Individualsoftware entwickeln lassen: Ablauf, Kosten und Dienstleister auswählen
Individualsoftware entwickeln zu lassen heißt, den Bedarf in einem Lastenheft zu beschreiben, Angebote einzuholen, einen Dienstleister zu beauftragen, die Entwicklung agil oder zum Festpreis zu begleiten, das Ergebnis abzunehmen und es dauerhaft zu betreiben. Für eine mittlere Fachanwendung nennen die Erfahrungswerte von Find-Your-Software 80.000 bis 250.000 Euro Entwicklungskosten, dazu kommen laufende Kosten.
Individualsoftware beauftragen
in sieben Antworten.
Zielgruppe sind Unternehmen im deutschsprachigen Raum, die eine Fachanwendung, ein Portal oder eine Schnittstellenlösung von einem Dienstleister entwickeln lassen wollen, statt Standardsoftware einzusetzen. Sie deckt das Beauftragen und Umsetzen ab. Was Individualsoftware ist und wann sie sich lohnt, erklären Individualsoftware: Definition, Kosten und Entscheidungskriterien und Standardsoftware vs. Individualsoftware.
| Frage | Kurzantwort | Mehr dazu |
|---|---|---|
| Wie läuft die Beauftragung ab? | In sieben Phasen: Bedarf, Lastenheft, Ausschreibung, Angebot und Vertrag, Entwicklung, Abnahme, Betrieb. Die Entwicklung dauert je nach Umfang von wenigen Wochen bis über ein Jahr. | Abschnitt Ablauf |
| Festpreis, Aufwand oder Rahmenvertrag? | Festpreis schafft Planbarkeit bei klarem Umfang, Abrechnung nach Aufwand passt zu agilem Vorgehen, ein Rahmenvertrag lohnt bei dauerhafter Zusammenarbeit. | Abschnitt Preismodelle |
| Was kostet eine mittlere Fachanwendung? | 80.000 bis 250.000 Euro Entwicklungskosten laut Erfahrungswerten von Find-Your-Software, dazu laufende Kosten für Betrieb und Weiterentwicklung. | Abschnitte Kosten und Rechenbeispiel |
| Wer soll entwickeln? | Ein eigenes Team, ein Dienstleister im Inland, Nearshore, Offshore oder Freiberufler. Entscheidend sind Kontrolle, Verfügbarkeit, Recht und Datenschutz. | Abschnitt Wer entwickelt |
| Woran erkenne ich einen guten Dienstleister? | An prüfbaren Referenzen, einer nachvollziehbaren Schätzung, Sicherheitsprozessen, klarer Kommunikation und einem Team, das Sie vor Vertragsschluss kennenlernen. | Abschnitt Dienstleister |
| Was gehört in den Vertrag? | Nutzungsrechte, Quellcode und Dokumentation, Abnahmekriterien, Wartung mit SLA, Haftung, Datenschutz und ein geregelter Ausstieg. | Abschnitt Vertrag |
| Wann ist Standardsoftware besser? | Wenn der Prozess branchenüblich ist und ein erprobtes Produkt die Muss-Anforderungen weitgehend abdeckt. | Abschnitt Standardsoftware |
Einschätzung von Find-Your-Software, Stand 20.10.2026. Kostenwerte: Erfahrungswerte von Find-Your-Software, keine Angebote.
Vom Bedarf bis zum Betrieb:
sieben Phasen im Überblick.
Die Richtwerte zur Dauer sind Einschätzungen von Find-Your-Software für ein Projekt mittlerer Größe. Kleinere Vorhaben gehen schneller, Konzernprojekte und Vergabeverfahren öffentlicher Auftraggeber brauchen länger. Die Tabelle zeigt je Phase, was Sie selbst beitragen müssen und wo typische Fehler entstehen.
| Phase | Richtwert Dauer | Ihre Aufgabe | Ergebnis | Typischer Fehler |
|---|---|---|---|---|
| 1. Bedarf klären | 2 bis 4 Wochen | Ziele, Nutzer und Prozesse benennen, Standardsoftware prüfen | Zielbild, Nutzerliste, Prozessskizze | Mit einer Lösung starten statt mit dem Problem |
| 2. Lastenheft schreiben | 3 bis 6 Wochen | Fachbereich und IT priorisieren die Anforderungen | Lastenheft mit Muss, Soll und Kann | Alles ist Muss, Abnahmekriterien fehlen |
| 3. Ausschreibung | 4 bis 8 Wochen | Dienstleister vorauswählen, anschreiben, Rückfragen beantworten | 3 bis 5 vergleichbare Angebote | Angebote lassen sich wegen unterschiedlicher Struktur nicht vergleichen |
| 4. Angebot und Vertrag | 2 bis 4 Wochen | Schätzung prüfen, Preismodell und Vertrag verhandeln | Vertrag mit Leistungsbeschreibung (Pflichtenheft) | Rechte am Quellcode und Wartung bleiben offen |
| 5. Entwicklung | 3 bis 9 Monate | Fragen beantworten, priorisieren, Zwischenstände testen | Lauffähige Releases und Testprotokolle | Fachbereich fehlt, Änderungen ohne Kostenfolge |
| 6. Abnahme | 2 bis 6 Wochen | Abnahmetests nach Kriterien, Mängel dokumentieren | Abnahmeprotokoll und Mängelliste | Abnahme durch Zeitablauf statt durch bewusste Entscheidung |
| 7. Betrieb | laufend | Wartung steuern, Weiterentwicklung priorisieren | Betriebshandbuch, SLA, Release-Plan | Kein Budget für Wartung und Weiterentwicklung |
Einschätzung von Find-Your-Software, Stand 20.10.2026. Die Entwicklungsdauer entspricht den Erfahrungswerten von Find-Your-Software: 3 bis 5 Monate für eine kleine Fachanwendung, 5 bis 9 Monate für eine mittlere Individuallösung, Details bei Individualsoftware: Definition, Kosten und Entscheidungskriterien.
