OTEC ERP von Media Soft: das Branchensystem für Oberflächenveredelung und Lohnbeschichtung
OTEC ist ein eigenständig entwickeltes ERP-System (Enterprise-Resource-Planning-System) des saarländischen Herstellers Media Soft Software Technology GmbH, ausgerichtet auf mittelständische Betriebe der Oberflächenveredelung, Galvanik und Lohnbeschichtung. Laut Anbieterangabe (Stand 2026) setzen mehr als 200 Unternehmen in Deutschland und Europa auf OTEC, um verfahrensorientierte Prozesse wie Chargenverfolgung, Rezepturdokumentation und Kundenmaterial-Abrechnung abzubilden, die generische Standard-ERP-Systeme nicht vorsehen.
Was OTEC ist und für wen es gebaut wurde
OTEC ist keine Branchenerweiterung eines Standard-ERP, sondern ein von Media Soft komplett inhouse entwickeltes System, laut Hersteller ohne Fremdmodule oder Drittanbieter-Schnittstellen im Kern.
Media Soft positioniert OTEC bewusst gegen "artikelfokussierte" Standard-ERP-Systeme, die Fertigung anhand von Stücklisten und Artikelnummern planen. Betriebe der Oberflächenveredelung arbeiten dagegen "verfahrensorientiert": Sie erhalten Teile, die bereits existieren und einem Kunden gehören, und wenden darauf eine Folge chemischer oder physikalischer Prozessschritte an. Dieser Unterschied ist laut Anbieter der Grund, warum OTEC von Grund auf für die Branche entwickelt wurde, anstatt ein bestehendes ERP-System nachträglich anzupassen.
Zielgruppe sind kleine und mittlere Betriebe der Galvanik (elektrochemische Beschichtung mit Zink, Nickel, Chrom, Gold oder Silber), der Eloxaltechnik, der Pulverbeschichtung und verwandter Oberflächenverfahren, die überwiegend im Lohnauftrag für Dritte arbeiten. Nach eigenen Angaben deckt Media Soft damit mehr als 15 Spezialbereiche innerhalb der Oberflächentechnik ab.
| Technisches Merkmal | Angabe laut Media Soft |
|---|---|
| Datenbank | Microsoft SQL Server |
| Oberfläche | Windows-basiert, mehrsprachig |
| Architektur | Modular, mandantenfähig (mehrere Standorte oder Gesellschaften getrennt abbildbar) |
| Bereitstellung | On-Premises-Installation oder cloudfähig |
| Mobile Anwendung | Android-App "OTEC SMART" |
| Fremdmodule | Laut Anbieter keine, vollständig inhouse entwickelt |
Warum Oberflächenveredelung und Lohnbeschichtung ein eigenes ERP brauchen
Wer nicht aus der Branche kommt, unterschätzt leicht, wie sehr sich Lohnbeschichtungsbetriebe von klassischer Fertigung unterscheiden. Diese Grundlagen helfen, die Modulentscheidungen von OTEC einzuordnen.
Oberflächenveredelung (auch Oberflächentechnik) umfasst alle Verfahren, mit denen Metall- oder Kunststoffteile eine schützende oder funktionale Beschichtung erhalten. Dazu zählen die Galvanik (elektrochemisches Abscheiden von Zink, Nickel, Chrom, Gold oder Silber), das Eloxieren beziehungsweise Eloxal-Verfahren (elektrolytische Oxidation, vor allem bei Aluminium), die Pulverbeschichtung, die kathodische Tauchlackierung (KTL, auch Nasslack genannt) sowie PVD-Verfahren (physikalische Gasphasenabscheidung), Klebebeschichtung, Nanobeschichtung und thermisches Spritzen.
Der überwiegende Teil dieser Betriebe arbeitet im Modell der Lohnbeschichtung, auch Lohnveredelung oder Lohnfertigung genannt: Der Veredelungsbetrieb besitzt die zu bearbeitenden Teile nicht selbst. Kunden liefern rohe oder vorgefertigte Metallteile an, der Betrieb beschichtet oder behandelt sie chemisch und schickt sie zurück. Abgerechnet wird nicht pro verkauftem Stück, sondern pro bearbeitetem Teil, Kilogramm oder Quadratmeter.
