben
Wer zehn Anbieter anschreibt, bekommt zehn Antworten, die niemand sorgfältig lesen kann. Drei bis fünf Anbieter sind der Praxisrichtwert, und die Einladung sollte begründet sein.
- Vorauswahl durch Ausschlusskriterien statt durch Bauchgefühl
- Begründung je Anbieter dokumentieren
- Ein oder zwei Reserve Anbieter benennen
Freie Antwortformate
Ohne festes Antwortschema entstehen Antworten in Textform, als Broschüre oder als Tabelle, und der Vergleich frisst Wochen. Geben Sie das Format vor und verlangen Sie ein festes Schema für den Erfüllungsgrad.
- Fragebogen oder Katalog statt freier Texte
- Feste Antwortstufen je Anforderung
- Preisblatt in einem Format für alle
Preise ohne gemeinsame Basis
Wenn jeder Anbieter mit eigenen Annahmen rechnet, lassen sich Angebote nicht vergleichen. Geben Sie Nutzerzahl, Laufzeit und Umfang vor und verlangen Sie ein Preisblatt über einen festen Zeitraum.
- Gesamtkosten über fünf Jahre statt nur Lizenzpreis
- Einmal und laufende Kosten getrennt ausweisen
- Mit dem TCO Rechner gegenprüfen
Quellen: Gewichtung, K.-o.-Kriterien und Skalen laut Nutzwertanalyse, Shortlist Größe laut Longlist und Shortlist, weitere Auswahlfehler in Software Auswahl Kriterien und Fehler. Stand Oktober 2026.
Vom RFP Wissen
zur strukturierten Durchführung.
Das Selection Portal von Find-Your-Software sammelt Ihre Anforderungen, liefert eine begründete Shortlist und unterstützt Demos und Verträge. Find-Your-Software ist ein Werkzeug für die Softwareauswahl, kein Bewertungsportal, und erhält keine Zahlung für Platzierungen. Die KI Funktionen laufen auf eigenen, lokal betriebenen Modellen, Ihre Daten bleiben bei uns.
Was das Selection Portal übernimmt
- Anforderungen sammeln, priorisieren und K.-o.-Kriterien markieren
- Anforderungen mit Requirement Intelligence auf Lücken prüfen, die Entscheidung bleibt bei Ihnen
- Anbieter anhand desselben Katalogs vergleichen und Antworten strukturiert erfassen
- Szenarien und Anbieterpräsentationen planen und bewerten
- Softwareverträge prüfen mit Checkliste
Was bei Ihnen bleibt
- Die Festlegung der Ziele und der Muss Anforderungen
- Die Gewichtung der Kriterien und die Bewertung der Antworten
- Die rechtliche Prüfung von Vertrag und Datenschutz
- Die Entscheidung mit Geschäftsführung, IT und Fachbereichen
Mehr zum Prinzip: Werkzeug statt Bewertungsportal. Das Portal ersetzt weder Workshops noch Gespräche, es hält ihre Ergebnisse fest. Stand Oktober 2026.
Häufige Fragen
direkt beantwortet.
Was bedeutet RFP?
RFP bedeutet Request for Proposal, auf Deutsch Aufforderung zur Angebotsabgabe, Angebotsanfrage oder Ausschreibung. Ein Auftraggeber beschreibt darin seinen Bedarf und bittet mehrere Anbieter um ein vergleichbares Angebot. Bei Unternehmenssoftware enthält der RFP den Anforderungskatalog, Fragen zu Preis, Betrieb und Einführung sowie die Bewertungskriterien. Die Abkürzung hat in anderen Gebieten andere Bedeutungen, etwa Rot fluoreszierendes Protein. In der Beschaffung ist immer die Angebotsanfrage gemeint. Die deutschsprachige Wikipedia führt den Begriff zum Stichwort Ausschreibung.
Was ist der Unterschied zwischen RFP und RFQ?
Ein RFP fragt nach einer Lösung und bewertet Qualität und Preis zusammen. Ein RFQ (Request for Quotation) fragt nur nach dem Preis für eine genau beschriebene Leistung und eignet sich, wenn der Bedarf feststeht und Anbieter austauschbar sind. Die University of Memphis etwa vergibt RFQs an das niedrigste geeignete Angebot und RFPs an das bestbewertete nach einem Punktesystem, nicht zwingend an das günstigste. Bei Unternehmenssoftware mit vielen Anforderungen ist deshalb fast immer der RFP das passende Instrument.