Individualsoftware beauftragen:
was in jeder Phase zu tun ist.
Die sieben Schritte folgen dem Ablauf oben. Sie zeigen, welche Entscheidungen Sie als Auftraggeber treffen müssen und wo Sie verbindliche Unterlagen brauchen, bevor die nächste Phase beginnt.
Bedarf klären
Beschreiben Sie das Problem, nicht die Lösung. Wer arbeitet heute wie, wo entstehen Medienbrüche, was kostet das pro Jahr? Nehmen Sie die wichtigsten Abläufe auf, wie bei der Prozessanalyse beschrieben, benennen Sie Nutzergruppen und Datenquellen und prüfen Sie früh, ob ein Standardprodukt genügt. Erst wenn die Antwort nein lautet, lohnt sich der Aufwand für ein Lastenheft. Halten Sie die Entscheidung schriftlich fest.
Lastenheft schreiben
Das Lastenheft beschreibt, was die Software leisten soll, nicht wie. Gliedern Sie nach Zielen, Nutzern, funktionalen und nicht funktionalen Anforderungen, Schnittstellen, Daten, Sicherheit und Betrieb und priorisieren Sie mit Muss, Soll und Kann. Jede Anforderung braucht ein prüfbares Kriterium, sonst gibt es bei der Abnahme Streit. Aufbau nach DIN 69901-5 und eine Excel-Vorlage bietet die Lastenheft-Vorlage für die Softwareauswahl.
Ausschreiben
Wählen Sie drei bis fünf Dienstleister vor und senden Sie allen dasselbe Paket: Lastenheft, Projektrahmen, gewünschte Angebotsstruktur und Fristen. Verlangen Sie, dass Angebote Aufwand je Arbeitspaket, Annahmen, Team und Referenzen ausweisen, sonst lassen sie sich nicht vergleichen. Wie ein Anforderungspaket aufgebaut wird, zeigt der Beitrag RFP erstellen. Öffentliche Auftraggeber müssen zusätzlich das Vergaberecht beachten.
Angebot prüfen und Vertrag schließen
Prüfen Sie die Schätzungen auf Plausibilität: Wie viele Personentage stecken in Analyse, Test und Projektmanagement? Gute Angebote nennen Annahmen und Risiken. Klären Sie das Preismodell, lassen Sie sich ein Pflichtenheft des Dienstleisters geben und verhandeln Sie Nutzungsrechte, Quellcode, Wartung und Ausstieg, bevor die Arbeit beginnt. Die Bewertung der Angebote gelingt mit der Nutzwertanalyse.
Entwicklung begleiten
Vereinbaren Sie einen festen Rhythmus aus Planung, Zwischenstand und Abnahme je Release. Bei agilem Vorgehen dauert ein Sprint nach dem Scrum Guide höchstens einen Monat, und im Sprint Review prüfen Stakeholder die Ergebnisse gemeinsam mit dem Team. Benennen Sie auf Ihrer Seite einen Product Owner, der Fragen innerhalb weniger Tage beantwortet. Änderungen laufen über Backlog oder Change Request mit Aufwandsschätzung, nicht über Zurufe.
Abnehmen
Nehmen Sie ab, wenn die vereinbarten Kriterien erfüllt sind, nicht früher. Wegen unwesentlicher Mängel darf die Abnahme nach § 640 BGB nicht verweigert werden, bekannte Mängel behalten Sie sich bei der Abnahme ausdrücklich vor. Setzt der Unternehmer eine angemessene Frist und verweigern Sie nicht innerhalb dieser Frist unter Angabe eines Mangels die Abnahme, gilt das Werk als abgenommen. Planen Sie Testdaten, Testpersonen und Zeit im Fachbereich ein.
Betrieb sicherstellen
Mit dem Go-live beginnt der längere Teil der Kosten. Legen Sie fest, wer Fehler behebt, Sicherheitsupdates einspielt, Abhängigkeiten aktualisiert und Änderungswünsche umsetzt, und planen Sie ein Jahresbudget dafür. Lassen Sie sich Betriebshandbuch, Architekturdokumentation und Zugänge übergeben, damit ein Wechsel des Dienstleisters möglich bleibt. Mehr zur Übergabe finden Sie bei Software-Einführung vom Vertrag zum Go-live.
Quellen: Scrum Guide, § 640 BGB auf gesetze-im-internet.de, Stand 20.10.2026.
Festpreis, nach Aufwand oder Rahmenvertrag:
drei Wege, den Preis zu regeln.
Das Preismodell legt fest, wer das Risiko trägt: Beim Festpreis trägt es der Dienstleister, bei Abrechnung nach Aufwand der Auftraggeber. Welche gesetzlichen Regeln gelten, hängt davon ab, ob der Vertrag als Werkvertrag (§ 631 BGB, geschuldet ist ein Erfolg) oder als Dienstvertrag (§ 611 BGB, geschuldet ist eine Tätigkeit) einzuordnen ist. Das entscheidet sich am Inhalt des Vertrags, nicht an seiner Überschrift. Lassen Sie die Einordnung juristisch prüfen.
Festpreis
Ein Erfolg zum vereinbarten Preis
Der Dienstleister schuldet das vereinbarte Ergebnis und trägt das Mengenrisiko. Voraussetzung ist ein Umfang, der sich vorab genau beschreiben lässt. Spätere Änderungen werden über Change Requests gesondert bepreist, deshalb lohnt sich ein Festpreis vor allem bei klaren, stabilen Anforderungen.