Für ein Standard-ERP ist dieses Modell schwer abzubilden. Es braucht eine lückenlose Verfolgung von Kundenmaterial, das rechtlich und haftungstechnisch nicht dem eigenen Lager gehört, eine Chargen- und Gestellverfolgung durch eine Abfolge chemischer Bäder, die Dokumentation von Prozessparametern wie Stromdichte, Spannung und Behandlungsdauer bei der Galvanik oder Temperatur- und Einbrennprofilen bei der Pulverbeschichtung, Prüfzertifikate je Charge für regulierte Abnehmer aus Luftfahrt, Automobilindustrie, Medizintechnik oder Wehrtechnik, sowie kurze und schwer planbare Durchlaufzeiten, weil der Betrieb auf angeliefertes Material reagiert, statt eigene Produktion vorzuplanen.
Media Soft Software Technology GmbH: Firmenprofil
Wer eine ERP-Entscheidung trifft, bindet sich an einen Hersteller für viele Jahre. Diese Fakten zu Media Soft helfen bei der Einordnung.
Media Soft Software Technology GmbH ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen mit Sitz in der Bahnhofstraße 48, 66636 Tholey im Saarland, eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Saarbrücken unter HRB 81398. Geschäftsführer ist Ralf Fleck, Prokuristin und Verantwortliche für das Qualitätsmanagement ist Susanne F. Graf (im Handelsregister als Susanne Fleck-Graf geführt), den Vertrieb leitet Nicholas Fleck. Der gemeinsame Familienname der drei Führungspersonen deutet auf ein Familienunternehmen hin, eine übergeordnete Holding oder Konzernmutter konnte im Rahmen dieser Recherche nicht ermittelt werden.
Media Soft nennt auf der eigenen Website 1993 als Gründungsjahr des Unternehmens. Im Handelsregister erscheint die GmbH jedoch erst 2004. Beide Angaben schließen sich nicht zwingend aus: Es ist plausibel, dass das Unternehmen zwischen 1993 und 2004 in einer anderen Rechtsform, etwa als Einzelunternehmen oder GbR, tätig war, bevor es 2004 in eine GmbH überführt wurde. Eine offizielle Erklärung für diese Differenz liefert Media Soft nicht.
Zur Mitarbeiterzahl macht Media Soft selbst keine öffentliche Angabe. Das Branchenverzeichnis softguide.de nennt, Stand nicht datiert und möglicherweise veraltet, 16 Mitarbeitende. Diese Zahl stammt von Dritten und ist durch Media Soft nicht bestätigt.
Media Soft ist als Unternehmen nach ISO 9001:2015 zertifiziert, laut eigener Pressemitteilung zuletzt im September 2025 rezertifiziert. Eine erste ISO-9001-Zertifizierung (Version 2008) erfolgte laut Firmenhistorie bereits im November 2009 durch SGS-TÜV Saar, nach eigener Aussage einer der ersten deutschen Softwarehersteller mit diesem Nachweis. Zusätzlich führt Media Soft ein Siegel "Software Made in Germany", das vermutlich vom Bundesverband IT-Mittelstand (BITMi) vergeben wird; eine explizite Bestätigung dieser Vergabestelle durch Media Soft selbst liegt nicht vor.
Gründung des Unternehmens
Laut Anbieterangabe, GmbH-Eintrag im Handelsregister erfolgte erst 2004.
Erste ERP-Module für die Galvanik
Beginn der Branchenspezialisierung auf elektrochemische Beschichtungsverfahren.
Branchenlösung für Eloxal und Pulverbeschichtung
Erweiterung des Systems auf weitere Oberflächenverfahren.
Erste ISO-9001-Zertifizierung (Version 2008)
Zertifizierung im November 2009 durch SGS-TÜV Saar.
Modularisierung und Mandantenfähigkeit
Umbau des Systems in getrennt nutzbare Module, mehrere Mandanten möglich.
Neues Firmengebäude
Bezug eines neuen Unternehmenssitzes in Tholey.
Erweiterung für IATF und Nadcap
Dokumentationsfunktionen für Automobil- und Luftfahrtzulieferer.
Zertifizierung nach ISO 9001:2015
Umstellung auf die aktuelle Norm-Revision.