Was ist ein RFI?
Ein RFI (Request for Information, auf Deutsch Leistungsanfrage) dient der Marktsondierung. Der Auftraggeber sammelt Informationen zu Anbietern und Lösungen, ohne ein Angebot zu verlangen. Die Antworten sind nicht bindend und enthalten oft Listenpreise. Ein RFI lohnt sich, wenn die Softwarekategorie oder der Markt unbekannt ist, und steht dann vor der Longlist. Im Mittelstand wird er häufig übersprungen, weil Kataloge, Matching und Marktübersichten die Sondierung ersetzen. Auf den RFI folgt der RFP an die Shortlist.
Wie läuft ein RFP Prozess ab?
Der RFP Prozess hat sechs Schritte: Anforderungen erfassen und priorisieren, Empfänger festlegen, das RFP Dokument aufsetzen, Versand und Rückfragen koordinieren, Antworten auswerten sowie Szenario Demo, Klärung und Entscheidung. Nach Erfahrungswerten von Find-Your-Software dauert das im Mittelstand rund sechs Wochen bis zur Bewertung der Antworten. Wichtig ist, Kriterien und Gewichtung vor dem Versand festzulegen und allen Anbietern dieselben Unterlagen am selben Tag zu senden. Der Ablauf ist oben ausführlich beschrieben. Wer die Schritte sauber trennt, vermeidet Doppelarbeit und kann die Entscheidung später nachvollziehbar begründen.
Was gehört in einen RFP?
Ein RFP braucht sechs Bausteine: den Unternehmens und Projektkontext, den Projektumfang mit Abgrenzung, den Anforderungskatalog mit Muss, Soll und Kann, die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen, ein Preisblatt mit Einführungsangaben sowie den Prozessrahmen mit Zeitplan und Bewertung. Die Federal Acquisition Regulation der USA nennt als Mindestinhalt die Anforderung, die Vertragsbedingungen, die geforderten Angaben im Angebot und die Bewertungsfaktoren mit Gewichtung. Eine Gliederung zum Übernehmen steht auf dieser Seite. Je klarer diese Bausteine getrennt sind, desto leichter lassen sich die Antworten der Anbieter später vergleichen.
Wie lange dauert ein RFP?
Die Dauer hängt vom Umfang ab. Für das Aufsetzen des Dokuments rechnet Find-Your-Software im Mittelstand mit zwei bis drei Wochen, dazu kommen zwei bis drei Wochen Antwortfrist und etwa eine Woche Auswertung. Insgesamt sind das rund sechs Wochen, bei großen ERP Vorhaben mit langem Katalog auch mehr. Kleine Vorhaben sind in zwei bis drei Wochen erledigt. Öffentliche Verfahren folgen gesetzlichen Mindestfristen, die je nach Verfahrensart festgelegt sind. Diese Werte sind Erfahrungswerte und keine Norm.
Wie viele Anbieter sollte man anschreiben?
Drei bis fünf Anbieter sind der Praxisrichtwert für einen RFP im Mittelstand. Weniger als drei nehmen den Wettbewerbsdruck, mehr als fünf verursachen Aufwand bei Rückfragen, Auswertung und Demos, ohne dass die Entscheidung besser wird. Acht Anbieter im Detail zu prüfen gilt als Überforderung. Die Longlist kann deutlich größer sein, sie wird vor dem RFP mit Ausschlusskriterien auf die Shortlist verkleinert. Halten Sie schriftlich fest, warum ein Anbieter eingeladen wurde. Das schützt Ihr Team vor Überlastung und gibt jedem eingeladenen Anbieter genug Aufmerksamkeit.
Gibt es eine RFP Vorlage auf Deutsch?
Ja. Auf dieser Seite finden Sie eine RFP Vorlage als Gliederung mit vier Teilen und 18 Punkten, die Sie in Ihr Textprogramm kopieren können: Einleitung und Verfahren, Unternehmen und Projekt, Anforderungskatalog sowie Angebot und Bewertung. Es gibt hier bewusst keinen Download, denn Inhalte und Anforderungen unterscheiden sich je nach Software und Branche. Für den Anforderungskatalog hilft die Lastenheft Vorlage von Find-Your-Software, die Anleitung zum Schreiben steht unter RFP erstellen. Passen Sie die Gliederung an Ihre Projektgröße an und streichen Sie, was Sie nicht brauchen.