- Planbares Budget für den vereinbarten Umfang
- Mängelrechte nach den §§ 633 ff. BGB und Abnahme nach § 640 BGB
- Der Besteller kann bis zur Vollendung jederzeit kündigen (§ 648 BGB), der Unternehmer behält die Vergütung abzüglich ersparter Aufwendungen
- Risiko: Risikoaufschlag im Preis, Streit um Umfang und Änderungen
Geeignet für klar umrissene Module, Schnittstellen und Migrationen
Abrechnung nach Aufwand
Tätigkeit nach Zeit, oft mit Budgetdeckel
Sie bezahlen Personentage, meist zu einem vereinbarten Tagessatz, und steuern den Umfang laufend. Das passt zu agiler Entwicklung, bei der sich Anforderungen mit dem Wissen aus den ersten Releases ändern. Das Budgetrisiko liegt beim Auftraggeber, deshalb gehören Obergrenze, Berichtswesen und Kündigungsregeln in den Vertrag.
- Flexibel bei unklaren oder sich ändernden Anforderungen
- Transparenz verlangen: Zeitnachweise und Fortschrittsberichte je Release
- Kündigungsfristen für Dienstverhältnisse nach § 621 BGB oder vertraglich vereinbart
- Risiko: Kosten laufen ohne Obergrenze, ein Ergebnis ist nicht garantiert
Geeignet für Produktentwicklung, offenen Umfang und lange Zeithorizonte
Rahmenvertrag mit Abrufen
Konditionen vorab, Leistungen im Einzelauftrag
Der Rahmenvertrag regelt Tagessätze, Rollen, Reaktionszeiten, Datenschutz und Haftung einmal. Konkrete Vorhaben werden als Einzelaufträge mit eigener Leistungsbeschreibung abgerufen, entweder zum Festpreis oder nach Aufwand. Das spart Verhandlungen bei dauerhafter Zusammenarbeit. Eine Mindestabnahme ist damit meist nicht verbunden, die Verfügbarkeit des Teams sollten Sie gesondert vereinbaren.
- Gleiche Bedingungen für mehrere Projekte und Releases
- Schnellere Beauftragung neuer Module
- Mengenstaffeln und Preisanpassung vorab regeln
- Risiko: Abhängigkeit vom Dienstleister und fehlender Wettbewerb bei Folgeaufträgen
Geeignet für laufende Weiterentwicklung und mehrere Anwendungen
Quellen: §§ 611, 621, 631, 633, 640 und 648 BGB auf gesetze-im-internet.de, Stand 20.10.2026. Für öffentliche Auftraggeber stellt der Bund Vertragsmuster bereit, die EVB-IT. Keine Rechtsberatung.
Agil oder Festpreis:
welches Vorgehen passt zu Ihrem Vorhaben?
Die Frage lautet nicht, welches Modell besser ist, sondern wie gut sich Ihre Anforderungen vorab beschreiben lassen. Das Agile Manifest stellt die Zusammenarbeit mit dem Kunden über die Vertragsverhandlung, ohne Verträge für überflüssig zu erklären. Viele Projekte kombinieren beides: ein Festpreis für Analyse und Konzept, danach ein Budgetrahmen mit agiler Umsetzung in Releases.
| Kriterium | Festpreis (Werkvertrag) | Agil nach Aufwand | Hybrid mit Budgetrahmen |
|---|---|---|---|
| Anforderungen | Stabil und detailliert beschrieben | Anfangs grob, wachsen mit dem Lernen | Konzeptphase fest, Umsetzung in Releases |
| Budget | Fester Betrag für festen Umfang | Budget als Obergrenze, Umfang flexibel | Fester Rahmen, Umfang je Release priorisiert |
| Risiko | Beim Dienstleister, im Preis eingerechnet | Beim Auftraggeber | Geteilt über Budgetdeckel und Meilensteine |
| Änderungen | Change Request mit Zusatzpreis | Ins Backlog, Reihenfolge ändern | Im Backlog innerhalb des Rahmens |
| Abnahme | Einmal am Ende nach § 640 BGB | Je Sprint oder Release | Je Release, Endabnahme nach Plan |
| Aufwand für Sie | Hoch vor Vertragsschluss | Hoch während der gesamten Entwicklung | Mittel bis hoch an beiden Stellen |
| Typischer Fehler | Unklarer Umfang, Streit bei der Abnahme | Kein Ende, kein Ziel | Rahmen ohne Prioritäten |
Einschätzung von Find-Your-Software. Quellen: Agiles Manifest, Scrum Guide, Stand 20.10.2026.
Was Individualsoftware teuer macht:
acht Kostentreiber.
Kosten entstehen aus Aufwand, nicht aus einzelnen Funktionen. Die Erfahrungswerte von Find-Your-Software für die Entwicklung liegen bei 15.000 bis 30.000 Euro für einen Prototyp, 30.000 bis 80.000 Euro für eine kleine Fachanwendung, 80.000 bis 250.000 Euro für eine mittlere Individuallösung und ab 250.000 Euro für Enterprise-Vorhaben (Stand Oktober 2026, keine Angebote). Welche Faktoren Ihr Projekt innerhalb dieser Spannen nach oben oder unten schieben, zeigt die Tabelle.