Entwicklung KI-gestützter Funktionen
Laut Anbieter Start der Arbeiten an KI-gestützten Erweiterungen, unter anderem Vorstufe zu OTEC S2O.
Veröffentlichung von "OTEC Impulse"
Neue Version mit überarbeiteter Benutzeroberfläche.
| Kontaktdaten | Angabe |
|---|---|
| Anschrift | Bahnhofstraße 48, 66636 Tholey, Saarland |
| Handelsregister | HRB 81398, Amtsgericht Saarbrücken |
| Telefon | +49 6853 5011-0 |
| Support-Hotline | +49 6853 5011-20 |
| info@media-soft.com | |
| Website | media-soft.com/unternehmen (Deutsch, Englisch, Französisch) |
Die Module von OTEC im Überblick
OTEC gliedert sich in ein kaufmännisches Kernsystem, drei eng verzahnte Planungs- und Erfassungsmodule sowie eine Reihe optionaler Zusatzmodule, die Media Soft "Assistants" nennt.
OTEC BaSys
Das kaufmännische und organisatorische Rückgrat von OTEC.
- Stammdaten, Angebots- und Auftragsabwicklung
- Automatisierte Auftragskalkulation und Rechnungsstellung
- Lagerhaltung und Einkauf mit automatischen Nachbestellvorschlägen
- Gestell- und Chargenverwaltung
- Standard- und artikelspezifische Arbeitspläne mit Varianten und Foto je Arbeitsschritt
- Vor- und Nachkalkulation, Qualitätsmanagement mit Prüfzertifikaten, DATEV-Schnittstelle
OTEC BDE
Stationäre und mobile Terminals erfassen Prozessdaten direkt an der Anlage.
- Prozessdatenerfassung je Arbeitsschritt
- Foto-Dokumentation an der Anlage
- Wareneingang und Warenausgang
- Materialerfassung und Waagenanbindung
- QM-Erfassung direkt am Terminal
OTEC Planning
Auftrags-, Kapazitäts-, Anlagen- und Verfahrensplanung in einem Modul.
- Auftragsplanung
- Kapazitätsplanung
- Anlagenplanung
- Verfahrensplanung
OTEC Digital Plan
Feinplanung mit Auftragssteuerung, Terminüberwachung und Gestellplanung.
- Feinplanung und Auftragssteuerung
- Terminüberwachung
- Gestellplanung
- Echtzeit-Rückmeldung aus der Fertigung, in Kombination mit OTEC BDE
Die Assistants: optionale Erweiterungen
OTEC DMS
Dokumentenmanagement mit automatischem Scannen und OCR-Texterkennung für eingehende Belege.
OTEC SMART
Android-App: Fotodokumentation an Artikel oder Gestell, Wareneingang/-ausgang, Inventur, Lieferscheine, QM-Dokumente.
OTEC C&C
Kundenbeziehungsmanagement kombiniert mit Business-Intelligence-Auswertungen und KPI-Dashboards.
OTEC S2O (Scan to Order)
KI-gestütztes Einlesen eingehender Bestellungen und Lieferscheine, reduziert manuelle Erfassung.
OTEC NORM
Normenverwaltung und Arbeitsanweisungen, unterstützt die Dokumentation für Kunden-Audits.
OTEC e-RIN / e-ROUT
Ein- und Ausgang elektronischer Rechnungen gemäß den Formaten für die deutsche E-Rechnungspflicht.
Systemweit stellt OTEC außerdem eine Benutzer- und Rechteverwaltung, Mehrmandanten- und Mehrsprachenfähigkeit, einen integrierten Kalender sowie KPI-Dashboards bereit. Für spezielle Anforderungen der Branche kommen weitere Module hinzu: Gefahrstoffmanagement mit Sicherheitsdatenblättern, eine Schnittstelle zum Paketdienstleister UPS, eine Anbindung an Schichtdicken-Messgeräte des Herstellers Fischer sowie MES- beziehungsweise Maschinendaten-Integration und Waagenanbindung. Details zu Funktionen listet Media Soft auf der eigenen Modul- und Funktionsübersicht.
Integrationen und Schnittstellen von OTEC
OTEC versteht sich laut Anbieter als alleiniges führendes System (Single Source of Truth) und bindet keine anderen ERP- oder Warenwirtschaftssysteme wie SAP oder Microsoft Dynamics ein. Stattdessen bringt es eine Reihe branchentypischer und kaufmännischer Schnittstellen mit.