Was ist der Unterschied zwischen RFP und Lastenheft?
Das Lastenheft beschreibt die Anforderungen des Auftraggebers, laut DIN 69901-5 die vom Auftraggeber festgelegte Gesamtheit der Forderungen an die Lieferungen und Leistungen eines Auftragnehmers. Der RFP ist die Aufforderung an Anbieter, auf dieser Grundlage ein Angebot abzugeben. Das Lastenheft ist damit eine Anlage und der Kern des RFP. Das Pflichtenheft schreibt dagegen der Anbieter, und es beschreibt, wie und womit er die Anforderungen umsetzt. Im Alltag werden die Begriffe oft vermischt.
Ist ein RFP dasselbe wie eine Ausschreibung?
Im klassischen Sinn ja, denn der RFP entspricht der Ausschreibung als schriftlicher Aufforderung zur Angebotsabgabe. Im Sprachgebrauch ist die Ausschreibung aber meist ein Verfahren der öffentlichen Hand mit gesetzlichen Regeln, etwa nach GWB und VgV. Ein privatwirtschaftlicher RFP im Mittelstand ist dagegen frei gestaltbar: Sie bestimmen Empfänger, Fristen und Ablauf selbst. Wer als Anbieter auf einen RFP antworten will, findet Hinweise unter RFP beantworten, denn die Anfrage nach einer RFP Antwort gehört dorthin.
Wer schreibt den RFP und wer antwortet darauf?
Den RFP schreibt der Auftraggeber, in der Regel ein Projektteam aus Fachbereichen, IT, Einkauf und Geschäftsführung, oft mit einem externen Berater für Methodik. Ein Projektleiter führt das Dokument und die Kommunikation. Auf den RFP antworten die Softwareanbieter, meist der Vertrieb gemeinsam mit Presales und Fachexperten. Die Antwort enthält Erfüllungsgrade, Preisblatt, Referenzen und Zeitplan. Wie Anbieter eine Antwort aufbauen und wann sich eine Antwort lohnt, erklärt die Seite RFP beantworten. Beide Seiten brauchen dafür feste Ansprechpartner, damit Rückfragen schnell geklärt werden.
Wann lohnt sich ein RFP und wann reicht eine Demo?
Ein RFP lohnt sich, wenn viele Anforderungen vergleichbar beantwortet werden müssen, mehrere Bereiche beteiligt sind und die Entscheidung dokumentiert werden soll, also bei ERP, CRM, HR oder BI. Bei einem kleinen, genau umrissenen Zusatzmodul genügt oft ein RFQ oder eine Demo. Eine Demo ersetzt den RFP nicht, denn sie zeigt Funktionen, aber keine verbindlichen Zusagen zu Preis, Betrieb und Einführung. Beides gehört zusammen: erst der RFP für die Zusagen, dann die Szenario Demo als Beleg.
Wie bewerte ich die Antworten auf einen RFP?
Prüfen Sie zuerst die Vollständigkeit und die Muss Anforderungen. Wer eine davon nicht erfüllt, scheidet aus. Danach bewerten Sie den Erfüllungsgrad je Anforderung auf einer festen Skala, etwa 0 bis 10, und gewichten die Ergebnisse mit den vorab festgelegten Gewichten, die zusammen 100 Prozent ergeben. Bewerten Sie die Kosten getrennt und über einen festen Zeitraum. Die Methode heißt Nutzwertanalyse und ist unter diesem Namen auf Find-Your-Software beschrieben. So bleibt die Entscheidung nachvollziehbar, auch wenn später jemand nach den Gründen fragt.
Vom RFP Wissen
zur Shortlist.
Die Matching Engine von Find-Your-Software vergleicht Ihre Anforderungen mit passenden Systemen und liefert eine begründete Shortlist, an die Ihr RFP gehen kann. Im Selection Portal erfassen Sie danach den Anforderungskatalog, planen Szenario Demos und prüfen Verträge.