| Kostentreiber | Wirkung auf den Preis | Woran Sie ihn erkennen | Was Sie tun können |
|---|---|---|---|
| Umfang und KomplexitätRollen, Masken, Regeln | Sehr hoch | Viele Nutzergruppen, Sonderfälle und Berechnungsregeln | Mit einem Kern starten und den Rest in Releases liefern |
| SchnittstellenERP, CRM, Identity, Zahlung | Hoch | Jede Schnittstelle bringt Abbildung der Daten, Fehlerbehandlung und Tests mit sich | Schnittstellen früh benennen und Testsysteme sichern, siehe Schnittstellen und Integration |
| Qualität der AnforderungenKlarheit des Lastenhefts | Hoch | Unscharfe Begriffe, fehlende Abnahmekriterien | Muss, Soll, Kann und Akzeptanzkriterien je Anforderung |
| Nicht funktionale AnforderungenSicherheit, Leistung, Verfügbarkeit | Mittel bis hoch | Viele Nutzer, personenbezogene Daten, Nachweispflichten | Anforderungen mit Zahlen formulieren statt mit Adjektiven |
| DatenmigrationAltdaten und Bereinigung | Mittel bis hoch | Mehrere Altsysteme, schlechte Datenqualität | Früh Stichproben ziehen und Datenverantwortliche benennen |
| Team und StandortTagessatz, Erfahrung, Zeitzone | Mittel | Große Spannen bei Tagessätzen in den Angeboten | Angebote auf Personentage und Rollen herunterbrechen |
| Änderungen im ProjektScope Creep | Hoch | Ständig neue Wünsche, Entscheidungen dauern | Product Owner mit Entscheidungsbefugnis, siehe Was eine Änderung kostet |
| Betrieb und Weiterentwicklungnach dem Go-live | Sehr hoch über die Laufzeit | Hosting, Updates, Support und Releases laufen jedes Jahr an | Betriebsbudget und SLA schon im Angebot festlegen, Rechenbeispiel unten |
Einschätzung von Find-Your-Software, Stand 20.10.2026. Der Anteil von Betrieb und Wartung an den Gesamtkosten liegt laut Erfahrungswert von Find-Your-Software bei 60 bis 80 Prozent über die Nutzungsdauer, siehe Make or Buy in der IT.
Rechenbeispiel von Find-Your-Software:
eine Fachanwendung über fünf Jahre.
Dieses Rechenbeispiel ist eine eigene Beispielrechnung von Find-Your-Software mit offengelegten Annahmen. Es ist weder ein Angebot noch ein Marktpreis und stammt nicht von einem Portal oder Dienstleister. Ersetzen Sie die Annahmen durch Ihre Werte, zum Beispiel mit dem TCO-Rechner. Beispiel: ein Kundenportal mit Auftragsverwaltung für 80 Nutzer, Webanwendung, drei Schnittstellen (ERP, E-Mail, Single Sign-on), Cloud-Hosting, Beauftragung nach Aufwand mit Budgetdeckel.
| Position | Annahme | Aufwand | Betrag netto |
|---|---|---|---|
| Analyse und KonzeptEntwicklung | Workshops, Lastenheft schärfen, Pflichtenheft | 20 Personentage | 16.000 € |
| UX und DesignEntwicklung | Klickprototyp, Oberflächenkonzept | 12 Personentage | 9.600 € |
| Backend und FrontendEntwicklung | Auftragsverwaltung, Rollen, Berichte | 85 Personentage | 68.000 € |
| SchnittstellenEntwicklung | ERP, E-Mail, Single Sign-on | 18 Personentage | 14.400 € |
| Test und QualitätssicherungEntwicklung | Automatisierte Tests, Fachbereichstest | 28 Personentage | 22.400 € |
| ProjektmanagementEntwicklung | Abstimmung, Berichte, Releases | 22 Personentage | 17.600 € |
| Migration und RolloutEntwicklung | Altdaten übernehmen, Schulung | 10 Personentage | 8.000 € |
| Abnahme und DokumentationEntwicklung | Abnahmetests, Betriebshandbuch | 8 Personentage | 6.400 € |
| Zwischensumme Entwicklungbei 800 € je Personentag | Tagessatz als reine Rechengröße | 203 Personentage | 162.400 € |
| Risikopuffer15 Prozent | Unvorhergesehenes, Änderungen | auf die Zwischensumme | 24.360 € |
| Entwicklung gesamteinmalig | Zwischensumme plus Puffer | 186.760 € | |
| Eigenaufwandeinmalig | Fachbereich und IT, intern mit 500 € je Tag angesetzt | 30 Personentage | 15.000 € |
| Betrieb je Jahrab Go-live | Hosting und Monitoring 6.000 €, Wartung und Updates 24.000 €, Weiterentwicklung 40.000 €, Drittlizenzen 3.000 € | 30 plus 50 Personentage | 73.000 € |
| Betrieb über fünf Jahre5 mal 73.000 € | Gleichbleibende Annahme, ohne Preisanpassung | 400 Personentage | 365.000 € |
| Gesamtkosten über fünf JahreEntwicklung, Eigenaufwand, Betrieb | Anteil Betrieb und Weiterentwicklung: rund 64 Prozent | 566.760 € | |
| EmpfindlichkeitTagessatz 700 bis 900 € | Gleicher Aufwand, anderer Tagessatz | 503.415 bis 630.105 € |
Rechenbeispiel von Find-Your-Software, Stand 20.10.2026, ohne Umsatzsteuer, Finanzierung und Inflation. Offene Annahmen: tatsächliche Tagessätze Ihres Dienstleisters, Umfang der Weiterentwicklung (hier zwei Releases mit je 25 Personentagen im Jahr), Sicherheits- und Compliance-Anforderungen, Hostingbedarf. Der Entwicklungsanteil liegt in der Spanne einer mittleren Individuallösung (80.000 bis 250.000 Euro, Erfahrungswert von Find-Your-Software). Ob selbst geschaffene Software bilanziell aktiviert werden darf, regelt § 248 Abs. 2 HGB als Wahlrecht, die Umsetzung klärt Ihre Steuerberatung.
Inhouse, Dienstleister, Nearshore oder Offshore:
wer soll Ihre Software bauen?