- DATEV: Standardschnittstelle für die Finanzbuchhaltung, laut Anbieter fest im Kernsystem integriert.
- EDI / EDIFACT: elektronischer Datenaustausch mit Kunden, Maschinen, Messgeräten und Telefonanlagen (TAPI-Anbindung).
- CAMT: Schnittstelle zum Zahlungsverkehr über gängige Bankensoftware.
- UPS: Anbindung an den Paketdienstleister UPS für Versandprozesse.
- Fischer-Messgeräte: Schnittstelle zu Schichtdicken-Messgeräten des Herstellers Fischer, eines bekannten Anbieters von Beschichtungsmessgeräten.
- e-RIN / e-ROUT: Ein- und Ausgang elektronischer Rechnungen (E-Rechnung).
- MES- und Maschinendatenanbindung: Anbindung von Fertigungsanlagen zur automatisierten Prozessdatenerfassung.
- Waagenintegration: direkte Anbindung von Waagen für gewichtsbasierte Abrechnung, wie sie in der Lohnbeschichtung üblich ist.
Compliance und Normen-Unterstützung: was OTEC leistet, und was nicht
Wichtig ist hier eine klare Unterscheidung, die Media Soft selbst auch so kommuniziert: Media Soft als Unternehmen ist zertifiziert. OTEC als Software ist es in den branchenspezifischen Normen nicht, das sind Zertifizierungen für die Betriebe, die diese Standards gegenüber ihren Endkunden nachweisen müssen, nicht für den Softwarehersteller.
OTEC wird von Media Soft als Werkzeug beworben, das Kunden dabei unterstützt, die für Luftfahrt-, Automobil-, Medizin- oder Wehrtechnik-Lieferketten geforderte Dokumentation und Rückverfolgbarkeit zu erbringen, etwa durch Chargenprotokolle, Prüfzertifikate und Prozessparameter-Historien. Ob ein Betrieb damit tatsächlich zertifizierungsfähig ist, hängt von der eigenen Umsetzung ab, nicht allein von der eingesetzten Software.
ISO 9001:2015
Media Soft selbst ist zertifiziert, laut eigener Meldung zuletzt im September 2025 rezertifiziert. Betrifft die Qualitätsmanagement-Prozesse des Herstellers, nicht die Software OTEC selbst.
IATF 16949
OTEC bildet laut Anbieter seit 2017 die für IATF-16949-konforme Lieferketten in der Automobilzulieferung benötigten Rückverfolgbarkeitsdaten ab. Zertifiziert wird der Betrieb, nicht die Software.
Nadcap
Ähnliches gilt für Nadcap-Anforderungen in der Luft- und Raumfahrtzulieferung: OTEC unterstützt die geforderte Prozessdokumentation, eine eigene Nadcap-Zertifizierung von Media Soft existiert nicht.
ISO 14001
OTEC wird laut Anbieter auch zur Dokumentation für ISO-14001-Umweltmanagementsysteme bei Kunden eingesetzt, wiederum als Werkzeug, nicht als eigene Zertifizierung des Herstellers.
VDA-Anforderungen
Ergänzend unterstützt OTEC laut Anbieter Dokumentationsformate, wie sie der Verband der Automobilindustrie (VDA) von Zulieferbetrieben verlangt.
"Software Made in Germany"
Media Soft führt dieses Siegel, vermutlich vergeben vom Bundesverband IT-Mittelstand (BITMi). Eine explizite Bestätigung der Vergabestelle durch Media Soft liegt nicht vor.
Was Kunden über OTEC berichten
Auf der eigenen Website nennt Media Soft unter anderem folgende Referenzkunden: AGRU Kunststofftechnik, AST Surface Technologies, Brautmeier GmbH, Dörfler und Schmidt, KAP Surface Technologies (KAP Surface Holding GmbH), Kammin Metallverarbeitung/Metallveredelung, Mattik Oberflächentechnik, Rockenstein GmbH und TK Oberfläche.
Hebt in einer auf der Media-Soft-Website veröffentlichten Kundenreferenz vor allem die automatische Zuordnung eingehender Dokumente zu Aufträgen hervor, dazu die Anbindung von Mess- und Mikroskop-Geräten im Labor sowie die durchgängige Abdeckung des Qualitätsmanagements durch OTEC.
Beschreibt in einer Referenz auf der Media-Soft-Website eine reibungslose Einführung (Go-live) des Systems im eigenen Betrieb.
Hebt laut veröffentlichtem Kundenzitat hervor, dass OTEC bereits im Auslieferungszustand gut zu den Prozessen der Oberflächentechnik passt und der Support schnell auf Anfragen reagiert.
Betont in einem Referenzzitat die Zuverlässigkeit von OTEC und die tiefe Integration in die eigenen Fertigungsprozesse über mehrere Softwareversionen hinweg.
Was OTEC kostet
Media Soft veröffentlicht keine Preisliste für OTEC. Auf der eigenen Website beantwortet der Hersteller die Frage "Was kostet das?" wörtlich sinngemäß damit, dass ein transparentes Angebot auf Basis der individuellen Prozesslandkarte und einer speziell entwickelten Usermatrix erstellt werde. Ein pauschaler Preis pro Nutzer oder Modul lässt sich damit von außen nicht seriös beziffern, jede belastbare Aussage zu Investitionskosten erfordert ein konkretes Angebotsgespräch.
Für Betriebe, die die Investition bilanzneutral gestalten möchten, bietet Media Soft in Kooperation mit einem Leasingpartner namens MMV Finanzierungsmodelle an, darunter Leasing mit Kaufoption und Sale-and-Lease-Back-Konstruktionen mit Laufzeiten zwischen 24 und 60 Monaten. Laut Anbieter lassen sich diese Modelle mit deutschen Förderprogrammen wie Go-digital, der Digitalprämie oder Invest BW kombinieren, wobei die tatsächliche Förderfähigkeit im Einzelfall und je nach Bundesland zu prüfen ist.
| Kostenfaktor | Angabe |
|---|---|
| Lizenzmodell | Individuelles Angebot, keine öffentliche Preisliste |
| Preistreiber laut Anbieter | Prozesslandkarte des Kunden und "Usermatrix" (Nutzeranzahl und Rollen) |
| Einführungsdauer | 6 bis 36 Wochen, je nach Modulumfang |
| Finanzierung | Leasing über Partner "MMV", 24 bis 60 Monate Laufzeit, Kaufoption oder Sale-and-Lease-Back |
| Förderfähigkeit | Möglich über Go-digital, Digitalprämie oder Invest BW, regional und anlassbezogen zu prüfen |
Einführung und Projektlaufzeit
Nach Angaben von Media Soft dauert eine Einführung je nach Modulumfang zwischen 6 und 36 Wochen. Ein reines BaSys-Grundsystem für einen einzelnen Standort lässt sich tendenziell am unteren Ende dieser Spanne einführen, ein mehrmandantenfähiges Projekt mit BDE-Terminals, Planungsmodulen und mehreren Schnittstellen eher am oberen Ende.
Prozessaufnahme
Analyse der bestehenden Prozesslandkarte, Bäder, Verfahrensschritte und Schnittstellenanforderungen.
Angebot und Usermatrix
Media Soft erstellt auf Basis der Aufnahme ein individuelles Angebot inklusive Nutzeranzahl und Modulumfang.
Konfiguration
Einrichtung von Stammdaten, Arbeitsplänen, Rezepturen und Mandantenstruktur.
Schnittstellen-Einrichtung
Anbindung von DATEV, Waagen, Messgeräten oder EDI-Partnern je nach Bedarf.
Schulung und Rollout
Einweisung der Mitarbeitenden an BDE-Terminals, in OTEC SMART und im Backoffice.
Go-live und Support
Produktivstart mit begleitendem Support über die Media-Soft-Hotline.