Jede Variante verschiebt Kosten, Kontrolle und Rechtsfragen. Bitkom meldet für 2026 rund 79.000 offene Stellen für IT-Fachkräfte in Deutschland (Pressemitteilung vom 3. September 2026), der Aufbau eines eigenen Entwicklungsteams braucht deshalb Zeit. Eine Entscheidung nach Kriterien bietet die Seite Make or Buy in der IT, die laufende Steuerung von Dienstleistern beschreibt das Vendor Management.
| Modell | Passt, wenn | Kontrolle | Stärken | Risiken | Rechtlich beachten |
|---|---|---|---|---|---|
| Inhouse-Team | Software gehört zum Kern des Geschäfts und es gibt dauerhaften Entwicklungsbedarf | Hoch | Wissen bleibt im Haus, kurze Wege | Recruiting dauert, Klumpenrisiko bei wenigen Personen | Programme von Beschäftigten: Der Arbeitgeber ist grundsätzlich berechtigt (§ 69b UrhG) |
| Dienstleister im Inland | Sie brauchen Kapazität und Erfahrung für ein klar abgegrenztes Vorhaben | Mittel bis hoch | Gleiche Sprache, gleicher Rechtsraum, schneller Start | Höhere Tagessätze, Abhängigkeit vom Anbieter | Nutzungsrechte vertraglich regeln (§ 31 UrhG), Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO prüfen |
| Nearshore | Sie wollen Kosten senken und trotzdem ähnliche Arbeitszeiten | Mittel | Oft günstigere Tagessätze, Überschneidung der Arbeitszeiten | Sprache und Kultur, Abstimmungsaufwand, Fluktuation | Unterauftragnehmer vorab genehmigen lassen, Datenverarbeitung in der EU bevorzugen |
| Offshore | Große Teams für klar spezifizierte Arbeit, bei starker Dokumentation | Mittel bis niedrig | Große Kapazität, niedrige Tagessätze | Zeitverschiebung, hoher Dokumentations- und Steuerungsaufwand | Übermittlung in Drittländer nach Kapitel V DSGVO prüfen, Auftragnehmer für die Forschungszulage nur mit Geschäftsleitung in EU oder EWR (§ 2 Abs. 5 FZulG) |
| Freiberufler | Sie brauchen einzelne Rollen für begrenzte Zeit | Mittel bis hoch | Schnell und flexibel verfügbar | Ausfallrisiko, Wissen konzentriert sich auf eine Person | Erwerbsstatus klären: Das Anfrageverfahren bei der Rentenversicherung ist auch vor Beginn möglich (§ 7a SGB IV) |
Einschätzung von Find-Your-Software, Stand 20.10.2026. Aussagen zu Tagessätzen und Aufwand sind typische Tendenzen, keine Marktwerte. Quellen: Bitkom, DSK Kurzpapier Nr. 13, §§ 31 und 69b UrhG, § 7a SGB IV und § 2 FZulG auf gesetze-im-internet.de. Keine Rechtsberatung.
Sechs Kriterien,
an denen sich Dienstleister messen lassen.
Entscheiden Sie anhand prüfbarer Kriterien statt nach Sympathie oder niedrigstem Preis. Gewichten Sie die Kriterien, bevor Sie die Anfrage versenden, und bewerten Sie die Angebote in einer Nutzwertanalyse. Bewertungen und Schätzungen von Vergleichsportalen nutzen wir nicht.
Vergleichbare Projekte nachweisen
Fragen Sie nach zwei bis drei Projekten mit ähnlicher Größe, Technik und Branche und sprechen Sie mit den Auftraggebern, nicht nur mit dem Vertrieb.
- Ansprechpartner beim Kunden und Laufzeit des Projekts
- Wurden Termin und Budget eingehalten?
- Läuft die Software noch und wer betreibt sie?
Die Menschen, die tatsächlich arbeiten
Verlangen Sie Namen, Rollen und Erfahrung des vorgesehenen Teams und vereinbaren Sie, dass Schlüsselpersonen nur mit Ihrer Zustimmung wechseln.
- Projektleitung und Architektur vor Vertragsschluss kennenlernen
- Wie hoch ist die Fluktuation?
- Welche Rollen sind angestellt, welche Subunternehmer?
Aufwand nachvollziehbar zerlegt
Gute Anbieter zerlegen den Aufwand in Arbeitspakete, nennen Annahmen und Risiken und zeigen, wie sie mit Änderungen und Fehlern umgehen.
- Aufwand je Phase und Rolle
- Umgang mit Änderungen und Fehlern
- Qualitätssicherung: Tests, Code Reviews, Definition of Done
Sicherer Software-Lebenszyklus
Fragen Sie, wie Sicherheit in Entwicklung und Betrieb verankert ist. Das BSI beschreibt Anforderungen an sichere Softwareentwicklung in der Technischen Richtlinie TR-03185. Ein Zertifikat kann ein Nachweis sein, ersetzt aber nicht die Prüfung Ihrer eigenen Anforderungen.
- Umgang mit Schwachstellen und Sicherheitsupdates
- Rollen- und Berechtigungskonzept, Protokollierung
- Verwaltung von Fremdkomponenten und Lizenzen
Auftragsverarbeitung klären
Greift der Dienstleister auf personenbezogene Daten zu, etwa in Test- oder Betriebsumgebungen, liegt in der Regel Auftragsverarbeitung vor. Die Datenschutzkonferenz beschreibt, dass dafür ein Vertrag nach Art. 28 DSGVO nötig ist und Unterauftragnehmer vorab genehmigt werden müssen.
- Standort von Entwicklung, Hosting und Support
- Liste der Unterauftragnehmer
- Technische und organisatorische Maßnahmen
Kommunikation, Ausstieg, Gesamtkosten
Der niedrigste Preis ist selten der günstigste. Prüfen Sie Erreichbarkeit, Sprache und Berichtswesen und achten Sie darauf, wie sich der Dienstleister bei Meinungsverschiedenheiten verhält. Ein Anbieter, der Übergabe und Dokumentation offen anbietet, macht sich bewusst ersetzbar.