OTEC im Marktkontext einordnen
Der Markt für ERP-Software speziell für die Oberflächenveredelung ist klein. Das Branchenportal softguide.de listet in seiner Kategorie "Oberflächentechnik" nur drei Produkte, ein Indiz dafür, wie eng dieses Segment tatsächlich ist.
| Anbieter | Produkt | Fokus | Technische Basis | Verbreitung (Drittangabe) |
|---|---|---|---|---|
| Media SoftTholey, Saarland | OTEC | Oberflächenveredelung und Lohnbeschichtung, exklusiv | Eigenentwicklung, Microsoft SQL Server | 297 Installationen laut softguide.de |
| Softec GmbH/AGKarlsruhe | OMNITEC | "Die ERP-Lösung für Oberflächenveredler", gleiche Positionierung wie OTEC | Eigenentwicklung, im Detail nicht recherchiert | über 180 Betriebe laut softguide.de |
| MODUS Consult GmbH | MODUS INDUSTRY | Breiter gefasst: Kunststoff-, Metall- und Zulieferindustrie allgemein, nicht exklusiv auf Oberflächentechnik | Aufbauend auf Microsoft Dynamics | Keine spezifische Zahl für Oberflächentechnik bekannt |
Daneben passen Systemintegratoren gelegentlich größere Mittelstands-ERP-Systeme wie abas, proALPHA oder SAP Business One für Oberflächenveredler an. Belastbare, öffentlich dokumentierte Fallbeispiele für eine solche Anpassung auf einen Lohnbeschichtungsbetrieb wurden im Rahmen dieser Recherche jedoch nicht gefunden, dieser Punkt bleibt plausibel, aber unbestätigt.
Häufige Fragen zu OTEC
OTEC ist ein ERP-System (Enterprise-Resource-Planning-System) des saarländischen Herstellers Media Soft Software Technology GmbH mit Sitz in Tholey. Es wurde speziell für Betriebe der Oberflächenveredelung, Galvanik und Lohnbeschichtung entwickelt und laut Anbieter komplett inhouse programmiert, ohne Module von Drittanbietern. Media Soft ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen und beschäftigt sich nach eigener Historie seit den 1990er-Jahren mit dieser Branche.
OTEC richtet sich an Betriebe der Oberflächenveredelung: Galvanik (elektrochemische Metallbeschichtung), Eloxaltechnik (Anodisieren von Aluminium), Pulverbeschichtung, kathodische Tauchlackierung (KTL) sowie verwandte Verfahren wie PVD-Beschichtung. Laut Anbieter deckt OTEC damit mehr als 15 Spezialbereiche der Oberflächentechnik ab. Der Schwerpunkt liegt auf Betrieben, die im Modell der Lohnbeschichtung arbeiten, also Kundenmaterial bearbeiten, statt eigene Produkte herzustellen.
Lohnbeschichtung, auch Lohnveredelung genannt, bedeutet, dass ein Betrieb Teile beschichtet oder behandelt, die einem Kunden gehören, statt eigene Ware zu produzieren und zu verkaufen. Abgerechnet wird pro bearbeitetem Stück, Kilogramm oder Quadratmeter, nicht pro verkauftem Artikel. Das erfordert eine ERP-Logik, die fremdes Material rechtlich sauber verfolgt, Chargen und Gestelle durch eine Abfolge von Bädern nachverfolgt und Prüfzertifikate je Charge ausstellen kann, Anforderungen, die generische Standard-ERP-Systeme in der Regel nicht abbilden.
OTEC ist laut Media Soft ein eigenständiges, vollständig selbst entwickeltes ERP-System und kein Aufsatzmodul für eine andere Plattform wie SAP oder Microsoft Dynamics. Der Hersteller wirbt ausdrücklich damit, keine Fremdmodule einzusetzen. Technische Grundlage ist laut Anbieter ein Microsoft-SQL-Server-Unterbau mit einer eigenen, Windows-basierten Oberfläche.
Das Kernsystem OTEC BaSys deckt Stammdaten, Auftragsabwicklung, Kalkulation, Rechnungsstellung, Lager, Einkauf, Gestellverwaltung, Arbeitspläne und Qualitätsmanagement ab. OTEC BDE erfasst Betriebsdaten stationär oder mobil direkt an der Anlage. OTEC Planning übernimmt Auftrags-, Kapazitäts- und Anlagenplanung, OTEC Digital Plan ergänzt das um Feinplanung, Terminüberwachung und Gestellplanung mit Echtzeit-Rückmeldung.
OTEC SMART ist eine Android-App von Media Soft für den mobilen Einsatz im Betrieb. Mitarbeitende können damit Fotos zu Artikeln oder Gestellen aufnehmen, Wareneingänge und -ausgänge buchen, Inventuren durchführen sowie Lieferscheine und QM-Dokumente direkt auf Tablet oder Smartphone erfassen.