- Gesamtkosten über fünf Jahre statt nur Entwicklung
- Übergabe, Dokumentation und Ausstieg im Angebot
- Größe und wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens
Quellen: BSI TR-03185, DSK Kurzpapier Nr. 13, Stand 20.10.2026. Einschätzung von Find-Your-Software.
Was in den Vertrag gehört:
Nutzungsrechte, Quellcode, Wartung und SLA.
Ein Entwicklungsvertrag ist mehr als Preis und Termin. Lassen Sie ihn von einer auf IT-Recht spezialisierten Kanzlei prüfen, die Hinweise unten ersetzen keine Rechtsberatung. Wie sich Verträge mit Checklisten prüfen lassen, zeigt das Selection Portal bei Softwarevertrag prüfen.
Wer darf die Software wie nutzen?
Programme sind urheberrechtlich geschützt, ausdrücklich auch das Entwurfsmaterial (§ 69a UrhG). Der Dienstleister bleibt Urheber, Sie erhalten Nutzungsrechte. Sind die Nutzungsarten nicht einzeln bezeichnet, bestimmt der Vertragszweck ihren Umfang (§ 31 Abs. 5 UrhG). Nennen Sie deshalb Umfang, Dauer, Ausschließlichkeit und Weitergabe ausdrücklich.
- Ausschließlich oder einfach, zeitlich und räumlich unbeschränkt?
- Bearbeitung und Weiterentwicklung durch Dritte erlaubt?
- Vorarbeiten und Bibliotheken des Dienstleisters gesondert regeln
Ohne Quellcode kein Wechsel
Das Gesetz nennt den Quellcode in § 69d UrhG nicht ausdrücklich, deshalb sollten Sie die Übergabe vereinbaren. Verlangen Sie den Quellcode bei der Abnahme und bei jedem Release, dazu Architektur-, Betriebs- und Installationsdokumentation. Eine Hinterlegung bei einem Treuhänder (Escrow) kann für den Fall absichern, dass der Dienstleister ausfällt.
- Repository im Eigentum des Auftraggebers oder regelmäßige Übergabe
- Liste der Fremd- und Open-Source-Komponenten mit Lizenzen
- Dokumentation als Bestandteil der Abnahme
Maßstab ist die vereinbarte Beschaffenheit
Legen Sie Abnahmekriterien und Testverfahren im Vertrag fest. Bei einem Werkvertrag schuldet der Unternehmer ein mangelfreies Werk (§ 633 BGB), maßgeblich ist zuerst die vereinbarte Beschaffenheit. Mängelansprüche verjähren je nach Einordnung nach zwei Jahren (§ 634a Abs. 1 Nr. 1 BGB) oder nach der regelmäßigen Frist von drei Jahren (§ 195 BGB). Vereinbaren Sie die Frist ausdrücklich.
- Vereinbarte Beschaffenheit statt Interpretation
- Mängelklassen mit Fristen zur Behebung
- Fiktive Abnahme nach § 640 BGB im Blick behalten
Wartung messbar machen
Eine Service-Level-Vereinbarung (SLA) macht Wartung überprüfbar. Unterscheiden Sie Reaktionszeit und Behebungszeit, definieren Sie Prioritätsklassen für Störungen, Servicezeiten und gegebenenfalls Verfügbarkeit. Legen Sie fest, was zur Wartung zählt (Fehlerbehebung, Sicherheitsupdates, Anpassung an neue Versionen von Betriebssystem und Bibliotheken) und was Weiterentwicklung ist.
- Prioritätsklassen, Reaktions- und Behebungszeiten
- Pauschale für Wartung, Tagessatz für Weiterentwicklung
- Folgen bei Verfehlung, zum Beispiel Gutschriften
Haftung, Geheimhaltung, Verarbeitung
Regeln Sie Haftungsgrenzen, Geheimhaltung und Datenschutz. Vorformulierte Klauseln unterliegen der AGB-Kontrolle, unangemessene Benachteiligungen sind unwirksam (§ 307 BGB). Prüfen Sie, ob der Dienstleister mit personenbezogenen Daten arbeitet, und schließen Sie dann einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung.
- Haftungsgrenzen im Verhältnis zum Projektwert
- Vertraulichkeit für Mitarbeitende und Unterauftragnehmer
- Vertrag nach Art. 28 DSGVO und Standort der Verarbeitung
Den Wechsel vorab regeln
Bei Werkverträgen kann der Besteller bis zur Vollendung jederzeit kündigen. Der Unternehmer erhält die vereinbarte Vergütung abzüglich ersparter Aufwendungen, vermutet werden 5 Prozent der Vergütung für den noch nicht erbrachten Teil (§ 648 BGB). Dauerschuldverhältnisse wie Wartung lassen sich aus wichtigem Grund beenden (§ 314 BGB). Vereinbaren Sie zusätzlich Hilfe bei der Übergabe an einen Nachfolger.
- Kündigungsfristen für Wartung und Betrieb
- Unterstützung bei der Übergabe zu festen Konditionen
- Herausgabe aller Daten und Zugänge
Quellen: §§ 31, 69a, 69b und 69d UrhG sowie §§ 195, 307, 314, 633, 634a, 640 und 648 BGB auf gesetze-im-internet.de, Stand 20.10.2026. Einschätzung von Find-Your-Software, keine Rechtsberatung.
Die Beauftragung vorbereiten
mit dem Selection Portal.
Find-Your-Software ist ein Werkzeug für die Softwareauswahl: Es sammelt Anforderungen, erstellt eine begründete Shortlist, unterstützt Demos und Verträge und hält alle Unterlagen eines Projekts an einem Ort. Die Funktionen sind für die Auswahl von Software gebaut. Für die Beauftragung von Individualentwicklung nutzen Sie sie als Vorbereitung: Sie prüfen, ob ein Standardprodukt genügt, und halten Anforderungen und Entscheidungen strukturiert fest.