OTEC bringt laut Anbieter eine Standardschnittstelle zu DATEV für die Finanzbuchhaltung mit, dazu EDI/EDIFACT-Anbindungen an Kunden, Maschinen, Messgeräte und Telefonanlagen, eine CAMT-Schnittstelle für den Zahlungsverkehr, eine Anbindung an den Paketdienstleister UPS sowie eine Schnittstelle zu Schichtdicken-Messgeräten des Herstellers Fischer. Ergänzt wird das um Ein- und Ausgang elektronischer Rechnungen und Anbindungen an Waagen und Fertigungsanlagen.
Media Soft als Unternehmen ist nach ISO 9001:2015 zertifiziert und wurde nach eigener Angabe zuletzt im September 2025 rezertifiziert. Eine erste ISO-9001-Zertifizierung erfolgte bereits im November 2009. Diese Zertifizierung betrifft die Qualitätsmanagement-Prozesse des Herstellers selbst, nicht die Software OTEC als Produkt.
OTEC unterstützt laut Anbieter seit einer Erweiterung im Jahr 2017 die Dokumentations- und Rückverfolgbarkeitsanforderungen, die Automobilzulieferer für IATF 16949 und Luft- und Raumfahrtzulieferer für Nadcap benötigen. Das ist jedoch keine eigene Zertifizierung von OTEC oder Media Soft nach diesen Standards, zertifiziert wird immer der Betrieb, der die Software einsetzt, nicht die Software selbst.
Media Soft veröffentlicht keine Preisliste für OTEC. Der Hersteller erstellt nach eigener Aussage ein individuelles Angebot auf Basis der Prozesslandkarte des Kunden und einer sogenannten Usermatrix, die Nutzeranzahl und Rollen abbildet. Eine seriöse Kostenaussage ist daher nur nach einem konkreten Angebotsgespräch möglich, öffentlich zugängliche Preisbeispiele existieren nicht.
Ja, Media Soft bietet in Kooperation mit einem Leasingpartner namens MMV bilanzneutrale Finanzierungsmodelle an, darunter Leasing mit Kaufoption und Sale-and-Lease-Back, mit Laufzeiten zwischen 24 und 60 Monaten. Laut Anbieter lassen sich diese Modelle mit Förderprogrammen wie Go-digital, der Digitalprämie oder Invest BW kombinieren, die tatsächliche Förderfähigkeit hängt jedoch vom Einzelfall und Bundesland ab.
Media Soft nennt eine typische Einführungsdauer von 6 bis 36 Wochen, abhängig vom Modulumfang. Ein reines Basissystem für einen Standort lässt sich tendenziell schneller einführen als ein mehrmandantenfähiges Projekt mit Betriebsdatenerfassung, Planungsmodulen und mehreren Schnittstellen.
Media Soft gibt an, dass mehr als 200 Unternehmen in Deutschland und Europa OTEC einsetzen, Stand 2026. Das Branchenportal softguide.de nennt abweichend 297 Installationen, eine Zahl, die höher liegen kann, weil einzelne Unternehmen mehrere Installationen oder Standorte betreiben. Beide Zahlen stammen nicht aus unabhängig geprüften Quellen.
Nein, zum Zeitpunkt dieser Recherche 2026 war auf gängigen unabhängigen Bewertungsplattformen wie Capterra, OMR Reviews, Trustpilot, G2 oder Trusted.de kein Eintrag zu OTEC auffindbar. Die einzigen öffentlich zugänglichen Erfahrungsberichte sind Kundenzitate, die Media Soft selbst auf der eigenen Website veröffentlicht.
Passt OTEC zu Ihrem Betrieb, oder brauchen Sie doch ein breiteres ERP?
OTEC ist stark, wenn Ihr Betrieb wirklich verfahrensorientiert arbeitet und Lohnbeschichtung, Galvanik oder verwandte Verfahren im Zentrum stehen. Für andere Fertigungsprofile lohnt sich ein Blick auf breiter einsetzbare Systeme. Find Your Software hilft anbieterneutral dabei, OTEC gegen Alternativen wie OMNITEC oder generische Mittelstands-ERP-Systeme einzuordnen und die richtige Wahl für Ihre Prozesse zu treffen.