Passt ein Standardprodukt?
- Die Matching Engine leitet Ihre Anforderungen ab und gleicht sie mit Tausenden Systemen ab.
- Aus einer URL entsteht in rund sechs Minuten eine Vorauswahl.
- So klären Sie, ob eine Beauftragung überhaupt nötig ist.
Anforderungen strukturiert erfassen
- Im Anforderungsmanager hat jede Anforderung Quelle, Priorität und Verantwortlichen.
- Muss, Soll und Kann sind auf einen Blick sichtbar, K.O.-Kriterien sind markiert.
- Die Struktur dient als Grundlage für Ihr Lastenheft.
Vertragsprüfung mit Checklisten
- Im Vertrags-Workspace legen Sie Checklisten an und ordnen Textstellen Prüfpunkten zu, mehr unter Softwarevertrag prüfen.
- Eine KI-Vertragsanalyse prüft das PDF auf Anfrage gegen Ihre Checkliste, als Hinweis, nicht als Ergebnis.
- Sie ersetzt keine juristische Beratung.
Entscheidungen dokumentieren
- Kommentare stehen je Anforderung mit Autor und Datum, Anbieterantworten mit Kommentar und Aufwand.
- Halten Sie zusätzlich schriftlich fest, warum Sie sich für Individualentwicklung entschieden haben.
- Einen Überblick bietet das Selection Portal.
Wie sich Ihr Vorhaben im Portal abbilden lässt, besprechen wir im Erstgespräch.
Wann Sie doch
Standardsoftware wählen sollten.
Nicht jedes Vorhaben braucht eine Individualentwicklung. Wenn ein erprobtes Produkt den größten Teil der Anforderungen erfüllt, sparen Sie Zeit, Risiko und Wartungsaufwand. Oft ist ein hybrider Weg stark: Standard einsetzen und nur das Differenzierende selbst bauen. Die vollständige Entscheidungshilfe finden Sie bei Standardsoftware vs. Individualsoftware, hier die Kurzfassung für die Beauftragung.
Dann zuerst Standardsoftware prüfen
- Der Prozess ist branchenüblich und gut standardisierbar
- Der Bereich liegt abseits Ihres Kerngeschäfts
- Sie brauchen einen schnellen Start und planbare Kosten
- Interne IT-Kapazität für Betrieb und Wartung ist knapp
- Ein erprobtes Produkt deckt die Muss-Anforderungen ab
Dann ist die Beauftragung plausibel
- Der Prozess unterscheidet Sie vom Wettbewerb
- Kein Produkt bildet die Muss-Anforderungen sauber ab
- Datenhoheit und Unabhängigkeit sind zentral
- Viele Systeme müssen eng verzahnt werden
- Sie können Betrieb und Weiterentwicklung dauerhaft finanzieren
Einschätzung von Find-Your-Software, Stand 20.10.2026. Begriffe und Kategorien erklärt Was ist Standardsoftware.
Was wir hier bewusst
nicht wiederholen.
Es geht um das Beauftragen und Umsetzen. Für angrenzende Fragen gibt es eigene Beiträge.
Was ist Individualsoftware?
- Individualsoftware: Definition, Kosten und Entscheidungskriterien erklärt Begriff, Varianten und Kostenstufen.
- Dort steht auch, wann sich Individualentwicklung lohnt.
Standard oder individuell?
- Standardsoftware vs. Individualsoftware vergleicht beide Wege Kriterium für Kriterium.
- Dort finden Sie Risiken, TCO und Entscheidungshilfe.
Selbst entwickeln oder einkaufen?
- Make or Buy in der IT zeigt, wie Sie die Entscheidung je Anforderung strukturieren.
- Weitere Sourcing-Modelle beschreibt der IT-Sourcing-Hub.
Häufige Fragen
direkt beantwortet.
Was bedeutet „Individualsoftware entwickeln lassen“?
Es bedeutet, dass ein externer Dienstleister eine Software exklusiv nach Ihren Anforderungen entwickelt und Sie dafür Nutzungsrechte erhalten. Im Unterschied zur Eigenentwicklung beauftragen Sie ein Unternehmen, im Unterschied zu Standardsoftware entsteht die Lösung für Ihre Prozesse. Der Weg reicht vom Lastenheft über Ausschreibung und Entwicklung bis zu Abnahme und Betrieb. Was Individualsoftware ist, erklärt unser Ratgeber zur Definition.
Wie lange dauert es, Individualsoftware entwickeln zu lassen?
Die Entwicklung einer mittleren Fachanwendung dauert nach den Erfahrungswerten von Find-Your-Software fünf bis neun Monate, ein Prototyp sechs bis zehn Wochen. Davor liegen Bedarfsklärung, Lastenheft, Ausschreibung und Vertrag, die zusammen mehrere Monate brauchen können. Konzernprojekte und Vergabeverfahren öffentlicher Auftraggeber dauern länger. Planen Sie nach dem Go-live Zeit für Nachbesserungen und Schulung ein.
Was kostet es, Individualsoftware entwickeln zu lassen?
Für die Entwicklung nennen die Erfahrungswerte von Find-Your-Software 15.000 bis 30.000 Euro für einen Prototyp, 30.000 bis 80.000 Euro für eine kleine Fachanwendung und 80.000 bis 250.000 Euro für eine mittlere Individuallösung, bei Enterprise-Vorhaben ab 250.000 Euro. Hinzu kommen Betrieb und Weiterentwicklung, im Rechenbeispiel dieser Seite rund 64 Prozent der Gesamtkosten über fünf Jahre. Verbindliche Preise liefert nur ein Angebot.
Festpreis oder Abrechnung nach Aufwand: was ist besser?
Ein Festpreis ist besser, wenn sich der Umfang vorab genau beschreiben lässt, die Abrechnung nach Aufwand, wenn sich Anforderungen im Projekt ändern. Beim Festpreis trägt der Dienstleister das Mengenrisiko und kalkuliert einen Aufschlag, bei Aufwand trägt es der Auftraggeber. Bewährt hat sich oft ein hybrides Modell: Konzept zum Festpreis, danach ein Budgetrahmen mit agiler Umsetzung. Entscheidend ist, dass Obergrenze und Kündigungsregeln im Vertrag stehen.
Wem gehört der Quellcode einer beauftragten Software?
Das hängt vom Vertrag ab: Der Dienstleister bleibt Urheber, Sie erhalten die vereinbarten Nutzungsrechte. Sind die Nutzungsarten nicht einzeln bezeichnet, bestimmt der Vertragszweck den Umfang (§ 31 Abs. 5 UrhG). Programme, die Beschäftigte in Wahrnehmung ihrer Aufgaben schaffen, stehen dagegen grundsätzlich dem Arbeitgeber zu (§ 69b UrhG). Vereinbaren Sie deshalb Nutzungsrechte, Bearbeitungsrecht und die Übergabe des Quellcodes ausdrücklich.
Wie finde ich einen seriösen Dienstleister für Individualsoftware?
Prüfen Sie Referenzen mit Rückfrage beim Auftraggeber, lernen Sie das vorgesehene Team vor Vertragsschluss kennen und lassen Sie sich die Schätzung in Arbeitspakete aufschlüsseln. Fragen Sie nach Sicherheitsprozessen, als Orientierung dient die BSI-Richtlinie TR-03185, und nach Unterauftragnehmern. Holen Sie drei bis fünf Angebote in gleicher Struktur ein und bewerten Sie sie in einer Nutzwertanalyse, nicht allein nach dem Preis.
Lohnt sich Nearshore oder Offshore?
Das kann sich lohnen, spart aber nicht automatisch Gesamtkosten, weil Abstimmung, Zeitverschiebung und Qualitätssicherung zusätzlichen Aufwand erzeugen. Nearshore bietet meist ähnliche Arbeitszeiten, Offshore größere Kapazität bei höherem Steuerungsaufwand. Rechtlich zählen Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO, genehmigte Unterauftragnehmer und bei Drittländern die Regeln aus Kapitel V DSGVO. Vergleichen Sie Angebote über die Gesamtkosten, nicht über den Tagessatz.
Wann ist die Software abgenommen?
Abgenommen ist sie, wenn Sie das Werk als im Wesentlichen vertragsgemäß annehmen, oder wenn die Abnahme als erfolgt gilt. Setzt der Unternehmer nach Fertigstellung eine angemessene Frist und verweigern Sie nicht innerhalb dieser Frist unter Angabe eines Mangels die Abnahme, gilt das Werk als abgenommen (§ 640 BGB). Wegen unwesentlicher Mängel dürfen Sie die Abnahme nicht verweigern, bekannte Mängel behalten Sie sich bei der Abnahme vor.
Was gehört in eine Service-Level-Vereinbarung für Wartung?
In ein SLA gehören Servicezeiten, Prioritätsklassen für Störungen, Reaktions- und Behebungszeiten, gegebenenfalls Verfügbarkeit und die Folgen bei Verfehlung. Legen Sie außerdem fest, was Wartung ist (Fehlerbehebung, Sicherheitsupdates, Anpassung an neue Versionen) und was als Weiterentwicklung gesondert vergütet wird. Wichtig ist, dass jede Zusage messbar ist und Sie die Messung nachvollziehen können.
Gibt es eine Förderung für individuell entwickelte Software?
Eine pauschale Förderung gibt es nicht, in Frage kommt die steuerliche Forschungszulage, wenn das Vorhaben Forschung und Entwicklung im Sinne des Gesetzes ist. Voraussetzung ist eine Bescheinigung nach § 6 FZulG. Bei Auftragsforschung zählen 70 Prozent des Entgelts zur Bemessungsgrundlage (§ 3 Abs. 4), der Auftragnehmer muss seine Geschäftsleitung in der EU oder im EWR haben (§ 2 Abs. 5). Die Anpassung bekannter Technik ist meist nicht begünstigt, Ihre Steuerberatung prüft den Einzelfall.
Wie vermeide ich die Abhängigkeit von einem Dienstleister?
Sie vermeiden sie durch Übergabe des Quellcodes, vollständige Dokumentation, ein Repository in Ihrer Hand, das Recht zur Bearbeitung durch Dritte und vertraglich geregelte Ausstiegsunterstützung. Eine Hinterlegung bei einem Treuhänder (Escrow) sichert den Ausfall des Dienstleisters ab. Sorgen Sie außerdem dafür, dass mindestens zwei Personen in Ihrem Unternehmen die Architektur verstehen und Zugänge nicht nur beim Dienstleister liegen.
Wann sollte ich stattdessen Standardsoftware einsetzen?
Standardsoftware ist die bessere Wahl, wenn der Prozess branchenüblich ist, ein erprobtes Produkt die Muss-Anforderungen weitgehend abdeckt und Sie schnell starten wollen. Prüfen Sie das, bevor Sie ein Lastenheft für Dienstleister schreiben. Die Matching Engine liefert dafür in rund sechs Minuten eine Vorauswahl, die Entscheidungshilfe zu Standard oder Individual hilft bei der Abwägung.
Erst prüfen,
dann beauftragen.
Bevor Sie ein Lastenheft schreiben und Angebote einholen, lohnt sich der Blick darauf, ob ein Standardprodukt Ihre Anforderungen abdeckt. Die Matching Engine liefert in rund sechs Minuten eine Vorauswahl, das Selection Portal begleitet Anforderungen, Demos und Vertrag.